Frauenbund zum Vatikandokument: «Kein struktureller Durchbruch, aber wichtiger Schritt»

Der Frauenbund Schweiz würdigt das jüngste Vatikandokument zur Frauenfrage. Es enthalte «bemerkenswert offene Selbstkritik». Der Frauenbund äussert aber auch Kritik: Der Bericht führe keine neuen kirchlichen Ämter ein.

Barbara Ludwig

In der Studie des Vatikans, die vor einer Woche veröffentlicht wurde, wird die Klärung der Frauenfrage in der katholischen Kirche als dringlich beschrieben. Aus Sicht des Frauenbundes Schweiz enthält das 74 Seiten umfassende Papier «bemerkenswert offene Selbstkritik».

In der Kirche nicht mehr zuhause

Erstmals werde ausdrücklich benannt, dass sich Frauen weltweit in der Kirche nicht mehr beheimatet fühlen und deshalb teilweise auch die Kirche verlassen, schreibt der Frauendachverband in einer Stellungnahme vom Montag. «Diese Diagnose wird als wichtiges Signal im synodalen Lernprozess gewertet.»

«Für vatikanische Verhältnisse stellen solche Aussagen bereits einen deutlichen Schritt dar.»

Die Studie nenne auch strukturelle Ursachen für diese Entwicklung, stellt der Frauenbund fest: «Dazu zählen Klerikalismus, männlicher Chauvinismus und eine teilweise unsensible Sprache – auch in der Liturgie.» Gleichzeitig verabschiede sich das Dokument «von lange gepflegten Geschlechterstereotypen».

Für viele Frauen in der Kirche seien die Ergebnisse der Studie nicht neu, Reformfragen würden in verschiedenen Ländern seit Jahren intensiv diskutiert, heisst es in der Stellungnahme weiter. Und doch zeige der Bericht aus Rom eine bemerkenswerte Entwicklung: «Für vatikanische Verhältnisse stellen solche Aussagen bereits einen deutlichen Schritt dar. Sie unterscheiden sich spürbar vom früheren Sprachstil kirchlicher Dokumente.»

Entwicklungspotential im deutschsprachigen Raum

Ein zentraler Punkt des Berichts sei die Frage der Führungsverantwortung, schreibt der Frauenbund. Die Studiengruppe empfehle ausdrücklich, Frauen stärker in administrative und pastorale Leitungspositionen einzubeziehen. «Auch für die Ortskirchen im deutschsprachigen Raum sieht der Bericht weiteres Entwicklungspotential.» Zwar nenne er positive Beispiele aus der Schweiz und Österreich, gleichzeitig werde deutlich, dass es viel mehr Möglichkeiten gebe. Im Bericht wird demnach festgehalten: «Frauen in der Gemeindeleitung gibt es noch nicht überall.»

Frauendiakonat: Keine neuen Perspektiven

Der Frauenbund Schweiz äussert auch Kritik an dem Vatikandokument. So bemängelt er, dass der Bericht beim Thema Frauendiakonat keine neuen Perspektiven eröffne. Er enthalte keine Erkenntnisse, die über die bereits im Dezember veröffentlichten Ergebnisse der sogenannten Petrocchi-Kommission hinausgehen. Dies bezieht sich auf eine Synthesepapier zum Frauendiakonat. «Im Dokument wird darauf verwiesen, dass die Zeit für Diakoninnen noch nicht reif sei.»

Weiter hält der Frauenbund fest, der Bericht führe keine neuen kirchlichen Ämter ein. Fragen wie das Frauendiakonat oder die Frauenordination würden nicht entschieden und blieben Gegenstand weiterer Diskussionen. «Der Bericht ist deshalb kein struktureller Durchbruch, aber ein wichtiger Schritt.» Er anerkenne die Bedeutung von Frauen, benenne bestehende Probleme und stärke theologische Argumente für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Kirche, so der Frauenbund in seiner Stellungnahme.

Frauenfrage als «Zeichen der Zeit»

Die Studie mit dem Titel «Die Teilhabe von Frauen im Leben und der Führung der Kirche» war während der Weltsynode in den Jahren 2023 und 2024 von Papst Franziskus unter der Oberhoheit des Glaubensdikasteriums in Auftrag gegeben worden.

Das Dokument stellt fest, dass es ein «spezifisches Unbehagen unter vielen Frauen bezüglich ihrer Teilhabe am Leben ihrer Gemeinden» gebe, insbesondere wenn man es vergleiche mit den Möglichkeiten im bürgerlichen Leben. Dies gelte keineswegs nur für westliche Gesellschaften und habe dazu geführt, dass eine immer grössere Zahl von Frauen sich nicht mehr damit identifizieren könne, katholisch zu sein.

Die Studiengruppe empfiehlt daher, «anzuerkennen, dass die ‹Frauenfrage› ein Zeichen der Zeit ist in dem Sinne, dass der Heilige Geist dadurch spricht». Deshalb sei auf allen Ebenen der Kirche eine veränderte Mentalität notwendig.


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https://www.kath.ch/newsd/frauenbund-zum-vatikandokument-kein-struktureller-durchbruch-aber-wichtiger-schritt/