Wie weiter, Landeskirche?

Die evangelische Kirche beider Appenzell hielt am Montag im Kantonsratssaal in Herisau eine Synode ab.

Elisha Wick

Wie stellt sich die Kirche der Zukunft auf? Was tun gegen Mitgliederschwund, vakante Stellen, überforderte Gemeinden? Am Montag diskutierten die Synodale der evangelischen Landeskirche beider Appenzell im Kantonsratssaal in Herisau. An der Synode regten zwei Traktanden zu Diskussionen an. Bei einem ging es um die zukünftige Entwicklung der Landeskirche. Eine siebenköpfige Arbeitsgruppe hat im Auftrag des Kirchenrates ein Dokument dazu ausgearbeitet. Sie wurde von zwei Juristen unterstützt und von Harald Tuckermann, Titularprofessor an der HSG, geleitet.

Das Dokument ist eine Reaktion auf gesellschaftliche Entwicklungen: Die Kirche verliert Mitglieder. Bevölkerungsgruppen, die der Kirche die Treue halten, werden kleiner. Das ist der demografische Faktor. Zudem ist die Säkularisierung noch immer zunehmend. Das bedeutet, es treten Mitglieder aus der Kirche aus. Die statistische Erhebung im Dokument geht von einem starken Rückgang der Mitgliederzahl aus. In den kommenden 20 Jahren soll sie sich halbieren und auf rund 10’000 Mitglieder schrumpfen.

Die Arbeit nimmt mit dem Mitgliederschwund ab

Mit dieser Entwicklung nehmen auch die Steuererträge ab. Die Kirche rechnet mit sinkenden Einnahmen von heute 12,7 Millionen auf 7 Millionen Franken im Jahr 2045. Das sind beträchtliche Einbussen, auch wenn die finanziellen Mittel weniger stark und später sinken als die Mitgliederzahlen.

Die Leute fehlen der Institution nicht nur sonntags in der Kirche sondern auch auf der Kanzel. Jedes Jahr werden mehr Pfarrerinnen und Pfarrer pensioniert als nachrücken, steht im Dokument. In den Kirchgemeinden gibt es etliche vakante Stellen. Trogen und Wald mussten Ende 2025 gar von der Landeskirche verwaltet werden. Parallel zu dieser Entwicklung finden weniger Taufen, Bestattungen oder Trauungen statt. Gegensätzlich zu den anderen Trends sind die Stellenprozente von theologischen Mitarbeitenden der Landeskirche zwischen 2012 und 2025 relativ konstant geblieben.

Vier Modelle zur zukünftigen Entwicklung

So viel zu den Herausforderungen und Zahlen, die Arbeitsgruppe will Lösungen. Auf dem Tisch liegen vier Modelle, wie die Kirche künftig strukturiert werden könnte. Die Modelle unterscheiden sich insbesondere darin, wie viel Autonomie die heutigen Kirchgemeinden künftig behalten sollen. Eines der vier Modelle schlägt die Beibehaltung der heutigen Organisation vor.

Ein weiteres Modell schlägt vor, Anpassungen in den Strukturen stärker in die Gemeinden zu verlagern. Diese könnten sich je nach Bedarf mit anderen Gemeinden zusammenschliessen oder bloss Aufgaben zusammenlegen. Die Landeskirche würde dabei als Auffangnetz fungieren und Gemeinden unterstützen, die ihre Aufgaben nicht mehr selbst erfüllen können. Die Arbeitsgruppe merkt kritisch an, dass dadurch eine unübersichtliche Situation entstehen könnte, da die Unterstützung der Gemeinden durch die Landeskirche ungleich ausfallen würde.

Die beiden anderen Modelle unterscheiden sich im Grad der Zentralisierung. Ein Vorschlag sieht vor, die heutigen Kirchgemeinden zu vier grossen Gemeinden zusammenzufassen: Vorder-, Mittel- und Hinterland sowie Appenzell. Zudem würden administrative Aufgaben wie Personalwesen oder Buchhaltung von der Landeskirche übernommen.

Der letzte Vorschlag unterbreitet die Bildung einer einzigen Kirchgemeinde. Das Personal vor Ort könne sich somit auf das kirchliche Leben und den Kontakt mit den Kirchenmitgliedern vor Ort fokussieren.Operative und administrative Aufgaben würden von der Landeskirche übernommen. Die Setzung des Steuerfusses, der Kontakt mit Behörden der Schweiz, dem Kanton und anderweitigen Institutionen würden in ihre Zuständigkeit fallen.

Diskussionsrunde an der Gesprächssynode

An der Synode vom Montag ist es noch nicht zu einer richtungsweisenden Abstimmung gekommen. Der Kirchenrat schlug stattdessen vor, eine sogenannte Gesprächssynode durchzuführen, um die verschiedenen Modelle vertieft zu diskutieren. Diskussionsstoff bot insbesondere die Frage, wer an dieser Gesprächssynode teilnehmen und mitdiskutieren soll. Einige Mitglieder äusserten die Befürchtung, dass die Basis zu wenig einbezogen werden könnte. An der Abstimmung über den Antrag war jedoch eine komfortable Mehrheit von 33 Ja-Stimmen für die Durchführung einer Gesprächssynode. Das Absolute Mehr lag bei 22 Stimmen.

An der Synode wurde das vorhergehende Traktandum bedeutend länger diskutiert. Der Kirchenrat hat das Geschäftsreglement vorgestellt und sich den Fragen und Anmerkungen der Synodale gestellt. Besonders die Kirchenratspräsidentin Martina Tapernoux-Tanner. Der Kirchenrat gebe sich damit erstmals ein Reglement und schreibe mit der Vorlage die gelebte Praxis in einem Gesetz nieder, sagte Tapernoux. Die Synodale haben über Änderungsvorschläge einzelner Mitglieder abgestimmt, Präzisierungen vorgenommen und dem Kirchenrat Aufträge für eine zweite Lesung mitgegeben. Das Reglement wurde schlussendlich mit 40 Ja-Stimmen angenommen.

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