Bei der Generalversammlung der Katholischen Kirche im Oberwallis – dem Seelsorgeratskongress – hat Bischof Jean-Marie Lovey von Sitten vor kurzem im Wort des Bischofs einen Rückblick gehalten. Er hat es den beiden Päpsten gewidmet: dem verstorbenen Papst Franziskus und dem neuen Papst Leo XIV.
(woz) «Das Jahr 2025 war für die Weltkirche das Jahr der beiden Päpste. Papst Franziskus ist von uns gegangen und hat uns ein immenses Erbe hinterlassen. Papst Leo wurde uns mit einer immensen Hoffnung geschenkt. Der Heilige Geist leitet die Kirche und schenkt ihr die Menschen, die den Umständen der Zeit angemessen sind, um sie zu führen.
Gemeinsam mit Ihnen möchte ich Gott für das Wirken von Papst Franziskus danken. Einige wenige Worte reichen aus, um sein Werk zu beschreiben: Die Armen. Die Migranten. Die integrale Ökologie. Die Synodalität.
Diese Themen hat er in wichtigen Texten seines Pontifikats behandelt. Ich zitiere einige Passagen, weil sie uns auf unsere konkrete und aktuelle Situation zurückführen. Franziskus hat innerhalb des Vatikanstaates Duschen für Obdachlose bauen lassen. Am Gründonnerstag ging er in ein Gefängnis, um den Gefangenen die Füsse zu waschen. Und während dieses Heiligen Jahres bat er darum, dass in den vier grossen Basiliken Roms Heilige Pforten geöffnet werden, sowie eine fünfte Pforte in einem Gefängnis.
Die Armen aller Schichten waren schon immer sein Anliegen. Unter den Ärmsten hat Papst Franziskus die Welt auf die Migranten aufmerksam gemacht. Damit wir in unserem Wallis einen Geist der Aufnahme und Integration entwickeln: «Migranten sind, wenn man ihnen bei der Integration hilft, ein Segen, ein Reichtum und ein Geschenk, das eine Gesellschaft zum Wachsen einlädt».
In seiner Enzyklika Laudato Si’ zeigt Franziskus, dass alles miteinander verbunden ist: «Der Schutz unseres eigenen Lebens und unserer Beziehung zur Natur ist untrennbar mit Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Treue gegenüber anderen verbunden». Der vor zehn Jahren veröffentlichte Text Laudato Si’ ruft zu einem Kulturwandel auf. Es handelt sich um eine spirituelle Transformation, die uns dazu bringen wird, unseren Blick auf die Natur zu ändern und den Menschen wieder an seinen richtigen Platz vor Gott zu setzen.
Aus diesen Impulsen von Papst Franziskus sind in unserer Diözese mehrere Werke für die Armen entstanden. In den letzten Jahren sind mehrere diakonische Strukturen gewachsen. Als Beispiel möchte ich die Walliser Stiftung Papst Franziskus nennen, die in acht Jahren eine Million Franken an Menschen in prekären Lebenssituationen verteilt hat.
Danke, Papst Franziskus, auch für die Anregung zum Nachdenken über die Synodalität. Mehrere Etappen haben das Leben der Kirche geprägt. Erinnern wir uns an die erste Etappe, die durch die Konsultation der Gläubigen in den Diözesen gekennzeichnet war. Diese Reflexion entwickelte sich in den Ländern, dann auf den Kontinenten und schliesslich auf der Ebene der Weltkirche durch die Synode 2014.
Am Ende dieser letzten Etappe veröffentlichte der Papst die Arbeiten der Synode als päpstliches Dokument. Papst Franziskus hat oft wiederholt, was unter «Synodalität» zu verstehen ist. Synodalität besteht zunächst darin, gemeinsam und einander zuhörend zu suchen, was Gott heute für sein Volk und seine Kirche will.
Synode zu halten bedeutet, gemeinsam den Weg zu gehen, um den Willen Gottes zu suchen. Papst Leo hat gerade seine erste Enzyklika geschrieben, die den Ton seines Denkens angibt. Dieser Text steht weitgehend in der Kontinuität des Denkens von Franziskus. «Die Armen sind keine soziologische Kategorie, sondern das Fleisch Christi selbst» (D T 110).
Neulich waren wir mit den Pilgern der Diözese auf dem Petersplatz zur Messe. Der Heilige Vater hielt eine sehr schöne Predigt über «Gerechtigkeit und Glauben». Mir ist ein Satz im Gedächtnis geblieben, mit dem der Papst die Rolle des Glaubens in unserem Leben definiert hat. «Der Glaube ist ein Band der Liebe zwischen Himmel und Erde. Ein Volk ohne Glauben ist wie Kinder ohne ihren Vater.»
Was tun wir, um den Glauben weiterzugeben, den wir von unseren Vätern empfangen haben? Papst Leo vertraut uns diese Mission an. (…) Ich hatte die Freude, unserer Diözese elf Jahre lang zu dienen. Wie Sie wissen, habe ich Papst Leo meinen Rücktritt eingereicht, und er hat ihn angenommen. Er bittet mich, bis zur Weihe des nächsten Bischofs an der Spitze der Diözese zu bleiben.
Wir sind alle aufgerufen, dafür zu beten, dass der Heilige Geist die Wahl erleuchtet und unserer Diözese einen Bischof nach Gottes Herzen schenkt. Ich für meinen Teil danke Ihnen für die Freundlichkeit, mit der Sie mich aufgenommen haben, " " trotz all meiner Unzulänglichkeiten, angefangen bei der Sprache. Ich danke Gott, dass ich Sie kennenlernen durfte. Sie bleiben in meinem Herzen und in meinen Gebeten. Danke.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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