Zwischen Niklaus von Flüe und dem libanesischen Heiligen Charbel Makhlouf gibt es etliche Parallelen. Das Zentrum Ranft in Flüeli-Ranft OW hat je eine Reliquie der beiden Eremiten erhalten. Am Sonntag wurden die Reliquien – ein Geschenk des Vereins Solidarité Liban-Suisse – bei einer Eucharistiefeier gesegnet.
Barbara Ludwig
Charbel Makhloufs Leben erinnert an dasjenige von Niklaus von Flüe – auch Bruder Klaus genannt –, obschon die beiden Heiligen zeitlich und geografisch weit auseinander liegen. Der als Friedenspatron verehrte Niklaus von Flüe (1417-1487) lebte im 15. Jahrhundert in der Ranftschlucht im heutigen Kanton Obwalden. Charbel Makhlouf (1828-1898) vier Jahrhunderte später im Libanon.
Beide stammen aus einer Bauernfamilie. Beide wurden Einsiedler und pflegten einen asketischen Lebensstil. Makhlouf war im Unterschied zu Bruder Klaus allerdings Mönch und Priester, 1875 zog er sich in eine Einsiedelei in der Nähe seines Klosters zurück.
«Die Gemeinsamkeiten der beiden Eremiten liegen in ihrer Spiritualität», schrieb der verstorbene Theologe Christoph Klein in einem Beitrag für die Schweizerische Kirchenzeitung. «Für beide stand einerseits die Eucharistie im Zentrum, andererseits waren beide grosse Marienverehrer und werden meist mit dem Rosenkranz dargestellt.»
Charbel Makhlouf, 1977 von Papst Paul VI. heiliggesprochen, ist laut Christoph Klein im Libanon mindestens so populär wie Bruder Klaus in der Schweiz. Weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt sei er vor allem durch die Wunderheilungen geworden, die Menschen nach seinem Tod erfuhren.
«Als spirituell sehr gehaltvoll könnte sich die Zusammenschau von Bruder Klaus und St. Charbel erweisen, denn im Kern gehören Friede und Heilung zusammen», so Christoph Klein in seinem Artikel. Jedenfalls Friede, wie Bruder Klaus ihn verstanden habe – als Eingeordnetsein in die grosse Ordnung Gottes, und Heilung, wie Charbel Makhlouf sie laut Zeitgenossen verstanden habe – als etwas äusserlich Sichtbares, das unmittelbar mit dem Seelenheil zusammenhänge.
Von beiden Heiligen gibt es nun Reliquien in Flüeli-Ranft unweit des Wirkungsortes von Bruder Klaus. Das Zentrum Ranft hat sie vom Verein Solidarität Libanon-Schweiz als Geschenk erhalten. Am vergangenen Sonntag wurden sie im Rahmen einer Eucharistiefeier in der Kapelle des Zentrums gesegnet, wie die «Obwaldner Zeitung» am Dienstag berichtete.
Konkret handelt es sich im Fall von Bruder Klaus um einen Knochensplitter des Heiligen und im Falle des libanesischen Eremiten um einen Splitter des Sarges, der von seinem Blut getränkt ist. Dies sagt Nabih Yammine, Präsident des Vereins Solidarität Solidarität Libanon-Schweiz, gegenüber kath.ch.
Die Reliquien finden sich laut der «Nidwaldner Zeitung» in goldenen Dosen, die ihrerseits in zwei Steine eingesetzt wurden, in die man zuvor ein Loch gebohrt hatte. Die Steine hatte Ursula Bründler, Präsidentin des Trägervereins Zentrum Ranft, in der Kleinen Melchaa gefunden.
«Durch die Berührung seiner Reliquie dürfen wir seine Präsenz wahrnehmen, sein Heilswirken, wie auch bei der Reliquie des Heiligen Charbel.»
Die innere Verbindung mit Niklaus von Flüe gebe heute noch Schutz, sagte Bründler gegenüber der Zeitung. «Durch die Berührung seiner Reliquie dürfen wir seine Präsenz wahrnehmen, sein Heilswirken, wie auch bei der Reliquie des Heiligen Charbel.»
Die Vereinspräsidentin plant demnach, die Steine in Holz fassen zu lassen und in der Hauskapelle zu installieren. Am 25. September, dem offiziellen Gedenktag von Bruder Klaus, sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Hauskapelle ist offen für jedermann, wie Bründler kath.ch mitteilt.
Das Zentrum Ranft ist ein Haus der Stille und der Spiritualität, das gemäss Statuten unter anderem Kurse und Veranstaltungen in Meditation und Persönlichkeitsentwicklung anbietet und sich im interreligiösen Dialog engagiert. Seit einigen Jahren gibt es eine Zusammenarbeit des Trägervereins mit dem Verein Solidarität Schweiz-Libanon. (korr., 26.3.26, 8.08 Uhr, Name der Zeitung, bal)
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/bruder-klaus-und-heiliger-charbel-zentrum-ranft-bekommt-zwei-reliquien/