Nach dem Abschied von Schwester Alix Schildknecht: «Es geht weiter»

Der Abschied von Schwester Alix Schildknecht, Menzinger Schwester und Mitbegründerin des Zentrums für christliche Spiritualität, hat viele bewegt. Nach 31 Jahren engagierter Tätigkeit in Zürich, kehrt sie in ihren Orden nach Menzingen zurück. Doch das von ihr gegründete Zentrum bleibt bestehen. Und wächst weiter.

Sabine Zgraggen

Die Hauskirche im sechsten Stock der Werdstrasse 53 in Zürich war am Freitagabend voll, als Freundinnen, Kolleginnen, Weggefährten und das Team des christlichen Zentrums Schwester Alix Schildknecht (94) in einem Dankesgottesdienst verabschiedeten. Bekannte Gesichter waren anwesend, darunter der ehemalige Generalvikar Josef Annen. Auch das einstige Seelsorge-Team der Liebfrauenkirche rund um Pfarrer Reto Müller war gekommen ebenso wie auch das Pfarrhausteam von Peter und Paul.

Eine «spirituelle Oase» in der Stadt

Dass Schwester Alix der Abschied nicht leichtfällt, war spürbar, ebenso wie die Verbundenheit aller Anwesenden mit ihrem Lebenswerk. In ihrer Seele trug sie schon früh die Vision einer spirituellen «Oase in der Stadt», wo Gläubige und Suchende einen Raum für Stille, Austausch und geistliche Begleitung finden. Wie an diesem Abend immer wieder betont wurde, gelang es ihr, andere für das gemeinsam mit Toni Zimmermann entwickelte Projekt zu begeistern.

Doch es gab auch Widerstände. Sie musste sich der Frage stellen, ob es ein solches Zentrum überhaupt brauche. Doch zusammen mit Zimmermann wagte sie den Anfang, und bald gab der Erfolg ihnen recht.

«Manchmal muss man einfach beginnen», zeigte sich Schwester Alix auch an diesem Abend überzeugt. Eine Anekdote zeigt ihre Persönlichkeit: Eine deutlich jüngere Frau schilderte ihr einmal von der Mühsal des Älterwerdens, als Schwester Alix neugierig zurück fragte: «Wie fühlt sich das an?».

Ein Zeichen der Zeit

Mit ihrem Weggang stellt sich unweigerlich die Frage, wie es nun mit dem Zentrum weitergeht. Andreas Beerli, Co-Präsident des Zentrums, kann diese Frage jedoch rasch und bestimmt beantworten: «Es geht weiter». Die Trägerschaft habe sich intensiv damit auseinandergesetzt und sei überzeugt, dass die grosse Nachfrage nach spirituellen Angeboten ein klares Zeichen dieser Zeit sei.

«Die vielen Dinge, die laufen, führen wir weiter», sagt Beerli. Dazu gehören die monatlichen Vorträge, die im Zentrum gut etabliert sind. «Uns geht es nicht primär um Wissensvermittlung, sondern um Menschen, die aus ihrer eigenen spirituellen Erfahrung erzählen. Das bereichert unheimlich – und viele kommen genau deshalb.»

Auch die kleineren, persönlichen Formate haben weiterhin ihren festen Platz. Die monatlichen Kamingespräche, an denen jeweils zwölf bis fünfzehn Personen teilnehmen, bieten Raum für Austausch und Vertiefung.

Grosse Nachfrage nach geistlicher Begleitung

Besonders stark nachgefragt bleibt die geistliche Begleitung – ein Bereich, der von Schwester Alix jahrelang geprägt wurde. «Wir haben über 500 Begleitgespräche pro Jahr. Das Bedürfnis ist eindeutig da», betont Beerli.

Und wer übernimmt nun diese Aufgabe?

«Wir haben mit Bernadette Frei eine erfahrene geistliche Begleiterin, die bereits viele Jahre mit Schwester Alix zusammengearbeitet hat», so Beerli. Zusätzlich gebe es ein halbes Dutzend weiterer Personen, die an dieser Aufgabe interessiert seien. «Alle, die hier mitwirken, sind hervorragend ausgebildet – spirituell geschult und mit Spezialausbildungen für geistliche Begleitung.»

Damit bleibe das Zentrum fachlich gut aufgestellt. Künftig sollen auf der Homepage alle Begleitpersonen vorgestellt werden, sodass Ratsuchende gezielt wählen können.

Offene Türen

Neben den persönlichen Begleitformaten bleiben auch Kontemplationsangebote, stille Einheiten, spirituelle Wanderungen und Reisen bestehen. Das Zentrum ist zudem ein Ort der Kooperation: «Wir werden immer wieder angefragt – auch von Bad Schönbrunn –, ob gewisse Aktivitäten bei uns stattfinden können. Dem sagen wir gerne zu.» Beerli ist wichtig, dass das Zentrum offen bleibt für unterschiedliche spirituelle Ausrichtungen, solange sie mit dem Grundanliegen übereinstimmen.

Und wie versteht er heute die Rolle des Hauses? «Für uns ist es tatsächlich eine Oase in der Stadt», sagt Beerli. «Viele Menschen finden in einer Pfarrei keinen Zugang, fühlen sich aber hier willkommen. Wir leben Gemeinschaft – nach jedem Vortrag, nach jedem Gespräch. Wir stossen miteinander an, teilen Brot und Wein. In ganz einfacher Form, aber mit tiefem Sinn.»

Finanziell ist das Zentrum auf mehreren Säulen abgestützt. Die Trägerschaft besteht aus dem Generalvikariat und dem Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, der Pfarrei Peter und Paul sowie Katholisch Stadt Zürich. Die Gemeinschaft Werdgarten stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. «Wir sind dankbar für diese breite Unterstützung», sagt Beerli. «Und ja – man kann uns jederzeit unterstützen, ideell oder finanziell.»

Die Koffer packen

Ende des Monats packt Schwester Alix ihre Koffer. Die Menzinger Schwestern freuen sich auf ihre Rückkehr, und, so sagte es Schwester Trudi Eichler: «Die Türen in Menzingen stehen für Besuchende offen.»

Mit dem Weggang von Schwester Alix endet ein Kapitel – doch das Zentrum, das sie mitgeprägt hat, bleibt durch die Menschen, die sich hier versammeln lebendig und trägt ihre Vision weiter.


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/nach-dem-abschied-von-schwester-alix-schildknecht-es-geht-weiter/