Im Buch «Kirchenraum. Begegnung neu denken» nennen mehrere Fachleute den Maihof in Luzern als gelungenes Beispiel einer Kirchenumnutzung. Die Theologin Ann-Katrin Gässlein erklärt das Projekt im Podcast «Laut + Leis».
«In diesem Fall hat sich ein Renovationsbedarf gezeigt, zuerst beim Kirchturm, dann auch bei der Kirche. Und die Kirchgemeinde selber hatte damals gar nicht mal unbedingt so grosses Interesse daran, die Kirche auch wirklich zu behalten, und hat dann Umfragen durchgeführt. Dabei kam heraus, dass die Bevölkerung dieses sehr gemischten Quartiers mit dieser Kirche eine sehr hohe Verbindung gezeigt hat. Also der Identifikationsgehalt war unheimlich gross.
Die Leute haben gesagt, wenn sie mit dem Zug von Zürich kommen und sie sehen ihren Maihofturm, der grüsst, dann sind sie zu Hause. Und das hat vielen Verantwortlichen die Augen geöffnet, und deshalb hat man gesagt, okay, wir gestatten Umbaumassnahmen, wir sprechen die Gelder, aber nur, wenn eine nachhaltige Finanzierung für die Zukunft vorliegt. Weil die Kirchgemeinde vorher schon sehr gut ins Quartier eingebunden war, konnte man an Kooperationen und Partnerschaften anknüpfen.
Man konnte das Untergeschoss der Kirche an den Kindergarten vermieten und bei Teilen des Pfarrheims mit Vereinen zusammenspannen. Was man dann gemacht hat – das ist der wichtige Schritt –, man hat den Kirchenraum für andere Nutzungen nach und nach zur Verfügung gestellt.
Heute finden in diesem Kirchenraum Kleiderbörsen statt, Public Viewing, Konzerte, Maturaprüfungen, Abschlussfeiern der Universität und anderes mehr. Verändert hat sich auch die Gottesdienstkultur: Man macht interreligiöse Feiern, man lädt auch mal andere ein oder überlässt ihnen den Kirchenraum, zum Beispiel den tanzenden Derwischen. Auch Apéros finden häufig in diesem Kirchenraum statt.
Diese wirklich sehr vielseitige Nutzung führt dazu, dass der Raum sehr stark nachgefragt wird. Ich habe mich erkundigt, das ist offenbar selbsttragend. Also die Befürchtung, ja, wer nimmt uns die ganze Vermietungsarbeit ab und wird das nicht viel zu aufwendig, ist jetzt im Fall vom Maihof offenbar kein Problem, sondern es läuft wirklich positiv und hat auch eine gewisse Reputation.»
Das sagt Ann-Katrin Gässlein im Podcast «Laut + Leis». Einen aus ihrer Sicht kritischen Punkt nennt sie ebenfalls. Sie ist Liturgiewissenschaftlerin an der Universität Luzern und Mitarbeiterin der Cityseelsorge St. Gallen. Ihr jüngstes Buch heisst «KirchenRaum. Begegnung neu denken» und ist im Theologischen Verlag Zürich erschienen. (sl)
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https://www.kath.ch/newsd/der-maihof-in-luzern-ist-ein-vorzeigebeispiel-fuer-eine-kirchenumnutzung/