Wiederaufbau von Blatten: Im Dorfzentrum soll auch eine neue Kirche stehen

Der Bergsturz vom 28. Mai letzten Jahres zerstörte den grössten Teil des Walliser Dorfs Blatten – auch die Kirche verschwand unter Geröll und Eis. Im neu aufgebauten Dorf soll künftig auch eine Kirche stehen, dafür wird jetzt schon Geld gesammelt. Vieles ist noch offen – doch Hans-Anton Ebener vom Kirchenrat ist zuversichtlich.

Barbara Ludwig

Die Pfarrkirche von Blatten war ein Neubau aus dem Jahr 1985. Unmittelbar nach dem Bergsturz vom 28. Mai letzten Jahres war noch offen, wie viel von dem Gotteshaus zerstört worden war. Unterdessen ist klar: Das Gebäude wurde vollständig zerstört, inklusive Fundament, wie Hans-Anton Ebener (62) am Telefon sagt.

«Bis heute wurden auch keine kirchlichen Gegenstände gefunden. Möglich, dass bei Aufräumarbeiten noch etwas auftaucht», so der langjährige Präsident des Kirchenrates von Blatten. Die Hoffnung sei allerdings nicht allzu gross.

«Im Kulturgüterschutzraum haben wir unter anderem Originalstatuen der Wallfahrtskapelle Kühmatt aufbewahrt.»

Der Bergsturz hat auch den Pfarreisaal zerstört, den Dorfvereine und Private für ihre Feste mieten konnten und den man der Gemeinde für Versammlungen zur Verfügung gestellt habe, sagt Ebener. Und den Kulturgüterschutzraum.

Originale wohl für immer weg

«Im Kulturgüterschutzraum haben wir unter anderem Originalstatuen der Wallfahrtskapelle Kühmatt aufbewahrt. Aus Angst vor Diebstahl hatten wir in der Kapelle Kopien aufgestellt.» Die Originale, Statuen des heiligen Antonius und des heiligen Mauritius, sind wohl für immer weg.

Die Mehrheit der ursprünglichen rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner von Blatten wohnen noch immer im Lötschental, das heisst in den drei Dörfern Ferden, Kippel und Wiler, wie kath.ch vor Weihnachten von Pfarrer Thomas Pfammatter erfuhr. Und sie pflegen ein reges Pfarreileben, obschon sie keine eigene Kirche mehr haben und die Messe in Ferden, Kippel oder Wiler besuchen.

Neue Kirche im künftigen Dorfzentrum

Dass Blatten im Lötschental wieder aufgebaut werden soll, ist seit Monaten bekannt. Seit November, nachdem die Gemeinde die Naturgefahrenkarte revidieren liess, weiss man auch, wo künftig gebaut werden darf und wo nicht.

Rund 70 Prozent des Gebiets der Gemeinde Blatten liegt in der roten Gefahrenzone, da darf nicht mehr gebaut werden. Im früheren Ortskern, also in Blatten Dorf, ist rund die Hälfte des Bodens potenziell überbaubar.

Aus Sicht der Menschen von Blatten – von denen die allermeisten katholisch sind – gehört auch eine Kirche ins neue Dorf. «Unsere Idee ist, dass die Kirche im künftigen Dorfzentrum errichtet wird, in der Nähe anderer öffentlicher Bauten», sagt der Kirchenratspräsident. Geplant sei zudem ein Multifunktionssaal, der sowohl für Pfarreianlässe als auch für Veranstaltungen anderer Art genutzt werden kann.

«Alles hängt von der Kantonsstrasse ab»

Vieles ist indes noch offen, wie sich im Gespräch mit Ebener zeigt. Weder gibt es ein konkretes Bauprojekt, noch weiss man, an welchem Standort das Gotteshaus errichtet werden kann.

Zunächst müsse der Verlauf der neuen Kantonsstrasse festgelegt werden, dies sei noch in Planung. Der Bergsturz hatte eben auch diverse Strassen zerstört. «Alles hängt von der Kantonsstrasse ab», erklärt Ebener.

Das gilt auch für die Erstellung eines Zonennutzungsplans durch die Gemeinde. «Erst wenn bekannt ist, wo die Kantonsstrasse Richtung Fafleralp durch das neue Blatten führt, kann man eine Parzelle ausscheiden, die für den Bau der Kirche in Frage kommt.»

Der Zeitplan

Die Pläne sehen vor, so Ebener, dass diesen Frühling mit dem Bau der Strasse begonnen werde. Ende 2027 soll sie fertig sein. 2028 soll mit den Gemeindebauten im Dorfzentrum begonnen werden, – in das auch die künftige Kirche integriert werden soll.

Ebener zeigt sich zuversichtlich: «Vielleicht können wir mit dem Bau der Kirche ebenfalls 2028 beginnen, und sonst 2029. Der Wunsch ist, dass die neue Kirche schon 2030 geweiht werden kann.»

Als nächstes steht diesen Samstag ein Bevölkerungstag an. Organisiert wird er von der Gemeinde und der Wiederaufbaukommission. An diesem Tag, so erhofft sich Ebener, wird man sich klarer werden über die künftigen öffentlichen Bauten. Die Kirchgemeinde ihrerseits werde sich Gedanken machen darüber, wie die künftige Kirche aussehen soll. Womöglich werde man einen Architekturwettbewerb veranstalten. «Doch das sind im Moment nur Ideen. Klar ist noch nichts.»

Auch Versicherung zahlt für Kirche

An den Finanzen wird das Projekt auf jeden Fall nicht scheitern. Zum einen war die zerstörte Kirche versichert. Zum andern sammelt man bereits jetzt Geld für den Neubau.

«Wir haben bereits etwas mehr als 1,5 Millionen Franken an Spendengeldern erhalten. Zählt man die Entschädigung der Versicherung dazu, sollte es fast schon reichen.» Sehr viele Spenden stammen von Kirchgemeinden. Gerade reformierte Kirchgemeinden seien sehr grosszügig gewesen, berichtet der Kirchenratspräsident.

Wie zahlreiche Einwohner von Blatten hat er am 28. Mai vergangenen Jahres sein Haus verloren, das nun unter dem Schutt oder im Wasser liege. Zurzeit wohnt er im Nachbardorf Wiler in einer Ferienwohnung.


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