Hostien aus Klöstern werden teurer: «Wir können nicht mit industrieller Produktion mithalten»

Zehn Frauenklöster schweizweit stellen Hostien her, die von Pfarreien und anderen Klostergemeinschaften bestellt werden. Seit 1. April gibt es neue Richtpreise. Grund sind höhere Produktionskosten. Manche Hostienbäckereien spüren die Konkurrenz aus dem Ausland – vom Rückgang der religiösen Praxis sind alle betroffen.

Barbara Ludwig

Zehn Frauenklöster in der Schweiz sind heute noch in der Hostienproduktion tätig, fünf in der Deutschschweiz und fünf in der Romandie. Es handelt sich um kontemplative Gemeinschaften – Benediktinerinnen, Kapuzinerinnen, Dominikanerinnen und Zisterzienserinnen, die auf einen Broterwerb innerhalb der Klostermauern angewiesen sind.

Bischöflicher Aufruf

Seit 1. April gibt es neue Richtpreise, die kürzlich von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) approbiert wurden. SBK empfiehlt den Pfarreien und Gemeinschaften ausdrücklich, die Hostien bei den klösterlichen Hostienproduzenten in der Schweiz zu beschaffen. Die Ordensgemeinschaften erhielten keine Kirchensteuereinnahmen, betonte die SBK bei der Bekanntgabe der neuen Preise. «Daher ist die Hostienproduktion für sie eine lebenswichtige Einnahmequelle.»

Neu kosten zum Beispiel 100 braune Laienhostien 8,30 Franken (vorher 7,50 Franken). 100 braune Priesterhostien mit einem Durchmesser von 7 Zentimetern kosten neu 31 Franken (vorher 28 Franken).

Strom und Mehl teurer

Letztmals waren die Richtpreise für Hostien 2020 erhöht worden. Seither sind die Produktionskosten gestiegen. «Die Stromrechnungen sind immer höher. Auch das Mehl ist teurer geworden», sagt Schwester Consiglia Ronni gegenüber kath.ch. Sie ist Priorin des Dominikanerinnenklosters Maria Zuflucht in Weesen SG, das circa 300 Kunden – Deutschschweizer Pfarreien und einige Pfarreien im Fürstentum Liechtenstein – beliefert.

Auch Schwester Marie-Agnès Berger, Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Magerau (Maigrauge) in Freiburg, spricht von höheren Produktionskosten, die unter anderem auf den gestiegenen Strompreis zurückzuführen seien.

Anstoss aus der Westschweiz

Der Anstoss zur Einführung neuer Preise sei dieses Mal von den Westschweizer Hostienbäckereien ausgegangen, sagen sowohl Schwester Consiglia Ronni als auch Schwester Maria Raphael Märtens, Frau Mutter des Kapuzinerinnenklosters St. Anna in Luzern.

«Normalerweise kommen die Vorschläge von uns aus der Deutschschweiz. Dieses Mal war es umgekehrt. Und wir haben es akzeptiert, weil es für sie wichtig ist», erklärt Schwester Maria Raphael Märtens gegenüber kath.ch. Ihre Hostienbäckerei, die grösste der Deutschschweiz, beliefere über 300 Kunden sowie mehrere Filialen. Letztere sind andere Klöster und Pfarreien, die in Luzern produzierten Hostien weiterverkaufen.

Äbtissin Marie-Agnès Berger aus dem zweisprachigen Freiburg bestätigt, dass die Vorschläge zur Erhöhung der Richtpreise von der Westschweiz ausgegangen sind. Sie wisse aber nicht, ob die welschen Hostienbäckereien mit mehr Schwierigkeiten kämpften als diejenigen in der Deutschschweiz. Es sei wichtig gewesen, die Preise in den beiden Landesteilen erneut zu vereinheitlichen: Seit 2020 hätten einige Klöster ihre Preise erhöht, andere jedoch nicht.

Die Frage der ausländischen Konkurrenz

Wenn es um die Hostienpreise geht, stellt sich seit Jahren auch die Frage nach der Konkurrenz aus dem Ausland. Als 2020 die Richtpreise erhöht wurden, erwähnte die Bischofskonferenz noch explizit «weltliche und ausländische Firmen», die versuchten auf dem Schweizer Markt Fuss zu fassen, «indem sie die hier bestehenden Preise unterlaufen».

In der Deutschschweiz gibt es das Problem der ausländischen Konkurrenz offenbar nicht. «Unsere Kunden sind uns treu», sagt Schwester Maria Raphael Märtens vom Kapuzinerinnenkloster in Luzern. Schwester Consiglia Ronni vom Dominikanerinnenkloster in Weesen wiederum sagt, 2020 sei die Konkurrenz aus dem Ausland ein Thema gewesen, jetzt aber nicht mehr. «Seit der Empfehlung der SBK haben sich die Pfarreien, die allenfalls im Ausland bestellten, wieder an die hiesigen Klosterbäckereien gewandt.»

Walliser Kloster bleibt bei tieferen Preisen

In der Westschweiz sieht es aber anders aus. Das Bernhardinerinnenkloster Collombey-Muraz VS will – im Moment zumindest – die neuen Richtpreise nicht anwenden, wie Schwester Marie-Paul Mermoud gegenüber kath.ch bestätigt. «Wir verkaufen 100 Hostien immer noch zum Preis von sieben Franken.»

Warum? «Wir wollen die Preise nicht erhöhen, um die Pfarreien unserer Diözese als Kunden zu behalten», sagt die Ordensfrau. Man riskiere sonst, dass sie in Italien oder Polen Hostien bestellen, wo die Produktion viel billiger sei. «Weil wir Schwestern in der Hostienbäckerei arbeiten, müssen wir keine Löhne bezahlen und können die Preise tief halten.» Das Mehl kaufe man aber weiterhin in der Schweiz ein, obschon es hierzulande teurer sei, versichert Schwester Marie-Paul Mermoud.

«Es brennt immer eine Kerze in unserer Hostienbäckerei.»

Schwester Marie-Agnès Berger vom Kloster Magerau sagt, man spüre die Konkurrenz nicht direkt. «Aber wir wissen, dass sie existiert. Vor allem können wir nicht mit industriellen und automatisierten Hostienbäckereien mithalten.» Es sei ihnen wichtig, «diese handwerkliche Arbeit zu bewahren, die eine wichtige gemeinschaftliche Tätigkeit darstellt und gut zu unserem Gebetsleben passt». Das Zisterzienserinnenkloster verkauft die Hostien nun zu den neuen Richtpreisen.

Schwester Consiglia Ronni vom Dominikanerinnenkloster in Weesen sagt, die Hostienproduktion trage zum Lebensunterhalt ihres Klosters bei. Aber auch der spirituelle Hintergrund sei ihnen sehr wichtig.

Die Priorin spricht von einer «geistigen Verbundenheit» mit den Empfängern der konsekrierten Hostie, also des Leibes Christi. «Es brennt immer eine Kerze in unserer Hostienbäckerei. Bei Beginn der Arbeit beten wir. Jedes Paket wird gesegnet, bevor es der Post zum Versand übergeben wird.»

Weniger Gottesdienste

Ob sie nun eine ausländische Konkurrenz spüren oder nicht: Die Hostienbäckereien verkaufen vor allem weniger Hostien, weil die Nachfrage in den letzten Jahren gesunken ist. «Vor 20 Jahren verkauften wir noch jährlich sechs bis sieben Millionen Hostien. Jetzt sind es zwischen vier und fünf Millionen jährlich», sagt Schwester Maria Raphael Märtens. Der Rückgang der Nachfrage sei kontinuierlich verlaufen. Besonders einschneidend sei allerdings die Corona-Pandemie gewesen. Seit der Pandemie hätten die Verkaufszahlen stark abgenommen, sagt auch die Äbtissin der Magerau. Und das frühere Niveau sei nicht wieder erreicht worden.

Die Nachfrage geht laut Schwester Maria Raphael Märtens zurück, weil weniger Gottesdienste stattfinden und die Zahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher generell rückläufig sei. «Es gibt weniger Priester, weniger Messen. Der Glaube schwindet, ebenso die religiöse Praxis», bedauert Schwester Marie-Bénédicte Lattion vom Kloster Notre-Dame de Géronde in Sierre VS. Für ihr Kloster habe die Hostienproduktion jedoch nicht eine solch grosse Bedeutung. «Wir haben eine kleine Hostienbäckerei und weniger Kunden als andere Klöster.»


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https://www.kath.ch/newsd/hostien-aus-kloestern-werden-teurer-wir-koennen-nicht-mit-industrieller-produktion-mithalten/