Katholische Promis über Sinn und Unsinn von Neujahrsvorsätzen

Im neuen Jahr will man es anders machen – besser vielleicht. Viele Menschen fassen zum Jahreswechsel gute Vorsätze. Wie halten es prominente Katholikinnen und Katholiken damit? Kath.ch hat nachgefragt.

Barbara Ludwig

Weihbischof Josef Stübi: Eine liebevolle Kraft, die da ist

Wenn Sie mich nach meinen Vorsätzen für das kommende Jahr fragen, so muss ich sagen, dass ich eigentlich kaum je «gute Vorsätze» gefasst habe. Ich weiss nicht, was das kommende Jahr bringen wird.

So vieles in der Welt sieht zurzeit alles andere als rosig aus. Aber ich gehe hoffnungsvoll, Schritt für Schritt ins neue Jahr. Ich gehe zuversichtlich. Als gläubiger Mensch, als Priester und Bischof glaube ich dabei an eine liebevolle Kraft, die da ist und mitgeht, die auch mich begleitet. Ich rede von Gott, der sich uns in besonderer Weise in Jesus Christus gezeigt hat, dessen Geburt wir vor einigen Tagen gefeiert haben.

«Mein bischöfliches Leitwort widerspiegelt eine Haltung – auch im Hinblick auf das neue Jahr.»

Dieser Glaube war der stete Boden, auf dem ich ging – und das wird auch im neuen Jahr so sein. Und immer wieder entdecke ich Aussagen, vornehmlich in den Psalmen, die mir bei meinem täglichen Gebet begegnen, welche mich genau darin bestärken. Das macht trotzdem so manchen Weg nicht einfach zu einem Spaziergang, aber schenkt Hoffnung und Zuversicht und dadurch auch Kraft, Energie und auch Mut, die Wege, die zu gehen sind, unter die Füsse zu nehmen. «Hoffnung leben» ist mein bischöfliches Leitwort und widerspiegelt eine Haltung – meine Haltung – auch im Hinblick auf das neue Jahr.

Josef Stübi ist seit Weihbischof des Bistums Basel. Innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz ist er unter anderem für die Medienarbeit auf nationaler Ebene und in der Deutschschweiz zuständig.

Marie-Louise Beyeler: Zuerst durchatmen

Ob ich will oder nicht, gehen mir in diesen Tagen Gedanken zum neuen Jahr durch den Kopf. Die wie auf einer Perlenkette noch makellos aufgereihten 365 Tage werden Gutes, Schwieriges, Erfreuliches, Unangenehmes, Gewohntes und Neues bringen. Wie immer.

«Ich nehme mir vor, stärkeres Vertrauen in Gottes Wirken in dieser, auch meiner Welt haben.»

Mehr als auch schon nehme ich mir jedoch vor, die Dinge in den kommenden Monaten etwas gelassener anzugehen. Nicht alles sofort und engagiert steuern wollen, Veränderungen nicht herbeizwingen, sondern sich entwickeln lassen, stärkeres Vertrauen in Gottes Wirken in dieser, auch meiner Welt haben. Wenn’s schwierig wird, zuerst durchatmen, eher beten als rennen, die Dinge gelassener angehen.

Beim Schreiben dieser Zeilen merke ich, dass dieser doch wirklich gute Vorsatz mich schon jetzt – fast ein wenig beunruhigt. Du kennst dich doch, flüstert meine innere Stimme…

Marie-Louise Beyeler ist Vizepräsidentin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), dem Dachverband kantonalkirchlicher Organisationen. Sie präsidiert zudem die Exekutive der Römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Bern.

Christian M. Rutishauser: Liturgisches Jahr statt bürgerliches Kalenderjahr

Ich nehme mir für das neue Jahr nie Vorsätze. Mein persönliches Leben richtet sich zu wenig am bürgerlichen Kalenderjahr aus. Als Jesuit prägt mich das liturgische Jahr viel mehr.

Mit dem Advent beginnt für mich ein neuer Zeitabschnitt. Ich mag die Verheissungs- und Erwartungstexte, die Friedensvisionen der alttestamentlichen Propheten, die täglich im Gottesdienst gelesen werden. Sie inspirieren mich, mein Leben auszurichten. Ich nehme in jedem Advent einen Schub an innerem und spirituellem Leben wahr.

«Vorsätze verbinde ich mit der Fastenzeit.»

Vorsätze verbinde ich aber mit der Fastenzeit. Sie ist für mich Zeit der Umkehr und des Neuanfangs, um ungute Gewohnheiten oder Trägheit hinter mir zu lassen. Vorsätze erlebe ich dann wie Attraktoren, die nach vorne ziehen, auch wenn ich sie nicht immer einhalte. Seit ich den Aschermittwoch in New York erlebt habe, wo viele Amerikaner, ob katholisch oder nicht, den ganzen Tag mit einem grossen Aschenkreuz auf der Stirn herumlaufen, ist er mir zu einem wirklichen Einschnitt geworden.

Christian M. Rutishauser ist Experte für den jüdisch-christlichen Dialog. Der Jesuit ist Professor für Judaistik und Theologie sowie Leiter des Instituts für jüdisch-christliche Forschung an der Universität Luzern.

Barbara Schmid-Federer: Nachsatz statt Vorsatz

Anstelle vom Neujahrs-«Vorsatz» bevorzuge ich den «Nachsatz», das «Post scriptum» als Schluss am Ende des Jahres. Welche Erkenntnisse ziehe ich aus dem vergangenen Jahr, das wir hinter uns lassen. 2025 habe ich Folgendes verinnerlicht:

Echtes Zuhören kommt in unserer Gesellschaft zu kurz, dadurch entsteht Einsamkeit und Isolation. Es ist heilsam, wenn wir unser Gegenüber aktiv würdigen, indem wir die Fertigkeit des guten Zuhörens stärken.

«Der Sinn des Lebens wird nicht einfach gefunden.»

Der Anruf, die Kontaktaufnahme gegenüber Mitmenschen kann nicht einfach delegiert werden: Wir alle besitzen ein Smartphone und können jederzeit telefonisch entlasten, trösten oder Mut machen.

Zum Nachsatz gehört für mich der unterschätzte Wert der Freiwilligenarbeit. Diese hat eine nachhaltig positive Wirkung auf die psychische und körperliche Gesundheit sowohl der Empfängerin, des Empfängers, als auch auf diejenige der Freiwilligen.

Der Sinn des eigenen Lebens wird nicht einfach gefunden, sondern muss aktiv geschaffen oder entdeckt werden, insbesondere durch freiwilliges Engagement und Pflege von Beziehungen.

Barbara Schmid-Federer ist Mitglied im Vorstand des Frauenbundes Schweiz. Die ehemalige Nationalrätin (CVP) und Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes ist heute Präsidentin der Dargebotenen Hand Zürich.

Pater Martin Werlen: Nicht funktionieren, sondern leben

Das Leben erfahre ich als spannend, mit einer grossen Kraft und als eine ständige Herausforderung. Langweilig war es mir noch nie. Da schätze ich Tage, die mich innehalten lassen: Dankbar des Vergangenen gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart leben, zuversichtlich in die Zukunft gehen – so brachte es Papst Johannes Paul II. im Zusammenhang mit dem Jahrtausendwechsel auf den Punkt.

«Viel wichtiger sind mir die Zeiten und Feste im Kirchenjahr.»

Der Jahreswechsel kann ein solcher Tag sein, aber viel wichtiger sind mir die Zeiten und Feste im Kirchenjahr: Adventszeit, Weihnachten, die Heiligen Vierzig Tage, Ostern, Pfingsten und auch viele der Heiligenfeste. Da erhalte ich Ideen, Visionen und Ermutigung. Das hilft mir, immer wieder aus dem Alltagstrott herauszukommen: nicht funktionieren, sondern leben.

Silvester und Neujahr darf ich mit vielen Gästen in der Propstei St. Gerold feiern. Es werden besinnliche Stunden sein, mit einer Eucharistiefeier vom alten ins neue Jahr.

Pater Martin Werlen ist Benediktiner und leitet die Propstei St. Gerold in Vorarlberg. Von 2001 bis 2013 war er Abt des Klosters Einsiedeln.

Monika Schmid: Dreizehn Gedanken für das neue Jahr

Der Übergang in ein neues Jahr ist für mich etwas Spezielles. Die Tage zwischen den Jahren haben Ruhe in sich und die Nächte etwas Mystisches. Nicht umsonst sind die alten Raunächte vom 24. Dezember bis zum 6. Januar wieder in Mode gekommen. In diesen Nächten zünde ich vor dem Schlafengehen eine Kerze an und sitze eine halbe Stunde im stillen Gebet.

Dazu habe ich mir 13 Gedanken auf kleine Zettel aufgeschrieben, für jede Nacht einen Zettel. Es sind kurze Zeilen an liebe Menschen, Worte für den Frieden in der Familie, in der Welt und auch ganz persönliche Kürzestbotschaften. Die Zettel sind zusammengefaltet in einer kleinen Schachtel.

«Ich übergebe diese Herzensworte der göttlichen Liebe.»

Nach dem stillen Gebet nehme ich einen Zettel und verbrenne diesen, ohne zu schauen, was darauf steht. So übergebe ich diese Herzensworte der göttlichen Liebe. Den 13. Zettel in der Nacht auf den 6. Januar werde ich anschauen und diesen Impuls bewusst mitnehmen ins neue Jahr im Gebet und im Tun. Ich habe keine Ahnung, was das Universum mir aus meinen dreizehn Neujahrsgedanken auswählt für das kommende Jahr 2026.

Monika Schmid ist Theologin und Seelsorgerin. Bis zu ihrer Pensionierung 2022 war sie Gemeindeleiterin der Pfarrei St. Martin in Effretikon ZH.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/prominente-katholikinnen-und-katholiken-mit-gedanken-zum-jahreswechsel/