Nun ist es definitiv: Mit fast 86 Prozent befürwortete die Ingenbohler Bevölkerung bei der jüngsten Abstimmung den Kauf der Klosterliegenschaft Paradies. Das rund 5’300 Quadratmeter umfassende Grundstück kostet sieben Millionen Franken. Damit eröffnen sich für die Schwyzer Gemeinde neue räumliche Möglichkeiten für schulische und andere öffentliche Nutzungen. Für die Schwesterngemeinschaft geht ihrerseits der Weg des «Im Kleiner Werden Wachsen» weiter.
Wolfgang Holz
Detaillierte Pläne für die künftige Nutzung bestehen allerdings noch nicht. «Priorität wird jedoch klar der Schule eingeräumt, gleichzeitig soll aber auch Raum zur Abdeckung von weiteren öffentlichen Bedürfnissen geschaffen werden», erklärt die Gemeindepräsidentin Irène May gegenüber der «Luzerner Zeitung». Will heissen: Auch Vereine und Kultur können sich Hoffnungen machen.
Die Gemeinde befindet sich aktuell mitten in einer umfassenden Schulraumplanung, die sich mit dem Zustand der heutigen Gebäulichkeiten, dem Raumbedarf und der zukünftigen Entwicklung des Schulstandorts befasst. Das Paradies sei ein wichtiger Mosaikstein in diesem Planungsprozess, der aufzeigen soll, welche schulischen Bedürfnisse (Volksschule, Musikschule, Schulergänzende Betreuung) künftig wo abgedeckt werden können, heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeinde Ingenbohl.
Die geplante Nutzung der Liegenschaft soll über den schulischen Bereich hinausgehen. Fest steht, dass es sich aufgrund der bestehenden Erschliessung nur um verkehrsarme Nutzungen handeln kann. Das rund 5’300 Quadratmeter umfassende Grundstück kostet sieben Millionen Franken. Zwei unabhängige Schätzungen haben diesen Wert erhärtet. Das Grundstück liegt heute in der Institutszone. Die Gemeinde wird nach dem Kauf eine Umzonung in die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen vornehmen.
Das Gebäudeensemble «Paradiesli» ist ein wichtiger Zeuge der Orts-, Wirtschafts-, Sozial- und Architekturgeschichte von Ingenbohl. Das Hauptgebäude wurde 1825 von den Gebrüdern Camenzind aus Gersau als Seidenspinnerei errichtet und zählt zu den ältesten erhaltenen Fabrikbauten der Region Schwyz.
1857 erwarb Pater Theodosius Florentini, Mitgründer des Klosters Ingenbohl, die Liegenschaft und nutzte das Gebäude als Baumwollweberei. Zwischen 1872 und 1954 kamen verschiedene An- und Nebenbauten hinzu, die unter anderem durch das Kloster als Druckerei, Kinderheim, Sprachschule, Kindergarten und Apotheke genutzt wurden. Bis ins Jahr 2025 wohnten betagte Schwestern des Klosters Ingenbohl im «Paradiesli». Inzwischen haben sie ihr neues Zuhause im Mutterhaus auf dem Hügel bezogen und die Liegenschaft steht seitdem zum Verkauf.
Das Kloster Ingenbohl selbst feierte bekanntlich im letzten Jahr den 200. Geburtstag seiner Gründerin, Mutter Maria Theresia Scherer (1825-1888). Gemeinsam mit dem Kapuzinerpater Theodosius Florentini gründete sie 1856 die Schwesterngemeinschaft – und baute als Antwort auf die soziale Not der Zeit Schulen, Spitäler und soziale Werke auf.
Gleichzeitig hat die Zahl der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz Ingenbohl abgenommen, so der Namen des Frauenordens, und die Schwestern werden aufgrund des fehlenden Nachwuchses immer älter. Aktuell leben von den rund 290 Ingenbohler Schwestern in der Schweiz mehr als 230 auf dem Klosterhügel. Das Durchschnittsalter liegt bei 84 Jahren.
Die Ingenbohler Schwestern gründeten auch Niederlassungen im Ausland. Heute sind es rund 2600 in 18 verschiedenen Ländern. «Die Fürsorge für unsere betagten Mitschwestern ist ein grundlegendes Element unserer Identität», erklärt Sr. Rebekka Breitenmoser aus der Provinzleitung.
Dass die zunehmende Überalterung der klösterlichen Gemeinschaft zunehmend für organisatorische Probleme sorgt, manifestiert sich nicht nur im jetzigen Verkauf des Paradieses an die Gemeinde Ingenbohl. Im letzten Jahr gaben die Schwestern bekannt, dass sie das Claraspital in Basel verkaufen. Die klostereigene Schule in Ingenbohl, das Theresianum, haben sie bereits vor Jahren an eine Stiftung abgegeben.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/klosterliegenschaft-paradies-in-ingenbohl-wird-von-gemeinde-gekauft/