Seelsorgende und Klosterfrauen ganz privat an Weihnachten: «Advent ist immer»

Weihnachten steht vor der Tür. Während sich Gläubige – nicht zuletzt in den Familien – auf ruhige und besinnliche Tage ab Heiligabend freuen, bedeutet Weihnachten für Seelsorgende oft Grosseinsatz mit mehreren Messfeiern. Wie feiern Seelsorgende eigentlich für sich Weihnachten? Einige Seelsorgende und eine Klosterfrau geben für kath.ch Einblicke in ihr ganz privates Weihnachten.

Wolfgang Holz

«Ja, die Adventszeit ist geprägt von vielen Vorbereitungen. Und die allgemeine Seelsorge schläft ja auch nicht. Es ist aber auch eine schöne Zeit, und ich versuche, mir immer mal wieder ein paar Augenblicke der Besinnung zu gönnen», verrät Reto Kaufmann, Pfarrer von St. Michael in Zug und Domherr des Kantons Zug, gegenüber kath.ch.  

Die Weihnachtstage seien geprägt von den eindrücklichen Gottesdiensten. «Angefangen vom Familiengottesdienst an Heiligabend über die Christmette und dem festlichen Gottesdienst am Weihnachtstag. Am 26. Dezember folgt dann noch der Stephanstag», zählt Kaufmann sein pastorales Pensum auf. Aber auch in seiner Wohnung im Pfarrhaus weihnachtet es sehr.

«Ich höre Musik, lese und denke über das Geschenk der Menschwerdung Gottes nach.»

«Ich habe einen Christbaum in der Wohnung, den ich am 24. Dezember schmücke und bei dem ich zwischendurch immer wieder etwas verweile. Ich höre Musik, lese und denke über das Geschenk der Menschwerdung Gottes nach», lässt er wissen. In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr besuche er auch seine Geschwister und das Grab seiner Eltern. Zwischendurch ein gutes Essen und ein gehaltvolles Glas Wein gehörten für ihn «selbstverständlich» auch zu Weihnachten.

Für Menschen in Not auch über Weihnachten da

Er habe aber auch ein offenes Ohr für Menschen in Not. «Es kann nämlich auch sein, dass sich Menschen melden, denen es in diesen Tagen nicht gut geht, die krank sind oder dass jemand verstorben ist.»

Auch für Cityseelsorgerin Ann-Katrin Gässlein aus St. Gallen ist berufsbedingt «der Advent alles andere als eine ruhige und besinnliche Zeit – leider ist es auch keine Zeit der wachsamen Erwartung, wie man es einem biblisch und liturgisch nahelegen würde».

In der Arbeit der Cityseelsorge sei der Advent mit dem Weihnachtsmarkt prädestiniert für Projekte wie Kerzenziehen, Einkehr in Stille, offenes Liedersingen, Weihnachtsreise und ähnliches mehr. Hinzu kommen laut Gässlein die Konzerte und Chorauftritte von Kindern und Jugendlichen wie auch die Weihnachtsfeiern, die von Pfadis, Ministranten und allerlei Belegschaftsteams organisiert werden.

«Ein paar wenige Male Rorate»

«Ich persönlich versuche, gerade die säkularen Weihnachtsanlässe zu reduzieren, um wenigstens ein paar wenige Male Rorate zu feiern», bekennt die Cityseelsorgerin. Wirklich «adventlich» fühle sie sich, wenn «Herr, send herab uns deinen Sohn» mit sanfter Orgelmusik erklinge. «Letzte Woche habe ich zufällig eine Gruppe uniformierter Männer vor der Kathedrale gesehen, die zu Ehren der heiligen Barbara salutiert haben – das sind schöne, weil traditionsgeladene Momente.»

Der Heiligabend ist für Ann-Katrin Gässlein pragmatisch geregelt: «Alle, die wollen, kommen zu uns. Denn als Familie über Weihnachten zu verreisen, ist zu stressig.»

«Man musiziert im Schweisse seines Angesichtes.»

Viele Einsätze hat Mario Pinggera, Pfarrer in Richterswil, über Weihnachten. Von Freitag bis Sonntag feierte er jüngst zusätzlich zu den Liturgien drei Seniorenweihnachtsfeste mit insgesamt über 300 Menschen musikalisch. «Entsprechend stickig wundwarm ist die Luft, und man musiziert im Schweisse seines Angesichtes. Eine Erkältung ist die zwingende Folge…» Aber diese Anlässe seien äusserst wertvoll. Vom 24. bis zum 31. Dezember feiere er neun Liturgien sowie ein kleines Konzert zum Jahresschluss.

«Wahrscheinlich Fondue und etwas Ruhezeit»

«An Heiligabend zwischen dem Singspiel der Kinder und der Messe gibt es wahrscheinlich Fondue und etwas Ruhezeit», hofft Pinggera auf eine weihnachtliche Atempause. Selbstverständlich freut er sich auch über einen kleinen Christbaum in seiner Wohnung. «Das Singspiel hat bei uns lange Tradition, die Musik dazu komponiere ich zum Teil selbst.»

Am 25. Dezember nach der zweiten Messe geht’s für den Richterswiler Priester nach Hause ins Vinschgau zu seiner Mutter. «Am Stefanstag darf ich meinen Kollegen in Prad und Lichtenberg vertreten, zu Mittag wird der Grill angeworfen – auf 1100 Metern Höhe und bei Schnee. Am 27. Dezember geht’s retour nach Richterswil, am 28. feiern wir Patrozinium.»

Dabei empfindet Mario Pinggera seine vielen Einsätze über Weihnachten als gar nicht so anstrengend. «Stress habe ich vor und zu Weihnachten schon seit Jahren nicht mehr. Ich erfreue mich an den Begegnungen mit den Menschen, den feierlichen Gottesdiensten mit ‹Stille Nacht› und ‹O du fröhliche›, sowie an den Krippen in Kirchen, Pfarrhaus und zu Hause. Am 31. Dezember beschliessen wir das Jahr mit einer Messe und anschliessendem kleinen Konzert in der Marienkirche Samstagern.»

Michèle Adam, Leiterin der Zuger Pfarreien in Risch, Rotkreuz und Meierskappel feiert Weihnachten eigentlich immer erst nachträglich, sagt sie gegenüber kath.ch. «Frühestens am 25. Dezember abends – das ist der erste Moment, an dem ich ausspannen kann», verrät sie. Ja, sie habe auch einen eigenen Christbaum, den sie immer bereits am 4. Advent vorbereite. Was das Essen angeht, wähle sie mit ihrer Familie zusammen ein Menü aus, «das wir dann auch gemeinsam kochen», so Adam.

Was die Weihnachtsgeschenke betrifft, pflegt sie den Brauch ihrer Familie, dass die Weihnachtsgeschenke «bescheiden und nützlich» sein sollen. «Das klappt ganz gut. Am wichtigsten ist für mich über Weihnachten, die Natur auf gemeinsamen Wanderungen mit der Familie und unseren Hunden zu erkunden und nach der intensiven Vorzeit einfach die Ruhe zu geniessen.»

Und wie ist das eigentlich mit Weihnachten für jemanden, der im Kloster lebt? Für Schwester Annemarie Müller, Generalpriorin des Dominikanerinnenklosters in Ilanz, geht es bei jedem Fest darum, «sich innerlich und äusserlich vorzubereiten. Dies gilt vor allem auch für Weihnachten.» Man brauche dafür die Zeit des Advents. Stille, Gebet und die Adventsgesänge, die voller Sehnsucht das Licht und den Frieden in der Welt, das Kommen Gottes besingen würden.

«Als Einzelne gilt es, selbstkritisch die eigenen Schwächen zu erkennen und sich von Gottes Liebe erfüllen zu lassen, um sich neu zu ihm hinzukehren», so Schwester Annemarie. «Advent ist immer. Wir erwarten Gott allezeit. Doch brauchen wir den Advent, diese Extrazeit des erwartenden Hoffens.»

«Es riecht nach Zimt und Anis»

Die Adventsgestecke auf den Gängen und in den Gruppenräumen im Kloster Ilanz zeugen laut Schwester Annemarie vom nahenden Licht. An den vier Adventssonntagen werde jede Woche eine Kerze mehr angezündet. «Im Kloster riecht es nach Weihnachtsgebäck, nach Zimt und Anis. Viele Schwestern schicken ihre Weihnachtspost an ihre Verwandten und Freunde», so die Ilanzer Generalpriorin.

Die Krippe von Schwester Anita Derungs im Kloster lade die Ordensfrauen ein, auf den Weg nach Bethlehem zu gehen. «Ihre Figuren repräsentieren die ganze Welt. Menschen aus den verschiedenen Erdteilen, Menschen in Favelas, im Gefängnis, beim Betteln», reflektiert Schwester Annemarie. «Dies ist eine Möglichkeit, mich mit den verschiedenen Figuren im Laufe des Advents zu identifizieren. Zahlreiche Besucherinnen kommen in dieser Zeit zu uns und betrachten die Krippe.

«Einige unserer Schwestern nehmen ihre Instrumente hervor, und wir singen und spielen in den Weihnachts-Gottesdiensten.»

In der Klosterkirche finden in dieser Zeit verschiedene schöne Weihnachtskonzerte statt. «Einige unserer Schwestern nehmen ihre Instrumente hervor, und wir singen und spielen in den Weihnachts-Gottesdiensten», erzählt sie. Nebst einem feinen Festessen feiere dann jede Schwesterngruppe im kleinen Rahmen das Weihnachtsfest. Schwester Annemarie: «Die Gruppenräume sind glanzvoll geschmückt, aber auch die eigene Schwesternzelle schmückt jede Schwester weihnächtlich. Lichter erstrahlen und laden uns ein, selbst Licht zu werden für die Welt, denn Weihnachten will uns zu mehr Menschlichkeit führen.»


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