Schweizer Bischöfe zu Olympia: Auch Felix Gmür gewinnt beim sportlichen Wettkampf gern – «und wenn es nur beim Jassen ist»

Momentan dominiert Olympia die Schlagzeilen. Die Schweiz ist mit ihrem Team sehr erfolgreich. Verfolgen denn auch Schweizer Bischöfe die Spiele in Italien? Bischof Felix Gmür, passionierter Skifahrer, und Bischof Beat Grögli, der sportlich sehr aktiv ist, verraten im Interview mit kath.ch, wie sie es mit den fünf Ringen halten.

Wolfgang Holz

Herr Bischof Gmür, wie intensiv verfolgen Sie momentan die Olympischen Spiele in Italien?

Bischof Felix Gmür: Nicht so intensiv, wie ich gern würde. Leider fehlt mir aktuell die Zeit dazu – dank dem Radio bin ich aber doch ganz gut dabei.

«Mich interessieren vor allem die alpinen Ski-Rennen, weil ich das von Klein auf kenne.»

Gibt es bestimmte Disziplinen, die Sie besonders interessieren?

Gmür: Mich interessieren vor allem die alpinen Ski-Rennen, weil ich das von Klein auf kenne. Auch Skispringen und Langlauf schaue ich gerne. Langlauf braucht einfach viel Zeit…

…in der Tat. Wie wichtig ist Sport denn für Sie selbst?

Gmür: Als Ausgleich zu meiner doch eher kopflastigen Tätigkeit schätze ich sportliche Tätigkeit und die Bewegung in der Natur natürlich sehr. Aber mein Terminkalender lässt leider nur wenige Skitage pro Jahr zu, da bleibt es oft bei einem kurzen Spaziergang oder Velofahrt zwischen zwei Terminen oder über den Mittag.

«Für einen Profi-Sportler oder eine Profi-Sportlerin muss der Sieg natürlich das Ziel sein, sonst ist sie oder er im falschen Beruf.»

Viele Sportler träumen vom Sieg bei Olympia. Auch in unserer Gesellschaft stehen Sieg und Erfolg ganz zuoberst. Wie stufen Sie sportliche Siege ein?

Gmür: Der olympische Gedanke «Dabei sein ist alles» sollte ja ursprünglich ausdrücken, dass Freundschaft, Solidarität, Fair Play und Völkerverständigung durch den Sport gefördert werden. Dieser Aspekt erscheint mir gerade in heutigen Zeiten wichtig. Für einen Profi-Sportler oder eine Profi-Sportlerin muss der Sieg natürlich das Ziel sein, sonst ist sie oder er im falschen Beruf. Und auch ich gewinne bei einem sportlichen Wettkampf gern, und wenn es nur beim Jassen ist.

«Im christlichen Verständnis ist Jesus kein «Siegertyp» im Sinn von Dominanz, Medaillen oder Überlegenheit.»

Darf man eigentlich um einen Sieg im Sport beten?

Gmür: Klar darf man als Sportlerin oder Sportler und als Fan um einen Sieg beten. Man muss sich einfach bewusst sein, dass die Konkurrenten vielleicht das Gleiche tun… Ich bete eher darum, dass sich niemand verletzt. Und vielleicht noch, dass der oder die Beste gewinnt. Was aber nicht heisst, dass ich nicht mit den Schweizer Skifahrerinnen und -fahrern mitfiebere.

Ist Jesus ein Siegertyp – weil er sich vor allem um die Schwachen in der Gesellschaft gekümmert hat?

Gmür: Im christlichen Verständnis ist Jesus kein «Siegertyp» im Sinn von Dominanz, Medaillen oder Überlegenheit. Man könnte sogar sagen, dass sein Weg das Gegenteil klassischer Erfolgsmuster ist: Er suchte nicht die Mächtigen, sondern die Ausgegrenzten, nicht den Applaus, sondern den Dienst. Aber in der Sport-Logik kann man durchaus sagen: Seine Sorge um die Schwachen war eine von Jesus’ grossen Stärken. Und: Sein Sieg ist ein Sieg über Angst, Unrecht und Hoffnungslosigkeit.

«Klassisch würde man vielleicht sagen, dass eine Niederlage Demut lehrt.»

Wie wertvoll sind Niederlagen für die Charakterbildung eines Menschen?

Gmür: Klassisch würde man vielleicht sagen, dass eine Niederlage Demut lehrt. Es gibt wohl in jeder Disziplin Menschen, die etwas besser können als ich selbst. Dann kann man sich mit den anderen und für sie freuen; und das ist doch auch schön und entlastend.

Warum ist Sport generell so wichtig für unsere Gesellschaft: Weil Sport das Leben ein Stück weit simuliert und etwa Werte wie Fairness und Demut einübt?

Gmür: Sport ist für vieles gut: Fairness, Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen, Selbsteinschätzung, Teamgeist, Zusammenhalt.

«Vielleicht kann die Kirche vom Sport lernen, wieder stärker Ort gelebter Gemeinschaft und Festlichkeit zu sein.»

Zum Schluss noch eine ganz andere Frage. Kann denn auch die Kirche vom Sport etwas lernen – angesichts voller Stadien und immer leererer Gotteshäuser?

Gmür: Der Vergleich ist schwierig, denn Glaube ist kein Show-Event, Wahrheit kein Wettbewerb, und Gott kein Unterhaltungsangebot. Aber: Wie die Kirche schafft der Sport Räume, in denen Menschen sich als Teil von etwas Grösserem erleben. Vielleicht kann die Kirche vom Sport lernen, wieder stärker Ort gelebter Gemeinschaft und Festlichkeit zu sein.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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