Am Jubiläum der synodalen Teams vom letzten Wochenende sind erstmals Schweizer Jugendvertretende eingeladen gewesen. Ivo Bühler, Verbandspräses des Verbandes Katholischer Pfadi (VKP) und Leiter der Fachstelle Jugendseelsorge Solothurn erzählt, wie das war und wie es dazu kam.
Regula Pfeifer
Meines Wissens sind junge Menschen aus der Schweiz erstmals an einem weltsynodalen Anlass dabei, ist das richtig?
Ivo Bühler: Jein. Ja, wir waren zum ersten Mal offiziell zu einer Weltsynode eingeladen. Wir waren aber schon 2023 und 2024 mit dem «Dachs-Bau» in Rom und begleiteten die Synode.
Wie ging eure synodale Vorgeschichte?
Bühler: Anlässlich der Weltsynode 2023 organisierten wir als Dachs-Bau ein verlängertes Wochenende in Rom. Rund 25 Jugendliche nahmen daran teil. Die Gruppe war jedoch zu gross und die Zeit zu kurz, um in einen echten Austausch mit den Vertretenden der Synode zu kommen. So passten wir die Dachs-Struktur an und waren während der gesamten zweiten Synodalversammlung 2024 in wechselnder Besetzung mit jeweils fünf bis zehn Jugendlichen anwesend. Dabei empfingen wir rund 40 Synodenteilnehmende zu Gesprächen.
In die berühmte Synodenhalle Paul XI. kamt ihr wahrscheinlich nicht, oder?
Bühler: Doch, einmal. Eine amerikanische Gruppe von etwa 100 Studierenden, die sich intensiv mit Synodalität beschäftigte, lud uns ein, sie in die Synodenaula zu begleiten.
Gingt ihr hinein, als die offiziellen Synodenteilnehmenden am Diskutieren waren?
Bühler: Nein, wir waren zu einem Spezialmeeting eingeladen. Kardinal Hollerich, Generalrelator der Synode, Schwester Leticia Salazar (San Bernardino) und Bischof Daniel Ernest Flores aus Texas diskutierten Fragen der amerikanischen Studierenden. Wir sassen an den Synodentischen und waren Teil eines Livestreams, welcher vor allem in Amerika wahrgenommen wurde.
Wie kam es dazu, dass ihr am synodalen Grossanlass vom letzten Wochenende, dem Jubiläum der synodalen Teams in Rom, offiziell dabei wart?
Bühler: Als ich nach jenem Spezialmeeting von 2024 den Saal verliess, lief ich zufälligerweise neben Kardinal Mario Grech (Leiter des Synodensekretariats, Red.) und begann mit ihm zu reden. Ich fragte ihn, ob er Lust und Zeit habe, sich mit uns vom Dachs-Bau zu treffen. Doch ging es ihm zeitlich nicht. Ich konnte ihm aber einen Pin vom Dachs-Bau in die Hand drücken. Das war wohl der Grund, weshalb er sich an uns erinnerte, als ich im Synodebüro nachfragte, ob wir am Jubiläum teilnehmen dürfen. Denn postwendend erhielt ich die Antwort, dass der Dachs-Bau herzlich zur Teilnahme am gesamten Programm eingeladen ist. So waren wir nun offiziell Teil der Veranstaltung – mit Badge und allem.
Wer nahm teil?
Bühler: Seitens Dachs-Bau haben Cyprian Grüsser aus dem Kanton Zürich und Thomas Schläppi aus dem Kanton Zug und ich als Vertreter der Jugendverbände teilgenommen. Aus Deutschland war der Bundesvorsitzende des BDKJ, Volker Andres, angereist. Da unsere Planung sehr kurzfristig war, wir hatten nur eineinhalb Monate Zeit, fand sich niemand aus Südtirol und Österreich und auch die Frauen, die bereits Schweizer Vertreterinnen beim Dachs-Bau 23/24 waren, hatten leider keine Zeit. Dafür war mit Roman Fiabane, der Mitglied des Präsidiums der Synodalitätskommission ist und sich bei Adoray engagiert, ein weiterer junger Mensch aus der Schweiz dabei.
Wie hast du es dann erlebt?
Bühler: Beeindruckt hat mich die Begegnung auf Augenhöhe. Mein bisheriges Bild von Veranstaltungen im Vatikan war, dass die ersten Reihen den Kardinälen vorbehalten waren, dann kamen die Bischöfe, dann die Priester und zum Schluss alle anderen. Am Jubiläum hingegen betraten wir die Halle Paul VI. gemeinsam als synodale Kirche. Ich sass neben Vertretern der australischen Bischofskonferenz und sprach mit den Bischöfen über Jugend und Solidarität. Hinter mir waren amerikanische Studierende, vorne eine Laiengruppe aus Österreich. Wir sassen bunt gemischt. Amt und Hierarchie waren nicht mehr wichtig und wir begegneten uns mit gegenseitigem Interesse.
Was brachtet ihr in die Diskussionen ein?
Bühler: Eine synodale Haltung erfordert viel Zuhören. So waren die Gespräche weniger Diskussionen, sondern viel mehr Impulse und Reflexionen. Dennoch war mein Anliegen: Denkt auch an die Beteiligung junger Menschen, denn sie sind, wie auch in den Podien betont wurde, das «Jetzt» der Kirche. Im «Gespräch im Geist» kam in meiner Kleingruppe immer wieder das Thema der Beteiligung von Jugendlichen an synodalen Prozessen auf. Die Frage war: Wie schaffen wir es, dass sich junge Menschen, die der Kirche distanziert gegenüberstehen, in eine synodale Kirche mit ihren neuen Möglichkeiten einbringen?
Habt ihr Ansätze gefunden?
Bühler: Es ist auch Aufgabe unserer Organisationen und Fachstellen, dazu beizutragen, dass Synodalität gelebt wird. Wir können unsere Erfahrungen aus Rom weitergeben, damit diese neue synodale Kirchenkultur gelebt wird. Papst Leo hat gesagt: «Die Kirche ist synodal». Das fand ich sehr stark. Und alle sind eingeladen, synodal daran teilzunehmen.
Welche Erfahrungen aus Rom möchtet ihr konkret in der Schweiz anwenden?
Bühler: Ich spreche hier als Fachstellenleiter der Jugendseelsorge im Kanton Solothurn: Wir organisieren am 10. November eine Tagung zum Thema Firmung in Bern. Wie üblich wird es auch eine Wissenssicherung geben. Dabei plane ich, dass Interessierte dies auch als «Gespräche im Geist» tun können. So lernen Interessierte diese Methode kennen und können sie weiter in ihre Pfarreien oder Firmkurse tragen. Ich finde, sie bringt viel, um nach einem Tag voller Impulse etwas auf einen gemeinsamen Punkt zu bringen.
Am letzten Sonntag in Rom habt ihr selbst einen Anlass organisiert, was war das?
Bühler: Das war ein Netzwerktreffen, das wir gemeinsam mit unseren Freunden von den amerikanischen katholischen Universitäten, die wir im Jahr zuvor kennengelernt hatten, durchführten und zu dem wir Jugendvertretende und Teams, die zu den Themen Jugend und Synodalität arbeiten, einluden. Es ging uns darum, im Hinblick auf die Kirchenversammlung 2028 ein Netzwerk aufzubauen, um Erfahrungen auf dem gemeinsamen Weg auszutauschen und synodale Begegnungen zu ermöglichen.
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