«Es war sehr bewegend und berührend»: Gedenkgottesdienst für Trauernde in Kerzers

Kerzenschein, stille Gebete, einfühlsame Musik: Am Mittwochabend fand in der reformierten Kirchgemeinde Kerzers ein ökumenischer Gedenkgottesdienst statt. Gedacht wurde der Opfer des Postautobrandes von Dienstag.

Wolfgang Holz

«Der Anlass war sehr feierlich und sehr würdig», beschreibt der Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Pfarrei Kerzers, Erich Hirt, auf Anfrage von kath.ch, wie er die Gedenkfeier in der reformierten Kirche miterlebte. Die Kirche sei voll besetzt gewesen.

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn zeigen sich tief betroffen von der Bustragödie. Sie sprechen allen Betroffenen ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. 

Erinnerungen an Brandopfer in Crans-Montana

«Dieses schreckliche Ereignis weckt Erinnerungen an das schwere Unglück von Crans-Montana, weil erneut Menschen den schrecklichen Flammentod erlitten haben oder schwer verletzt worden sind. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie bei denen, die ihnen zur Seite stehen. Wir möchten unsere tiefe Solidarität zum Ausdruck bringen», schreiben sie auf ihrer Webseite.

«Die Feier ist für alle, die traurig sind, besonders für jene, die jemanden verloren haben.»

Vor Ort zeigte sich der reformierte Synodalrat Benjamin Stupan betroffen: «Die Feier ist für alle, die traurig sind, besonders für jene, die jemanden verloren haben.»

Kerzen anzünden

Während der Gedenkfeier folgten im Wechsel Gedanken, Gesang und kurze Andachten und stilles Gebet. Am Schluss des Gedenkgottesdienstes hatten die Anwesenden die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden, das Gespräch mit Pfarrpersonen zu suchen oder einfach still sitzen zu bleiben.

«Es war ein wichtiger Anlass, um der Toten zu gedenken und den Menschen vor Ort in ihrer Trauer ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln.»

«Angebote, die sehr gerne angenommen wurden», wie Isabella Senghor von der Katholischen Kirche im Kanton Freiburg gegenüber kath.ch bestätigt. Sie fand die Feier «sehr bewegend» und «sehr berührend». «Es war ein wichtiger Anlass, um der Toten zu gedenken und den Menschen vor Ort in ihrer Trauer ein Gefühl der Gemeinschaft zu vermitteln – ein wichtiger Moment für Kerzers.»

Während der Feier begleitete sanftes Orgelspiel die Menschen durch die Kirche oder zum Ausgang. Einige nahmen auf dem Rückweg die Gelegenheit wahr, zum Ort des Geschehens zu gehen und nochmals in stiller Andacht zu verweilen oder sich mit anderen Personen auszutauschen.

Auch der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, war bei der Gedenkfeier anwesend. Ebenso Pierre-Philippe Blaser, Synodalratspräsident der evangelisch-reformierten Synode im Kanton Fribourg.

Bischof Morerod sagte in seiner spontanen Ansprache: «Der Grund für unsere Anwesenheit ist tragisch, aber angesichts dieser Tatsachen ist es gut, dass wir hier sind. Die Opfer und ihre Familien müssen spüren, dass sie nicht allein sind: Unsere ökumenische Gemeinschaft und unsere menschliche Gemeinschaft sind bei ihnen, heute, morgen und übermorgen. Die Anwesenheit ist stärker als die Worte, die mir fehlen. In solchen Momenten stellen wir uns die Frage: Wo ist Gott? Er ist gekommen, um bis in den Tod bei uns zu sein.»

«Ich spürte die Emotionen der Menschen und ihre Suche nach Sinn in dieser schrecklichen und unfassbaren Situation.»

Und auch Pierre-Philippe Blaser drückte seine Trauer einfühlsam aus: «Bei dieser Zeremonie spürte ich das Bedürfnis der Einwohnerinnen und Einwohner von Kerzers und Umgebung, zusammenzukommen, um zu trauern und sich gegenseitig zu unterstützen. Ich spürte die Emotionen der Menschen und ihre Suche nach Sinn in dieser schrecklichen und unfassbaren Situation. Ich dachte mir, dass die Kirche als Gemeinschaft und auch als Gebäude ein symbolisches Zuhause darstellt, das für viele Menschen Bedeutung hat und in dem jeder etwas finden kann, um weiterzumachen und die schweren Zeiten zu überstehen.»

Busfahrer auch gestorben

Wie die Kantonspolizei Freiburg inzwischen ermittelte, handelt es sich bei den Todesopfern des Postauto-Brands um zwei Frauen im Alter von 25 und 39 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 16 und 29 Jahren.

Alle sind Schweizer Staatsangehörige und in der Region wohnhaft. Auch der Busfahrer (63) kam beim Brand ums Leben, er war portugiesischer Staatsbürger. Zudem ist auch der mutmassliche 65-jährige Schweizer Täter tot.

Gemäss der Mitteilung wurden auch die Verletzten identifiziert: Laut Polizei handelt es sich um zwei Männer im Alter von 34 und 61 Jahren sowie zwei Frauen im Alter von 27 und 56 Jahren, alle Schweizer Staatsangehörige, und einen 32-jährigen kosovarischen Staatsangehörigen. Zwei Personen, die 56-jährige Frau und der 34-jährige Mann, befinden sich derzeit noch im Spital. Alle Verletzten sind in der Region wohnhaft.

«Erneut müssen wir einen solch traurigen Moment erleben.»

Bundespräsident Guy Parmelin, der am Mittwochnachmittag in Kerzers eingetroffen war, flankiert von seiner Frau Caroline, gedachte ebenfalls der Opfer des Brandes. «Erneut müssen wir einen solch traurigen Moment erleben», sagte Parmelin sichtlich bewegt am Rande des Anlasses vor den Medien. Nach der Brandtragödie von Crans-Montana VS von Anfang dieses Jahres musste Parmelin bereits zum zweiten Mal in seiner kurzen Amtszeit als Bundespräsident an einen tragischen Tatort ausrücken.


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https://www.kath.ch/newsd/es-war-sehr-bewegend-und-sehr-beruehrend-gedenkgottesdienst-fuer-trauernde-in-kerzers/