Erstmals übernimmt eine Frau die Leitung der Vatikan-Kommunikation. Eine US-Amerikanerin soll den teuren und intern umstrittenen Medienapparat auf Reformkurs bringen. Ihr Erfolg hängt vor allem vom Papst ab.
Severina Bartonitschek
(CIC) «Die Vatikan-Kommunikation ist in der Krise», bemerkte kürzlich ein Mitarbeiter. Das ist keine neue Erkenntnis, denn die dafür zuständige Behörde ist eine grosse und teure Dauerbaustelle. Die beiden letzten Leiter bekamen sie nicht in den Griff, nun soll es erstmals eine Frau richten. Sie hat, wie der Papst, die US-Staatsbürgerschaft.
Einfach wird es für die in Mexiko-Stadt geborene Maria Montserrat Alvarado nicht, wenn sie am 1. November ihr Amt antritt. Denn obwohl der Vatikan viele Angestellte aus anderen Ländern hat, sind die Italiener klar in der Überzahl. Und die lassen sich nicht gern in ihre gewohnten Abläufe und Hierarchien hineinreden. In der Kurie bilden sie eine eigene Subkultur, zu der Außenstehende kaum Zugang finden.
Auf einer tieferen Hierarchie-Ebene des Dikasteriums, in der Leitung des vatikanischen Presseamts, ist ein ähnliches Experiment vor einigen Jahren krachend gescheitert. Der US-Amerikaner Greg Burke und seine spanische Vize Paloma García Ovejero, beide Journalisten, traten nach nur zwei Jahren im Amt überraschend zurück.
Nun soll Alvarado das vatikanische Kommunikationssystem reformieren. Ihre beiden Vorgänger taten sich schwer. Der italienische Priester Dario Viganò (2015-2018) strauchelte über die pannenreiche Veröffentlichung eines Briefs des emeritierten Papstes Benedikt XVI. (2005-2013). Sein Nachfolger Paolo Ruffini, der im Oktober in den Ruhestand geht, geriet in die Kritik, weil er weiter Kunstwerke des wegen Missbrauchs beschuldigten Priesters Marko Rupnik in Vatikanmedien veröffentlichte.
Zu Alvarados künftigem Arbeitsbereich gehören, neben der Pressestelle, die traditionsreiche Tageszeitung «Osservatore Romano», die seit Jahren mit sinkenden Auflagen kämpft, Radio Vaticana und das Internetportal Vatican News mit seinen 57 Sprachgruppen. Im Dikasterium verwaltet werden dazu Foto-, Audio-, und Videodienste, eine Druckerei, ein Fernsehzentrum und der vatikaneigene Verlag «Libreria Editrice Vaticana» (LEV). Rund 500 Menschen arbeiten für die Behörde, in der Papst Franziskus 2015 die gesamte Vatikan-Kommunikation zentralisierte. Etwa 40 Millionen Euro jährlich kostet ihr Betrieb.
Mit der Leitung verschiedener Sprachredaktionen hat «die Neue» bereits Erfahrung. Seit 2023 ist sie Chefin des sieben Sprachen umfassenden Nachrichtenbereichs des katholischen Medienkonsortiums EWTN. Das konservative «Eternal Word Television Network» bezeichnet sich selbst als weltgrößte katholische Medienorganisation,die weiteste Verbreitung hat sie in Nord- und in Lateinamerika.
Papst Leos XIV. Ernennung einer Frau als Kommunikationschefin überraschte weniger als ihre berufliche Herkunft. Denn zwischen EWTN-Vertretern und dem Vorgänger Franziskus (2013-2025) hatte es wiederholt Konflikte gegeben. Der Sender liess oft Kritiker des damaligen Papstes zu Wort kommen. Im Jahr 2021 warf Franziskus bei einem Treffen mit Jesuiten in der Slowakei einem «großen katholischen Sender» – gemeint war offenbar EWTN – vor, üble Nachrede über ihn zu verbreiten, dies sei ein «Werk des Teufels».
Bei einem Treffen mit Vertretern des Netzwerks legte seine Nummer zwei, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, im Jahr 2022 noch einmal nach. Er forderte sie auf, die Einheit mit dem Papst zu wahren: «Die Medien – und das gilt umso mehr, wenn sie ihre katholische Identität betonen wollen – müssen sich bemühen, keinen Hass zu verbreiten, sondern vielmehr eine nicht-feindselige Kommunikation zu fördern.»
Nach Bekanntgabe ihrer Ernennung erklärte Alvarado «die wichtige Arbeit der Stärkung des Dikasteriums in einem Geist der Freundschaft und Hoffnung weiterzuführen». Sie nehme die Aufgabe mit dem «ehrlichen Wunsch an, dem Heiligen Vater am Beginn seines Pontifikates zu dienen».
Als Chefin der Vatikan-Kommunikation ist Alvarado dafür zuständig, seine Botschaften in der heutigen Zeit zu verbreiten. Dazu zählt auch die professionelle Zusammenarbeit mit den eigenen Angestellten, die in den letzten Jahren häufig von Einschnitten betroffen waren, sowie die mit den rund 300 ständig beim Vatikan akkreditierten Journalisten. Offen bleibt bislang, ob die US-Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln dafür ein eigenes Team zusammenstellen kann. Ihr Handlungsspielraum für die Arbeiten an der Dauerbaustelle Kommunikation hängt weitgehend von Papst Leo XIV. ab.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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