Wiborada-Statue: Ehre für die Retterin der Stiftsbibliothek-Schätze

An der Wand vor dem Eingang der Stiftsbibliothek St. Gallen steht neuerdings eine Wiborada-Statue auf einem Holzsockel. «Ohne Wiborada wäre die Stiftsbibliothek nicht so reichhaltig, wie sie sich heute präsentiert», sagt Stiftsbibliothekar Cornel Dora.

(rp) Am 2. Mai 2026 jährt sich der Todestag der Inklusin Wiborada von St. Gallen zum 1100. Mal. Die Heilige, die als Schutzpatronin der Bücher und Bibliotheken gilt, ist nun auch an jenem Ort präsent, der ihr einen grossen Teil seines historischen Bestandes verdankt: der Stiftsbibliothek St. Gallen.

Ohne die rechtzeitige Prophezeiung des Ungarneinfalls von 926 nach Christus wären wohl viele der Dokumente zerstört worden, heisst es in einer Mitteilung des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen. So jedoch habe der Abt von St. Gallen vor dem Einfall der Ungarn im Jahr 926 wertvolle Handschriften und Klosterschätze in Sicherheit bringen lassen können. Wiborada selbst starb als Märtyrerin.

Figur aus dem Archiv

Wie Stiftsbibliothekar Cornel Dora erklärt, wurde lange geprüft, wie man Wiborada in der Stiftsbibliothek sichtbarer machen könnte. Die Optionen reichten von einer modernen Statue bis hin zu einer künstlerischen Spezialanfertigung.

Der Entscheid fiel schliesslich zugunsten einer Figur aus Lindenholz aus dem Archivbestand. Diese könnte ursprünglich bereits als Wiborada gedacht gewesen sein, heisst es in der Mitteilung. Darauf deute ihr Gewand hin.

Hellebarde und Bücher hinzugefügt

In Kooperation mit der St. Galler Künstlerin Elena Kaeser und Kunstrestaurator Hanspeter Strang aus Wil SG wurden die typischen Wiborada-Attribute – Hellebarde und Bücher – nachträglich gefertigt und die Statue damit ergänzt. Hanspeter Strang und Silvio Frigg, Leiter Zentrale Dienste, montierten die Wiborada am letzten Dienstagmorgen direkt bei der Ticketkontrolle. «Die Stiftsbibliothek noch stärker in die Tradition von Wiborada zu stellen, finde ich richtig», so Frigg.

Kurz nach der Montage konnte die Figur von der Seelsorgerin Hildegard Aepli, die sich Wiborada stark verbunden fühlt, eingesegnet werden. «Dass dieser Moment ausgerechnet im Jubiläumsjahr von Wiborada wahr wird, freut mich enorm», sagte Aepli laut Mitteilung. Es gehe hier nicht in erster Linie darum, dass eine Heiligenstatue stehe, sondern vielmehr um die Sichtbarmachung einer wichtigen Frau für St.Gallen und das ganze Unesco-Weltkulturerbe. «Der heiligen Wiborada verdanken wir die allerältesten Handschriften. Ihre Bedeutung für unseren Standort ist gross.»

Nicht auf Augenhöhe der Besucherinnen und Besucher, sondern leicht erhöht, ist die Heilige, denn: «Sie ist viel wichtiger als wir alle». Das sagte demnach der Stiftsbibliothekar Dora mit einem Schmunzeln.


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