Nach dem 7. Oktober 2023 wuchsen verschiedenen Ländern Europas die Zahlen antisemitischer Vorfälle stark. Auch in der Schweiz gab es einen Anstieg – aber nicht nur, wie ein aktueller Bericht zeigt.
(KNA) Kriege und Konflikte im Nahen Osten haben auch in der Schweiz dazu geführt, dass Antisemitismus auf einem erhöhten Niveau bleibt – auch wenn es teilweise einen Rückgang der Zahlen gibt.
Im Online-Bereich stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle um 37 Prozent an, in der realen Welt ging sie um knapp 20 Prozent zurück, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Antisemitismusbericht des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) und der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) hervorgeht. Insgesamt bleibt das Niveau den Angaben zufolge deutlich höher als vor dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.
Der SIG und die GRS sehen keine nachhaltige Entspannung der Lage, sondern eine Verfestigung der bereits angespannten Situation und sprechen von einem strukturellen Problem. Jüdinnen und Juden vermieden es, religiöse Symbole öffentlich zu tragen oder bestimmte Orte und Veranstaltungen zu besuchen. «Dies weist auf eine schleichende Einschränkung jüdischen Lebens im öffentlichen Raum hin. Besorgniserregend ist zudem die zunehmende Normalisierung antisemitischer Narrative», hiess es.
Online wurden dem Bericht zufolge 2185 antisemitische Vorfälle registriert – eine Zunahme von 36,9 Prozent im Vergleich zu 2024 mit 1596 Vorfällen. Im vergangenen Jahr entfiel mit 1445 Fällen der mit Abstand grösste Teil auf den Messengerdienst Telegram. Es folgen Kommentarspalten von Online-Zeitungen mit 380 Vorfällen. Auf allen grossen Social-Media-Plattformen hätten sich antisemitische Inhalte gefunden, so der Bericht. Für die analoge Welt meldet der Bericht 177 antisemitische Vorfälle.
Im Jahr 2024 waren es demnach 221. Im vergangenen Jahr waren es den Angaben zufolge unter anderem 5 Tätlichkeiten, 80 antisemitische Äusserungen sowie 28 Schmierereien.
Der SIG und die GRA forderten, den Schutz jüdischen Lebens dauerhaft zu gewährleisten. Dazu gehörten unter anderem langfristig wirkende Sicherheitsmassnahmen, Investitionen in Präventions- und Sensibilisierungsarbeit, vor allem in der Bildung. Ein wichtiger Schritt sei bereits eine vom Schweizer Bundesrat verabschiedete Nationale Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/online-antisemitismus-ist-stark-gestiegen/