Er ist kein deutscher Papst: Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz wird gewählt

Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz – der Titel klingt nach Macht und Einfluss. In Wahrheit muss der Amtsinhaber Debatten in der katholischen Kirche in Deutschland ebenso abfedern wie Kritik aus dem Vatikan. Nächste Woche wird der Nachfolger von Bischöf Bätzing gewählt.

Joachim Heinz und Ludwig Ring-Eifel

(KNA) In der kommenden Woche treffen sich die katholischen Bischöfe in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung. Der wichtigste Tagesordnungspunkt: die Wahl eines Nachfolgers für Georg Bätzing. Der Limburger Bischof hat angekündigt, nicht mehr für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung zu stehen.

Wer hat die besten Chancen auf die Nachfolge von Bätzing?

Meist richtet sich vor der Wahl der Blick auf jene Ortsbischöfe, die 65 oder jünger sind. Der Paderborner Erzbischof Udo Bentz (58) gilt als ein aussichtsreicher Kandidat, ist aber erst knapp zwei Jahre im (Erz-)Bischofsamt. Mit Blick auf einen guten Draht in den Vatikan wäre es idealerweise jemand, der einige Jahre in Rom verbracht hat.

Dies trifft etwa auf die Bischöfe Heiner Wilmer (64, Hildesheim), Franz Jung (59, Würzburg), Stephan Ackermann (62, Trier), Michael Gerber (56, Fulda) und Bertram Meier (65, Augsburg) zu. Zudem sollte der Neue vom Profil her ins Pontifikat des aktuellen Papstes passen, in dem nach dem Willen von Leo XIV. die Einheit innerhalb der Kirche Priorität hat.

Was hat es mit dem Rückzug von Bischof Bätzing aus dem Amt des Vorsitzenden auf sich?

Bischof Bätzing war im März 2020 relativ überraschend zum Vorsitzenden gewählt worden. Er leitete ebenso wie seine Vorgänger Robert Zollitsch (2008-2014) und Reinhard Marx (2014-2020) nur eine Amtszeit lang die Geschicke der Bischofskonferenz. Frühere Vorgänger standen deutlich länger an der Spitze. Dazu gehören der Münchner Kardinal Julius Döpfner (1965-1976), der Kölner Kardinal Joseph Höffner (1976-1987) sowie der Mainzer Kardinal Karl Lehmann (1987-2008).

Bätzings sechs Jahre waren geprägt von Debatten um den Synodalen Weg. Dieses Reformprojekt hatte sein Vorgänger Marx zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf den Weg gebracht.

Es ging konservativen Kräften zu weit, Befürwortern von Änderungen des kirchlichen Lebens dagegen nicht weit genug. Mehrfach musste Bätzing im Vatikan für den Synodalen Weg werben – mit wechselndem Erfolg.

Wie wird die Wahl am Dienstag in Würzburg ablaufen?

Rechtlich ist die Wahl im Artikel 28 des Statuts der Bischofskonferenz geregelt: «Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz werden von der Vollversammlung aus dem Kreis der Diözesanbischöfe für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Eine Wiederwahl ist einmal möglich.» In den ersten beiden Wahlgängen der Vorsitzenden-Wahl ist eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit.

Ein Stellvertreter des Vorsitzenden wird in Würzburg nicht gewählt. Der Fuldaer Bischof Michael Gerber hatte seine sechsjährige Amtszeit erst 2023 angetreten. Der stellvertretende Vorsitzende wird zeitlich versetzt gewählt.

Dürfen nur die Ortsbischöfe wählen?

Der Vorsitzende und sein Stellvertreter werden von der Vollversammlung gewählt; dazu gehören neben den Ortsbischöfen auch die Weihbischöfe. Manche sehen deshalb die Abstimmung als «Stunde der Weihbischöfe». Genau das macht Prognosen schwierig. Die Stimmung dieser «Hilfs-Bischöfe» aus allen 27 Bistümern lässt sich nur schwer abschätzen. Mehr als die Hälfte der aktuell rund 60 Wahlberechtigten sind Weihbischöfe.

Welche Rolle spielt der Vorsitzende der Bischofskonferenz?

Er ist nicht der «deutsche Papst». Er ist «Primus inter Pares», also Erster unter Gleichen, was freilich im Medienzeitalter eine herausgehobene Stellung ist. Er leitet die Zusammenkünfte der Bischöfe und repräsentiert die Konferenz gegenüber Staat und Gesellschaft.

In der Öffentlichkeit tritt er als der Sprecher der Bischöfe auf; in seiner Amtsführung ist er aber an deren Beschlüsse gebunden. Seinen kirchlichen und gesellschaftlichen Einfluss muss er sich erarbeiten: durch Führungs- und Vermittlungsfähigkeiten in der Konferenz, gute Kontakte nach Rom sowie zu anderen Konfessionen und nicht zuletzt durch überzeugende Präsenz auf den Bühnen der Öffentlichkeit.


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