Luzerner Landeskirchen feiern letzten Weihnachtsgottesdienst auf Tele1

Der Lockdown 2020 mit dem Gottesdienstverbot war ein Schlag für die Kirchen. Und in Luzern die Geburtsstunde ökumenischer TV-Gottesdienste zu Ostern und Weihnachten. Nun wird das Projekt der Landeskirchen beendet.

Barbara Ludwig

In der Corona-Pandemie, Mitte März 2020, verhängte der Bundesrat mit dem Lockdown auch ein Verbot öffentlicher Gottesdienste. Später gab es vielerorts Obergrenzen für Gottesdienstbesucher. Für die Kirchen und ihre Gläubigen war es eine schwierige, von Einschränkungen geprägte Zeit.

In Luzern startete mit dem Lockdown eine ökumenische Zusammenarbeit der drei Landeskirchen im Bereich TV-Gottesdienste. Zu diesen zählen die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Landeskirche sowie die Christkatholische Kirchgemeinde Luzern.

«Notlösung» für Ostern 2020

Der Fernsehgottesdienst sei zunächst eine «sofortige Notlösung für Ostern» gewesen, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung der Kirchen vom Dienstag. «Innerhalb von drei Wochen produzierten die Landeskirchen zusammen mit Tele 1 zwei Formate, um eine Osterfeier zuhause zu ermöglichen.»

An Weihnachten 2020 wurde dann ein erster ökumenischer Weihnachtsgottesdienst auf dem Zentralschweizer Privatsender ausgestrahlt. Auch im Corona-Jahr 2021 gab es zu Ostern und Weihnachten einen TV-Gottesdienst. Ab 2022 beschränkte man sich auf einen jährlichen Weihnachtsgottesdienst.

20’000 Mitfeiernde in der Corona-Zeit

Viele Menschen in der Zentralschweiz schätzten offenbar das Angebot. An Ostern haben laut dem «Kirchenboten» 15’000 Menschen mitgefeiert. An Weihnachten waren es noch mehr: «Die Zahl der Zuschauenden war zu Pandemiezeiten mit 20’000 sehr hoch für die Zentralschweiz», teilt Michi Zimmermann, Kommunikationsverantwortlicher der reformierten Landeskirche, mit.

Damals gab es im Anschluss an die Fernsehgottesdienste eine Telefonhotline für Seelsorge, bei der viele Anrufe eingingen. Viele Menschen hätten sich für den Gottesdienst bedankt und so die Kirchen zu weiteren Produktionen motiviert, heisst es im Communiqué.

Seit 2023 habe sich die Zahl bei rund 8000 Personen eingependelt. «Das ist ein sehr hoher Wert.» Der ökumenische TV-Gottesdienst zu Weihnachten sei der «meistbesuchte» Gottesdienst in der Zentralschweiz, so Zimmermann. Er sei zudem beliebt als «ergänzendes Format» zu den Gottesdiensten der Kirchgemeinden vor Ort.

Letzte Ausstrahlung aus der Franziskanerkirche

Doch dieses Jahr feiern die Landeskirchen den TV-Weihnachtsgottesdienst auf Tele 1 zum letzten Mal, wie sie im Communiqué vom Dienstag mitteilen. Ausgestrahlt wird er am 25. Dezember, 10 Uhr, aus der Franziskanerkirche in Luzern.

Doch warum ist Schluss mit dem erfolgreichen Format? Im Bericht des «Kirchenboten» ist zu lesen, dass die reformierte Landeskirche die Produktion des Weihnachtsgottesdienstes gerne weitergeführt hätte. Die römisch-katholische Landeskirche habe sich jedoch «aus strategischen Gründen» entschieden, das Projekt zu beenden.

Hoher Aufwand

Der Kommunikationsverantwortliche Dominik Thali nennt gegenüber dem «Kirchenboten» zwei Gründe: «Einerseits ist der finanzielle und personelle Aufwand für dieses Format hoch, und Personen mit eingeschränkter Mobilität können online auch auf anderen Kanälen mitfeiern.» Die Pandemie habe das Online-Angebot vergrössert.

Im vergangenen Jahr betrugen die Produktionskosten für den TV-Weihnachtsgottesdienst nach Angaben von Michi Zimmermann insgesamt 22’500 Franken. Davon übernehme die römisch-katholische Landeskirche auf der Basis eines «ökumenischen Verteilschlüssels» den grössten Teil, weil sie am meisten Mitglieder habe, erklärt Dominik Thali gegenüber kath.ch.

Thali äussert «Verständnis» dafür, dass nun womöglich viele Menschen die Einstellung des TV-Gottesdienstes bedauern. Man nehme aber auch wahr, dass «zu Sonn- und Festtagen auf mehreren Sendern Gottesdienste übertragen werden, welche von vielen Menschen sehr gerne gesehen und miterlebt werden».

Das letzte Team

Den letzten TV-Gottesdienst gestalten Winfried Bader, christkatholischer Theologe, Gudrun Dötsch, Leiterin der Pfarrei St. Maria zu Franziskanern und Claudia Speiser, Pfarrerin der reformierten Kirche Emmen-Rothenburg. Der Franziskanerchor Luzern und der Organist Freddie James begleiten die Feier musikalisch. Für hörbehinderte Menschen gibt es eine Übersetzung in die Gebärdensprache.


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