Weihnachten steht vor der Tür. Für die Blattnerinnen und Blattner ist es das erste Weihnachtsfest seit dem Bergsturz Ende Mai – das sie nicht in Blatten feiern können. Speziell für sie organisiert die Pfarrei einen Weihnachtsgottesdienst an Heiligabend. Frauen aus dem Baselbiet haben sich dafür eine besondere Geste der Solidarität ausgedacht.
Barbara Ludwig
Am 28. Mai zerstörte ein Bergsturz das Dorf Blatten im Lötschental. Geröll und Schlamm begruben auch die Pfarrkirche der hintersten Talgemeinde. An ein Weihnachtsfest im zerstörten Dorf ist heuer nicht zu denken.
Auf die Frage, wie es ihm persönlich als Pfarrer von Blatten über sechs Monate nach dem Unglück geht, sagt Thomas Pfammatter (60): «Erstaunlich gut. Vielleicht, weil wir einfach versuchen, vorwärts zu schauen und gemeinsam vorwärts zu gehen.»
Die Solidarität der Schweizer Bevölkerung mit Blatten war und ist riesig. Millionen von Franken wurden für Blatten gespendet. Auch die Pfarrei sei explizit mit Spenden unterstützt worden, etwa für den Wiederaufbau der Infrastruktur, sagt Pfammatter gegenüber kath.ch. Die Naturkatastrophe habe nicht nur die Pfarrkirche von Blatten zerstört, sondern auch den dazugehörigen Gemeinschaftsraum, der für Anlässe der Pfarrei und andere Veranstaltungen genutzt wurde.
Finanzielle Hilfe kam nicht nur von Privatpersonen, auch Kommunen, Vereine und Kirchgemeinden haben für die Pfarrei Blatten Geld gespendet. «Was mich besonders gefreut hat, war der Umstand, dass auch viele reformierte Schwestern und Brüder sowie reformierte Kirchgemeinden sich durch eine Spende mit uns solidarisch zeigten», sagt der Pfarrer.
Die Mehrheit der ursprünglichen rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner wohnen noch immer im Lötschental, das heisst in den drei Dörfern Ferden, Kippel und Wiler. Dies ist auch die Mehrheit der Pfarreiangehörigen von Blatten, da das Lötschental fast ausschliesslich katholisch ist.
«Die Pfarrei Blatten lebt. Blatten existiert immer noch als eigenständige Gemeinschaft, wobei man Pfarrei und Dorf nicht voneinander trennen kann», sagt Thomas Pfammatter. «Zu bestimmten Festen kommen die Menschen zurück – auch diejenigen, die weggezogen sind. Das zeigt die grosse Verbundenheit, das Gemeinschaftsgefühl – auch die gemeinsame Identität.»
Auch die Vereine seien weiterhin aktiv, berichtet der Pfarrer. Die Musikgesellschaft, der Mütterverein oder der Kirchenchor. Und die Menschen, die für die Pfarrei Blatten im Dienst waren, tun dies weiter. Dazu zählen die Ministrantinnen und Ministranten, die Lektorinnen und Lektoren. «Auch der für die pastoralen Belange zuständige Pfarreirat und der Kirchenrat, der die Finanzen verwaltet, treffen sich nach wie vor.»
Wieder abgeschafft habe man den im Juni eigens für die Gläubigen aus Blatten eingeführten Sonntagsgottesdienst, mit dem man den Opfern der Naturkatastrophe ein Gefühl von religiöser Heimat geben wollte. Dieser fand jeweils in Kippel statt. Unterdessen besuchen die Blattnerinnen und Blattner am Wochenende die Messe in Ferden, Kippel oder Wiler – gemeinsam mit den Gläubigen aus diesen Dörfern, weil sie dies so wollten, sagt Pfammatter.
Jedes zweite Wochenende übernehmen jedoch Blattnerinnen und Blattner den Ministranten- und den Lektorendienst in der sonntäglichen Eucharistiefeier, und mit dem Kirchenchor Blatten auch die musikalische Gestaltung.
Darin wechseln sie sich mit den Verantwortlichen von Kippel ab. «Das ist unser neuer Plan für die Gottesdienste», erläutert der Pfarrer. Historisch gesehen sei die grosse Pfarrkirche von Kippel nämlich die Mutterkirche im Lötschental.
An Heiligabend ist allerdings ein Gottesdienst extra für die Menschen aus dem zerstörten Dorf geplant. Bei dieser Weihnachtsfeier werden sowohl der Blattner Kirchenchor als auch die Ministranten und Lektorinnen aus Blatten mitwirken.
«Das Ziel ist, dass die Menschen aus Blatten sich an Weihnachten beheimatet fühlen können», sagt der Pfarrer. Gefeiert wird der Gottesdienst um 18 Uhr in der Pfarrkirche von Kippel. Es können auch Gläubige aus den anderen Taldörfern teilnehmen, so Pfammatter. Er kann sich vorstellen, dass auch Leute, die das Tal nach dem Bergsturz verlassen haben, zu der Feier anreisen werden. «Das war bereits an Allerheiligen der Fall, und auch beim Kirchweihfest am letzten Sonntag im August.»
Solidarität mit Blatten wird sich auch im Weihnachtsgottesdienst vom 24. Dezember manifestieren. Frauen aus dem Baselbiet haben rund 120 Windlichter hergestellt, die die Kirche von Kippel erleuchten werden. Nach der Feier dürfen die Teilnehmenden des Gottesdienstes ein solches Licht mit nach Hause nehmen.
Cornelia Hürlimann aus Duggingen BL ist Initiantin der Aktion, an der sich zwischen 20 und 25 Frauen beteiligten. Als Besitzerin eines Ferienhauses in Leukerbad ist sie eng mit dem Wallis verbunden und begeistert von der Schönheit des Lötschentals. Der Anblick des Schuttkegels über dem zerstörten Dorf Blatten habe sie tief erschüttert, erzählt sie kath.ch am Telefon.
«Die Windlichter sollen ein Symbol dafür sein, dass die Natur nicht nur zerstörerisch wirken, sondern auch Hoffnung schenken kann.»
«Die Windlichter sollen ein Symbol dafür sein, dass die Natur nicht nur zerstörerisch wirken, sondern auch Hoffnung schenken kann. Ein Lichtblick für das Schöne, das sich auch im Kleinen zeigt.» Man habe deshalb, so Hürlimann, in der Natur gesammelte Kräuter verwendet, um die Windlichter zu verzieren. Als Material für die 20 bis 25 Zentimeter hohen Objekte haben die Frauen weisse, lichtdurchlässige Servietten verwendet.
Gemeinsam mit einer an der Aktion beteiligten Freundin hat Cornelia Hürlimann am Montag die Windlichter in einem Bus ins Wallis gebracht. «Voller Freude haben wir sie in Kippel Pfarrer Pfammatter übergeben.»
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