«Dürfen Nonnen zu McDonald’s?» Auch solche Fragen beantworten Ordensleute auf Social Media. Zwei von ihnen haben nun auf der Republica gezeigt, wie Glaube im Web 2.0 funktionieren kann.
Joel Schmidt
(KNA) Die Republica ist das Festival für die digitale Gesellschaft – nicht die Fashion Week. Hier fällt auf, wer extravagante Kleidung trägt. Und so sorgen Josefine Schwitalla und Lukas Boving allerorten für einen Hingucker, wenn sie in ihrem schwarzen Habit durch die weitläufigen Hallen huschen. Manchmal sausen sie so schnell an einem vorbei, dass man sich im Nachhinein fragt, ist da gerade tatsächlich ein Mönch und eine Nonne an mir vorbeigerauscht?
Zwei schwarze Plastikstühle, eine karge Backsteinmauer aus roten Steinen im Hintergrund, für jede ein Handmikrofon, aus viel mehr besteht das Bühnensetting nicht, in dem sich Schwester Josefine und Bruder Lukas nun den Fragen stellen. Nur ein blauer Plastikstuhl zur Linken des Mönchs bleibt frei. Er ist reserviert für Beiträge aus dem Publikum. Denn das Besondere an dieser «Speak Up» genannten Bühne ist, dass das Publikum explizit zum Fragenstellen eingeladen ist. Und zwar nicht zum Abschluss, sondern zu jeder Zeit.
Die grosse Bühne brauchen sie nicht – die bespielen sie auf Social Media tagtäglich zu genüge. Dem Tiktok-Account des Bistums Osnabrück, auf dem Schwitalla ihre Videos veröffentlicht, folgen mehr als 50’000 Menschen; auf Instagram sind es bei Boving, Host des Podcasts «Mönch ärgere dich nicht», an die 15’000.
Woher die Online-Affinität der beiden Benediktiner kommt? Bevor er vor 16 Jahren ins Kloster Nütschau ging, war Boving in der Werbebranche tätig. «Jetzt», erzählt er, «bringe ich die beste Botschaft der Welt an die Leute: Jesus liebt dich». Die Zeiten, in denen die Kirche allein durch ihre Türme in jedem Ort sichtbar war, seien lange vorbei. Daher müsste sie heute dort sein, wo die Menschen sind: in den sozialen Medien.
«Halleluja! Jesus liebt dich! Mönche, Nonnen und Social Media» ist auf einem Bildschirm hinter den beiden zu lesen. Die «Speak Up»-Bühne befindet sich in der Ecke einer der grossen Hallen der Station Berlin, in denen die Republica stattfindet. Im sogenannten Community Garden sind neben einer Bar kleinere Veranstaltungsformate wie dieses beheimatet. Um dem lauten Stimmenwirrwarr in der grossen Halle Herr zu werden, nimmt das Publikum via Smartphone und Kopfhörer am Gespräch teil.
«Wir zeigen, wie vielfältig christliches Leben sein kann und dass es nicht bedeutet, mich bei jedem kleinen Fluch selbst zu kasteien, sondern dass es auch Spass machen kann.»
Ein junger Mann nimmt auf dem blauen Plastikstuhl Platz und möchte wissen, wie es den beiden gelingt, ihre Botschaft an die Menschen zu bringen. «Das ist ein Riesenspagat, der manchmal richtig weh tut», sagt Boving. Aus Rücksicht auf die algorithmische Funktionsweise von Social Media komme man nicht drum herum, manche «Trends und Albernheiten mitzumachen.»
Schwitalla wollte ursprünglich nur ein Tik-Tok-Video aus dem Inneren ihres Osnabrücker Klosters drehen – und wurde dann vom eigenen Erfolg überrascht. Seitdem beantwortet sie alle erdenklichen Fragen, die sich bei ihren Followern bezüglich des Lebens im Kloster auftun. Die Bandbreite reicht von «Dürfen Schwestern zu McDonalds gehen?» bis zu Skincare-Tipps.
«Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns als Frauen nicht unterbuttern lassen und unseren Standpunkt nach vorne treiben.»
Sie sagt: «Das wichtigste ist Authentizität, sich nicht zu verstellen». Die Nonne ist überzeugt: «Wir zeigen, wie vielfältig christliches Leben sein kann und dass es nicht bedeutet, mich bei jedem kleinen Fluch selbst zu kasteien, sondern dass es auch Spass machen kann.» Frage der Moderatorin: «Schlafen Nonnen in Särgen?» – Schwitalla: «Ich habe tatsächlich ein ganz bequemes Bett.»
Man merkt Schwitalla und Boving an, dass sie in erster Linie für sich selbst sprechen. Kirchenpolitische Fragen aus dem Publikum beantworten sie mit einer gewissen Distanz.
«Ich finde es ganz wichtig, dass wir uns als Frauen nicht unterbuttern lassen und unseren Standpunkt nach vorne treiben», sagt Schwitalla etwa auf die Frage nach der Rolle von Frauen in der katholischen Kirche. Boving antwortet: «Ich verkünde die beste Botschaft auf Social Media. Ich will nicht die Kirche verbessern – das ist nicht meine Aufgabe».
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