«Vom Projekt zur Institution»: Urs Brosi zum Ende des Synodalen Weges in Deutschland

Jüngst ging der 2019 gestartete Dialog zur Zukunft der katholischen Kirche, der Synodale Weg, in Deutschland zu Ende. Auf der sechsten und letzten Vollversammlung in Stuttgart zogen Bischöfe und Laien eine Bilanz. RKZ-Generalsekretär Urs Brosi war als Schweizer Beobachter vor Ort.

Wolfgang Holz

Im Jahr 2019 startete der Synodale Weg in Deutschland. Nun ist der Dialog zur Zukunft der Kirche offiziell beendet. Alles nur Worte, oder gibt es auch konkrete Ergebnisse, die für den weiteren synodalen Prozess in der Schweiz Mut machen und auch für die Synodalität in der katholischen Kirche generell?

«Langwierige Prozesse und kleine Schritte»

Für Urs Brosi, der mit vielen der Tagungsteilnehmenden der letzten Synodalversammlung in Stuttgart das Gespräch suchte und inspiriert in die Schweiz zurückgekehrt ist, ist klar, dass solche grundsätzlichen strukturellen Änderungen, wie der Synodale Weg sie beabsichtigt, «langwierige Prozesse nach sich ziehen und sich nur in kleinen Schritten vollziehen lassen». Will heissen: der Reformprozess wird weiter andauern und nur langsam von statten gehen.

Der grosse Fortschritt in den Augen Brosis ist allerdings, dass das Projekt des Synodalen Wegs, ja einer synodaleren katholische Kirche, sich nun mit dem Abschluss quasi verstetigt habe. Sprich: «Aus einem Projekt ist eine Institution geworden.»

Anerkennung Synodalkonferenz steht noch aus

Aber die Anschlussorganisation der künftig angestrebten Synodalkonferenz ist doch noch gar nicht in trockenen Tüchern? Brosi: «Das ist richtig. Es stehen in der Tat noch die Beschlussfassung durch die Deutsche Bischofskonferenz und die Anerkennung Roms zu dem Nachfolgegremium aus. Aber so wie es Bischof Franz-Josef Overbeck und Bischof Georg Bätzing, mit denen ich mich auch persönlich unterhalten konnte, in der Abschlusserklärung formulierten, ist davon auszugehen, dass sowohl die Bischöfe als auch Rom ihr Ja dazu geben werden.»

In der geplanten Synodalkonferenz sitzen die 27 Ortsbischöfe, 27 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und 27 weitere Katholikinnen und Katholiken.

Beeindruckt von Voten junger Erwachsener

In Stuttgart wurde die Wahlordnung für die Synodalkonferenz beraten, so Brosi: Die Versammlung habe sich für drei Quoten ausgesprochen: «Von der Gruppe der 27 weiteren Katholikinnen und Katholiken soll die Hälfte, also mindestens 13 Personen weiblich sein, ebenso sollen mindestens fünf Personen unter 30 Jahren alt und mindestens drei Personen einer migrantischen Sprachgemeinschaft angehören.»

Auch das ZdK will seine 27 Personen nach diesen Quoten besetzen. Brosi zeigt sich beeindruckt, wie stark sich die jungen Erwachsenen mit gehaltvollen Voten in die Debatte eingebracht und die Dynamik der Versammlung beeinflusst haben. Auf dieser Basis bekam ihre selbstbewusste Forderung nach 30 Prozent Mitgliedern unter 30 Jahren eine deutliche Mehrheit. Urs Brosi gefällt diese Fixierung der Teilnahme von jüngeren Katholikinnen und Katholiken in der geplanten Synodalkonferenz. «30 Prozent sollen unter 30 Jahren sein – eine generationengerechte Besetzung synodaler Gremien wäre auch in der Schweiz wünschenswert.» 

Bischöfe müssen noch mehrheitlich ja sagen

Voraussetzung für das Zustandekommen der neuen Synodalkonferenz ist, wie gesagt, dass die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung Ende Februar die Satzung der Synodalkonferenz mit einer Zweidrittelsmehrheit bestätigen und der Vatikan seine Zustimmung erteilt.

Der Noch-Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass die erste Sitzung der Synodalkonferenz wie geplant im November in Stuttgart stattfinden kann. Er fügte allerdings hinzu, dass ein Start ohne römische Zustimmung eine Provokation wäre, die man vermeiden wolle. Bischof Franz-Josef Overbeck will in wenigen Wochen nach Rom reisen, um die Anerkennung der Synodalkonferenz in einem abschliessenden Klärungsgespräch vorzubereiten.

«Dass so manche Bischöfe die synodalen Beschlüsse und Vorhaben nicht so rasch umsetzen können oder wollen, wurde vergangenen Freitagmorgen angesichts der Ergebnisse eines Monitorings sichtbar», berichtet Brosi. Der Stimmungsbarometer sei deshalb kurzfristig gefallen.

Missbrauch: Geringer Effekt der Debatten

Das betrifft auch das Thema Missbrauch, wo ja die Synodalen die Ergebnisse einer Evaluation des synodalen Weges zur Kenntnis nahmen, wonach sie selbst mehrheitlich meinten, der Effekt ihrer langen und oft emotional geführten Debatten auf die Behebung der systemischen Ursachen des Missbrauchs sei eher gering gewesen.

«Man kann eben auch noch heute erkennen, dass nach sechs Jahren Synodalem Weg diese neuen synodalen Strukturen dem monarchischen bischöflichen System bloss übergestülpt wurden.»

Zur Verunsicherung unter den Synodalen hat auch beigetragen, dass der ganz zum Schluss der Stuttgarter Versammlung formulierte Antrag, wonach die künftige Synodalkonferenz die Umsetzung nationaler Reformbeschlüsse in den Bistümern monitoren soll, nur hauchdünn die Zweidrittelmehrheit der bischöflichen Stimmen fand: Von 32 Bischöfen votierten zehn dagegen.

Sie erachteten das Monitoring als unzulässige Kontrolle ihrer bischöflichen Amtsgewalt. «Man kann eben auch noch heute erkennen, dass nach sechs Jahren Synodalem Weg diese neuen synodalen Strukturen dem monarchischen bischöflichen System bloss übergestülpt wurden», so Brosi.

«Gewisse Verbindlichkeit der Entscheidungen»

Was den RKZ-Generalsekretär während der Stuttgarter Tagung sehr beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass die katholische Kirche in Deutschland in Sachen Synodalität im Vergleich zum synodalen Prozess vor allem deshalb weiter sei, «weil gefällte Entscheidungen inzwischen eben eine gewisse Verbindlichkeit haben.» Diese Verbindlichkeit wünscht sich Brosi auch für die Schweiz.

Und was ist mit Zölibat und Frauenweihe?

Aber wie sieht es mit jenen lang gehegten Reformprojekten wie einer Lockerung des Zölibats oder der Frauenweihe aus? Brosi stellt klar, dass über manche Anliegen eben nur der Vatikan entscheiden könne. «Realistischer sind solche Reformprojekte, die die Bischöfe gemäss den Beschlüssen des Synodalen Wegs in ihren eigenen Bistümern umsetzen können.»

Klar sei auch, dass der Papst und die vatikanischen Behörden den Fortgang der Debatten aufmerksam beobachten würden. «Immerhin hat der Heilige Stuhl über seinen Botschafter den Versammlungen des Synodalen Wegs beigewohnt», so Urs Brosi.


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https://www.kath.ch/newsd/vom-projekt-zur-institution-rkz-sieht-zukunft-der-synodalitaet-weiterhin-optimistisch/