Wer auf Wikipedia nach der Schule Theresianum Ingenbohl sucht, entdeckt unter den prominenten Absolventinnen den Namen Graziella Contratto. Im Podcast «Laut + Leis» sagt die Dirigentin, wie sie den Unterricht erlebt hat.
«Es war tatsächlich eine für mich sehr tolle Zeit, weil wir eine exzellente Art und Weise erlebt haben, wie Wissen vermittelt werden konnte. Wir hatten auf der einen Seite Klosterfrauen, also Mitglieder der dortigen Klostergemeinschaft, die uns unterrichtet haben, und auf der anderen Seite Gymnasiallehrer.
Ich hatte zum Beispiel Schwester Cécile Leimgruber in der Musik, sensationell, top vorbereitet in der Musikgeschichte. Ich konnte nachher am Konservatorium meinen Abschluss in zweieinhalb statt in vier Jahren machen.
Dann hatten wir noch Schwester Zoé Haas, die einen sehr spannenden Religionsunterricht machte – unter anderem auch über Befreiungstheologie damals in den 1980er-Jahren. Sie hat uns aber auch mal gesagt, ‹ach, ihr seid so abgrundtief oberflächlich›. Das fand ich grossartig.
Einer der besten Lehrer war mein Deutschlehrer, Dr. Pius Rohner, der mir – die bereits eine Leseratte war – aufgezeigt hat, wie die Literatur sich entwickelt hat, vor allem in der Klassik, das war sein Spezialgebiet. Er referierte über Jakob Bodmer und Jakob Breitinger, zwei wichtige Schweizer Sprach- und Literaturtheoretiker. Das hat mich alles wahnsinnig inspiriert.
Und was erstaunlich war damals, glaube ich, für von uns alle – wir werden uns dieses Jahr zum 40. Matura-Treffen wiedersehen –, dass es im Theresianum eigentlich darum ging, dass alle Schülerinnen dieser Schule später Karriere machen sollten.
Es ging überhaupt nicht in die Richtung, ja, jetzt machst du mal eine schöne Vorbereitung, dann gehst du schnell heiraten und wirst Mutter. Nein, die Idee war, ihr studiert, ihr macht Karriere und werdet auch noch Mutter. Das war eigentlich ein erstaunlich modernes Frauenbild, das uns damals schon vermittelt wurde.»
Das sagt die Dirigentin und Musikproduzentin Graziella Contratto im Podcast «Laut + Leis». Sie war von 1981 bis 1986 externe Schülerin im Theresianum Ingenbohl. In ihrem Debütroman mit dem Titel «Meitsch» (Atlantis-Verlag) schreibt sie über ihre Kindheit in Schwyz während der 1970er-Jahre. (sl)
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