Monika Hungerbühler hat sich immer wieder stark gemacht für Gleichberechtigung in der römisch-katholischen Kirche. Vor bald drei Jahren aber ist die Baslerin in die christkatholische Kirche übergetreten. Sie sagt: «Ich wollte es nicht an die grosse Glocke hängen».
Regula Pfeifer
Ihr Übertritt zur christkatholischen Kirche sollte keine Protestaktion sein, das betont Monika Hungerbühler gegenüber kath.ch. Deshalb habe sie ihn auch nicht öffentlich bekannt gegeben. Das habe sie dem Bischof von Basel in einem Abschiedsbrief auch so mitgeteilt. Vor sieben Jahren hatten sechs andere prominente Katholikinnen gemeinsam ihren Austritt bekannt gegeben, was hohe Wellen warf.
Die Zurückhaltung von Monika Hungerbühler hat mit dem privaten, familiären Hintergrund ihres Entscheides zu tun. Denn ihre neue Kirche, die christkatholische, hat Tradition in ihrer Familie. «Meine Mutter war christkatholisch, ebenso meine Grossmutter und meine Urgrossmutter. Daher war mir diese Kirche vertraut», sagt Monika Hungerbühler. Sie selbst wuchs allerdings römisch-katholisch auf. «Denn meine Mutter ist bei der Hochzeit quasi genötigt worden zu konvertieren». Sie habe dabei versprochen, ihre Kinder römisch-katholisch zu erziehen – und dies auch getan.
Später sei ihre Mutter wieder zu den Christkatholiken zurückkonvertiert und habe sich in der Gemeinde aktiv betätigt. So kam auch Monika Hungerbühler dieser Kirche näher, sie lernte die christkatholische Predigerkirche in Basel und die Priester kennen, die dort tätig waren.
«Ich glaube, ich erlitt eine Art Ermüdungsbruch.»
Auch für den Austritt aus der römisch-katholischen Kirche kann Monika Hungerbühler keinen besonderen Auslöser nennen. Vielmehr habe sie «eine grosse Frustration und Müdigkeit darüber verspürt, dass sich so wenig in dieser Kirche bewegt – trotz vielerlei Versprechen, trotz Amazonassynode, trotz sogenannt synodalem Prozess», wie sie sagt. Und obwohl sie und auch andere Frauen sich stark und wiederholt für Reformen eingesetzt hatten. «Ich glaube, ich erlitt eine Art Ermüdungsbruch, auch wenn ich das nicht wirklich wahrnahm», sagt sie.
Aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten ist Monika Hungerbühler im Dezember 2022, also ein knappes Jahr nach ihrer Frühpensionierung im Januar 2022. «In diesem Moment konnte mir beruflich nicht mehr viel passieren», gibt sie zu und betont: «Ich hatte sehr gute Stellen in der römisch-katholischen Kirche von Basel-Stadt.» Das habe sie Bischof Felix Gmür in ihrem Abschiedsbrief geschrieben. Ebenso dass sie nicht mit einer Aktion oder einem Protest gehen wolle.
In die christkatholische Kirche eingetreten ist sie offiziell am 8. Januar 2023, nach einigen Gesprächen mit dem Pfarrer der Predigerkirche Basel, bei dem es um ihre Beweggründe ging. Im Gottesdienst an jenem Tag sei sie von der Gemeinde mit Klatschen empfangen worden, sagt Hungerbühler, das habe sie berührt.
An der christkatholischen Kirche gefällt ihr die «ganz andere, synodale Struktur». Die Predigerkirche habe ein vielfältiges Programm, biete theologisch und spirituell viel und sei zwischenmenschlich angenehm. Monika Hungerbühler darf da nun vier Gottesdienste pro Jahr leiten, sogenannte «Stationenfeiern». Dabei verstehe sie sich nicht als Leiterin, sondern als Teil des Volkes. Damit versteht sie «eine Gemeinschaft von Gleichgestellten und Getauften, die sich für das gute Leben aller und für die Schöpfung einsetzen».
Bei den Christkatholiken könnte Monika Hungerbühler Priesterin werden. «Das kommt für mich nicht in Frage», sagt sie bestimmt. «Und zwar aus Solidarität mit meinen Kolleginnen und Freundinnen aus der römisch-katholischen Kirche. » Sie habe sowieso nie Priesterin werden wollen. «Und jetzt, wo ich es könnte, kann ich diesen Wunsch auch nicht mobilisieren.»
Auch wenn ihre neue Gemeinschaft synodaler ist, perfekt ist sie für Hungerbühler noch nicht. Die patriarchal geprägte Gesellschaft zeige sich auch da. «Ich habe immer gesagt: Ich will ein ganz anderes System, eine andere Spiritualität, eine andere Theologie, einen anderen Gottesdienst, eine andere Gerechtigkeit», bringt es Monika Hungerbühler auf den Punkt.
Doch für Reformen kämpfen, so wie in der römisch-katholischen Kirche, das will sie nicht mehr. «Ich bin jetzt pensioniert», sagt sie. In der Basler Predigerkirche macht sie einige Male pro Jahr in der Apero-Gruppe mit. «Gut finde ich», sagt sie, «ich bin immer katholische Theologin gewesen und bin es immer noch. Ich bin das gerne.»
Ein Engagement reizt sie aktuell: «Ich bin den Klimaseniorinnen beigetreten, weil ich finde: Das ist etwas elementar Wichtiges», sagt Monika Hungerbühler. Den Einsatz der älteren Frauen für das Klima, die Schöpfung und die Menschen findet sie «aufsehenerregend, wichtig, toll und sehr christlich».
Monika Hungerbühler hat sich in der römisch-katholischen Kirche viele Jahre lang für Gleichberechtigung und Reformen eingesetzt, wie auch bei kath.ch nachzulesen ist.
So war sie 2011 bei der Gleichstellungsinitiative aktiv. Diese verlangte von den Landeskirchen von Basel-Stadt und Basel-Landschaft, dass sie sich für das Frauenpriestertum und die Abschaffung des Pflichtzölibats einsetzen. Damals war Hungerbühler bereits seit 2009 Co-Leiterin der Offenen Kirche Elisabethen in Basel. 2012 erhielt sie den Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche – gemeinsam mit der ebenfalls bekannten Theologin Monika Schmid.
Im Dezember 2018 lancierte sie den Appell «Für eine Kirche umfassender Gerechtigkeit» mit. Dieser war eine Reaktion auf den Kirchenaustritt von sechs prominenten Katholikinnen in der Schweiz. Im März 2019 entstand daraus die Initiative «Wir haben es satt!». Monika Hungerbühler war eine der Theologinnen, die darauf die Gleichstellungs- und Reformanliegen gegenüber Bischof Felix Gmür vertrat.
Sie wirkte auch beim Frauenkirchenstreik von 2019 mit, der schweizweit unter dem Motto «Gleichberechtigung. Punkt. Amen.» lief. Da organisierte sie unter anderem eine Mitra-Bastel-Aktion in Basel, mit denen die Frauen an Demonstrationen auftraten.
Die Basler Theologin verfasste im Juni 2022 den Solidaritätsbrief für die Theologin Veronika Jehle, den 50 Seelsorgende mitunterzeichneten – und dabei Reformen in der Kirche forderten. Bereits in diesem Schreiben äussert Hungerbühler: «Wir sind traurig! Wir sind desillusioniert! Wir sind zerrissen!» Veronika Jehle hatte ihre bischöfliche Beauftragung an den Bischof von Chur zurückgegeben und in einem Offenen Brief begründet, sie könne dem Auftrag Christi unter den Menschen in dieser Kirche nicht mehr gerecht werden.
Ausserdem war Hungerbühler aktiv bei der Junia-Initiative. Diese organisiert nicht nur jährliche Treffen, sondern präsentierte auch Frauen, die sich zur Sendung berufen erklärten. Sie leitete auch feministische Wallfahrten nach Lourdes. Die nächste – und gleichzeitig letzte – findet vom 29. August bis 5. September 2026 statt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/engagierte-theologin-wechselt-leise-die-konfession/