In der neusten Ausgabe des vatikanischen Magazins «Piazza San Pietro» geht Papst Leo XIV. auf den Brief einer Katechetin aus dem Pastoralraum Region Laufenburg ein. «Es fühlt sich wie ein Traum an», sagt Nunzia Izzo.
Jacqueline Straub
«Es ist für mich noch nicht richtig fassbar, dass der Papst meinen Brief ausgewählt hat. Es fühlt sich wie ein Traum an», sagt Nunzia Izzo, Katechetin aus dem Pastoralraum Region Laufenburg. Im neusten Heft des vatikanischen Magazins «Piazza San Pietro», herausgegeben von Pater Enzo Fortunato, hat sich – wie bei jeder Ausgabe – das Kirchenoberhaupt einen Brief der Leserschaft ausgesucht und antwortet persönlich darauf.
Dieses Mal hat sich Papst Leo XIV. für den Brief der 50-jährigen Nunzia Izzo entschieden. Dass ihr Brief ausgewählt wurde, hat sie durch die Anfrage von kath.ch erfahren. «Ich habe sofort Padre Enzo geschrieben und gefragt: ‹Ist es wahr, dass Papst Leo auf meinen Brief geantwortet hat?› Er hat es mir dann innerhalb von 15 Minuten mit seiner Rückmeldung bestätigt», sagt sie gegenüber kath.ch.
Nunzia Izzo folgt seit Jahren Pater Enzo Fortunato auf Facebook und hat seine Aufrufe, dem Papst einen Brief zu schreiben, schon oft gelesen und in seinen Liveübertragungen gehört. In ihrem Brief an den Papst schrieb die Katechetin über ihr jahrzehntelanges Engagement in der Kirche und ihr zehnjähriges Wirken als Katechetin. Sie schilderte die ernüchternde Realität: «Ich säe, aber die Pflänzchen wachsen nur schwer. Kinder und Familien bevorzugen Sport und Feste.»
So hat sie im vergangenen August eine Segensfeier vorbereitet und allen 120 Schülerinnen und Schülern Flyer überreicht, dies nochmals nach den Ferien. Ebenso wurden die Eltern über diverse Kanäle informiert. «Es erschienen nur 15 Kinder und 8 davon ohne Begleitung der Eltern. Ich war so enttäuscht, entmutigt und traurig», sagt Nunzia Izzo gegenüber kath.ch. Da kam ihr die Idee, dem Papst zu schreiben.
In ihrem Brief beschrieb sie genau diese Situation. Sie stellte die Frage: Wo steht der Glaube hier bei uns in der Schweiz? Welche Stelle hat der Glauben in dieser Gesellschaft? Was kann ich tun, damit ich die Familien motiviere? Nunzia Izzo fragt sich zudem, warum es ihr nicht gelingt die Familien zu motivieren und 45 Minuten für einen Besuch des Familiengottesdienstes zu finden, diese aber sonntags frühmorgens aufstehen und den ganzen Tag bei einem Sportturnier verbringen.
Die Katechetin bedauert, dass ihre Generation «mit allem zu beschäftigt» ist, und der Glaube an Bedeutung verloren hat. «Da es in der Familie zu Hause nur selten thematisiert wird, kennt die heranwachsende Generation unseren christlichen Glauben fast nicht mehr.»
Trotz allem Frust, den die Katechetin in ihrem Beruf erlebt, hofft sie, dass alle, die sich für den Glauben einsetzen, erkennen, «dass ihre Anstrengungen Früchte tragen und viele Samen auf fruchtbaren Boden gefallen sind».
In ihrem Brief an den Papst hat Nunzia Izzo das Oberhaupt um das Gebet gebeten. «Mir geht es nicht um Erwartungen an den Papst, sondern nur darum, dass er in seinem Gebet mich, meine Kollegin und meine Familie einschliesst», sagt sie. «Damit uns die Freude an unserem Tun erhalten bleibt und wir sie den Familien weitervermitteln können.»
Papst Leo XIV. betonte in seiner Antwort an die Katechetin, dass die Stunden, die der Glaubensunterweisung gewidmet sind, niemals verschwendet seien. Selbst dann, wenn nur noch wenige zu kirchlichen Veranstaltungen kommen. «Das Problem sind nicht die Zahlen – die uns natürlich zum Nachdenken bringen –, sondern das immer offensichtlicher werdende Fehlen eines Bewusstseins, sich als Kirche zu fühlen», so das Kirchenoberhaupt.
Gleichzeitig warnte Papst Leo XIV. davor, die Kirche lediglich als Dienstleister für das «Sakrale» oder die Sakramente aus blosser Gewohnheit zu betrachten. Die Gläubigen seien dazu aufgerufen, sich als lebendige Glieder am Leib Christi zu begreifen. Und: «Als Christen brauchen wir immer die Bekehrung. Und wir müssen sie gemeinsam suchen». Auch rief er dazu auf, die «Freude des Evangeliums» und die Hoffnung der Auferstehung zu bezeugen. Die authentische Ausstrahlung des Einzelnen mache in Zeiten der schwindenden Zahlen einen Unterschied, so der Papst.
Das Magazin wird Nunzia Izzo vom Herausgeber zugesendet bekommen. «Das werde ich wie ein Schatz aufbewahren», sagt sie. Dass der Papst ihren Brief ausgewählt und im Vatikanmagazin darauf eingegangen ist, zeigt der Katechetin, dass «man nie aufgeben sollte, wenn man sich etwas von Herzen wünscht». Auch ihren Kindern, Enkelkindern und Schülerinnen und Schülern sagt sie das immer wieder. «Bei Gott ist alles möglich. Und jetzt habe ich auch ein konkretes Beispiel dazu.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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