Goldenstein: Vom Hype um Klosterbesetzung zum offenen Zerwürfnis

Was als modernes Märchen für drei alte Frauen bei Salzburg begann, entwickelt sich derzeit zu einem hässlichen Konflikt. Vorwürfe und Abmahnungen machen Machtkämpfe im Helferteam der Goldenstein-Nonnen sichtbar.

Benedikt Heider (KNA)

Altertümlich gekleidete, hochbetagte Frauen schieben ihre Rollatoren den Weg zu einem Schloss hinauf. Dieses Bild ging im Sommer 2025 um die Welt: Drei Ordensfrauen in schwarz-weissen Gewändern kehren gemeinsam mit Helferinnen in ihr früheres Kloster bei Salzburg zurück, in dem sie über Jahrzehnte gelebt hatten. Sie besetzen das Gebäude, aus dem sie unfreiwillig ausziehen mussten.

Eigentlich sei ihnen lebenslanges Wohnrecht gewährt worden, sagen sie. Doch ihr Vorgesetzter habe sie ins Altenheim verfrachtet.

Die Szene wirkte wie der Auftakt zu einer heiteren Vorabendserie – entsprechend war sie inszeniert: Kameras begleiteten die Aktion, Journalistinnen und Journalisten warteten vor dem Tor. «Wir fühlen uns nicht als Besetzer oder Einbrecher», erklärten die Nonnen damals.

Weltweite Resonanz für Ordensfrauen

In den Monaten danach wurde die Geschichte der drei Frauen weltweit geteilt: Alte Ordensfrauen, die sich in der männerdominierten katholischen Kirche selbst ermächtigen und gegen Entscheidungen ihres Oberen aufbegehren. Auf Instagram regnete es Herzen für Bernadette (88), Regina (86) und Rita (81). Hunderttausende nahmen Anteil an ihrer Geschichte.

Die Augustinerchorfrauen waren in Nachrichtensendungen zu sehen, auf Titelseiten präsent, sprachen in Podcast-Mikrofone und wurden zu Protagonistinnen eines Buches. Unterstützung kam aus aller Welt. Die Erzählung war einfach: Selbstlose Helferinnen verhelfen alten Frauen zu ihrem Recht – gegen den unerbittlichen Kirchenmann, ihren Vorgesetzten, Propst Markus Grasl vom Stift Reichersberg.

Streit rückt Helfer in den Fokus

Rund ein halbes Jahr nach der spektakulären Rückkehr ins Kloster tritt das Schicksal der Schwestern jedoch plötzlich in den Hintergrund. Stattdessen rücken heftige Verwerfungen im Kreis der Helferinnen und Helfer ins Zentrum. Die frische Emanzipationsgeschichte bekommt eine neue Wendung.

Erste Risse wurden kurz vor Weihnachten sichtbar. Überraschend erklärten die Ordensfrauen ihren Rückzug vom Instagram-Auftritt «nonnengoldenstein». Sie distanzierten sich öffentlich von dem Account und dessen Betreiber. Die veröffentlichten Inhalte seien ihnen «weder vorab zur Kenntnis gebracht» noch nachträglich genehmigt worden. Sollte der Account weiter betrieben werden, geschehe dies ausdrücklich gegen ihren Willen, hiess es wenige Tage vor Heiligabend.

Vor wenigen Tagen erläuterten die Schwestern diesen Schritt. Im Podcast «Dunkelkammer» sagte Schwester Bernadette (88), ihr Social-Media-Helfer habe Beiträge ohne Rücksprache veröffentlicht – «er hat das einfach gemacht». Anfangs sei das klösterliche Leben dort «sehr, sehr nett und ehrlich» dargestellt worden, später sei das Projekt jedoch «ausgeufert». Sie sprach von Postings mit Werbecharakter, etwa für Mineralwasser und Rosenkränze. «Unser Orden ist nicht für Geldmacherei zuständig», sagte Bernadette. Der Betreiber des Accounts wies wie schon zuvor monetäre Interessen zurück und führte die Seite unbeirrt weiter.

Der Streit eskaliert

Eine Woche später eskaliert nun der Konflikt. Nun wurde bekannt, dass Anzeige wegen des Verdachts der Veruntreuung von Spendengeldern erstattet worden war. Eine Salzburgerin zeigte laut Polizei eine Helferin an und warf ihr Unregelmässigkeiten im Umgang mit Spenden vor. Die Anzeigende bezeichnet sich als «Helferin der ersten Stunde». In einem Brief, der der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, nennt sie ihr Vorgehen einen «Hilferuf um Schutz für die drei Nonnen von Goldenstein».

Die beschuldigte Helferin wies die Vorwürfe im ORF entschieden zurück. Die Anzeigestellerin sei zudem nie Teil des offiziellen Goldenstein-Unterstützerteams gewesen. Der Rechtsberater der Ordensfrauen, der katholische Priester Wolfgang F. Rothe, sprach von Anschuldigungen, die «aus der Luft gegriffen» seien. Die Anzeige sei «Theaterdonner» und Teil einer gezielten Kampagne zur Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung.

In einem Interview nannte der Münchner Kirchenrechtler die Vorwürfe «absurd». Offenbar solle versucht werden, Unterstützer der Nonnen gezielt in Misskredit zu bringen. Gegen die Anzeigerin gehe man mit einer Unterlassungserklärung vor. In diesem Zuge habe man auch die sofortige Löschung der Instagram-Seite verlangt. Sollte dies nicht erfolgen, werde eine Klage eingebracht und eine einstweilige Verfügung beantragt.

Instagram-Account reagiert

Darauf reagierte der Betreiber der Seite am Mittwochmittag. Auf der weiterhin abrufbaren Instagram-Seite «@nonnen_goldenstein» erschien ein Posting, in dem erklärt wurde, Helferinnen und Helfer distanzierten sich von der Pressesprecherin der Ordensfrauen. Als Grund nannte der Beitrag eine versuchte «Spaltung» des Helferteams.

Im Vatikan pendent

Der Konflikt um Goldenstein erhält damit eine interne Dimension. Sie ruft eine frühe Warnung des Vorgesetzten der Schwestern in Erinnerung, der zu Beginn der Klosterbesetzung öffentlich vor «Übergriffen Dritter» gewarnt hatte – und beteuerte, mit seinem Handeln die Frauen in Schutz nehmen zu wollen.

Derweil liegt die Geschichte der Nonnen von Goldenstein seit fast zwei Monaten im Vatikan. Sowohl Propst Grasl als auch die Frauen selbst hatten den Vatikan um Intervention gebeten. Mit einer Entscheidung wird demnächst gerechnet.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/goldenstein-vom-hype-um-klosterbesetzung-zum-offenen-zerwuerfnis/