Shitstorm geht an der Realität vor Ort vorbei: Der Franziskaner Thomas Freidel erlebt in Italien live, wie Besucher den Franziskus-Reliquien begegnen. Darin erkennt er keinen Grund zur Empörung.
(KNA) Der deutsche Franziskaner Thomas Freidel hat Kritik an der Ausstellung der sterblichen Überreste des heiligen Franziskus in Assisi zurückgewiesen. Begriffe wie «Sakrileg» oder «Störung der Totenruhe» verfehlten die Realität vor Ort deutlich, sagte der Seelsorger am Dienstag dem Kölner Portal domradio.de.
Kritik erklärt der Franziskaner mit kulturellen Unterschieden: In Süditalien sei man es gewohnt, dass man «die Leiber der Heiligen» sehen könne. «Ich habe noch nie so einen Kontrast zwischen dieser Aussenwahrnehmung und dem, was wir hier erleben, mitbekommen», sagte Freidel weiter.
Während im Internet Empörung laut werde, erlebten tausende Besucher in Assisi «eine Atmosphäre des Gebetes, der Besinnung, der Sammlung, der Ergriffenheit und der Freude».
Auch den Vorwurf der Sensationslust weist der Ordensmann entschieden zurück: «Manche denken da vielleicht, dass nur ‹ gegafft› werde. Aber die Wirklichkeit ist ganz anders.» Bilder aus dem Internet vermittelten ein verzerrtes Bild. Freidel betont zudem die religiöse Dimension: Franziskus sei nicht «in diesen Knochen», sondern lebe «in der ewigen Vollendung bei Gott». Die Verehrung der sterblichen Überreste gelte letztlich Gott selbst.
Zum 800. Todestag des Ordensgründers Franz von Assisi (um 1182-1226) werden zur Zeit erstmals seine Überreste der Öffentlichkeit gezeigt. Dazu wurde am 22. Februar ein Plexiglas-Sarg mit seinen Gebeinen aus der Krypta der Basilika im italienischen Assisi in die darüber gelegene Unterkirche gebracht, wo seine Gebeine bis zum 22. März zu besichtigen sind.
Thomas Freidel ist Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Pilger in Assisi. Der gebürgte Pfälzer ist seit 2008 mit dieser Aufgabe betraut.
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