Prominente Bibelwissenschaftlerin zu Gast beim Junia-Tag

Zum diesjährigen «Junia-Tag» der Junia-Initiative wird die Bibelwissenschaftlerin Irmtraud Fischer kommen. Sie hat kürzlich ein internationales Grossforschungsprojekt zum Thema «Die Bibel und die Frauen» veröffentlicht und wird nun zu Prophetinnen referieren. «Irmtraud Fischer ist auf diesem Gebiet eine Koryphäe», sagt Charlotte Küng-Bless, Gründungsmitglied der Junia-Initiative.

Jacqueline Straub

Auch in diesem Jahr begeht die Junia-Initiative einen «Junia-Tag». Am 17. Mai lädt sie zu einem gemeinsamen Tag im Pfarreizentrum Johanniter in Klingnau AG ein. Die Frauengruppe setzt sich seit Jahren für Gleichberechtigung von Frauen und die Öffnung geistlicher Ämter in der Kirche ein und veranstaltet immer am 17. Mai, am Gedenktag der gleichnamigen Apostelin, den «Junia-Tag». Die Apostelin Junia wird im Neuen Testament im Römerbrief (16,7) vom Apostel Paulus als «ausgezeichnet unter den Aposteln» bezeichnet.

Der diesjährige Hauptgast beim Junia-Tag ist die Grazer Bibelwissenschaftlerin Irmtraud Fischer. Sie war bis 2004 Professorin für Altes Testament und Theologische Frauenforschung an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Seit 2004 lehrt sie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz. Sie gehört zudem dem Stiftungsrat der Herbert-Haag-Stiftung an.

Grossforschungsprojekt will Lücken schliessen

Kürzlich hat sie ein internationales Grossforschungsprojekt vorgestellt. Eine 21-bändige Reihe zum Thema «Die Bibel und die Frauen» rekonstruiert erstmals die Auslegung biblischer Texte durch Frauen vom frühen Judentum bis ins 21. Jahrhundert. Die weltweit einzigartige Rezeptionsgeschichte der Bibel aus der Perspektive von Frauen habe eine zentrale Lücke geschlossen, «weil wir jahrhundertelang nur die Hälfte der Geschichte hatten», sagte Irmtraud Fischer gegenüber Kathpress.

Denn Frauen wurden aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängt, was System hatte. So seien Frauenstimmen abgewertet, in männliche Exegesen integriert oder als häretisch eingestuft worden – und damit verschwunden. Die 21-bändige Reihe erscheint in Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch. Über 300 Forschende aus 30 Ländern haben daran mitgearbeitet.

Beim Junia-Tag wird die prominente Bibelforscherin zum Thema «Frauen im höchsten Amt – Prophetinnen der hebräischen Bibel» sprechen. Anschliessend werden unterschiedliche Workshops angeboten. Etwa zur alttestamentlichen Prophetin Mirjam, zu Phöbe, die im Neuen Testament genannt wird, oder auch zu «Prophetischen Stimmen im Pfarreialltag – von kleinen und grossen Menschen».

Als Abschluss des Junia-Tages werden die Teilnehmenden in der katholischen Kirche St. Katharina inmitten der Altstadt von Klingnau einen Gottesdienst feiern. Bis zum 10. Mai 2026 ist es möglich, sich zum Junia-Tag anzumelden.

Charlotte Küng-Bless, Gründungsmitglied der Junia-Initiative, erhofft sich Vernetzung und neue theologische und spirituelle Impulse, «die mich in meinem Alltag beflügeln», sagt sie gegenüber kath.ch. Bei den vergangenen Junia-Tagen sei das immer eingetroffen. «Deshalb bin ich zuversichtlich, dass das auch in diesem Jahr so sein wird.»

Die Junia-Initiative hat sich in diesem Jahr ganz bewusst für Irmtraud Fischer und das Thema «Frauen im höchsten Amt. Prophetinnen der hebräischen Bibel» entschieden. Denn: «Sie ist auf diesem Gebiet eine Koryphäe. Prophetie hat in unserer Zeit nichts an Aktualität eingebüsst», sagt die Seelsorgerin Charlotte Küng-Bless. Es brauche Menschen, die in der Verbindung mit Gott, Visionen entwickeln und dafür einstehen, «auch wenn das manchmal unbequem ist, bestehende Strukturen infrage stellt und Mut zum Widerspruch verlangt».


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