In Frankreich boomt der Katholizismus unter jungen Menschen. Davon kann man hierzulande nur träumen. Dennoch nehmen auch in Genf die Erwachsenentaufen – auf niedrigem Niveau – zu. Insgesamt sechs Teams begleiten die Kandidatinnen und Kandidaten auf ihrem Weg zur Taufe in der Osternacht.
Barbara Ludwig
Sébastien Baertschi ist verantwortlich für die Jugendpastoral der römisch-katholischen Kirche in Genf und kennt die Taufstatistik der letzten Jahre im Kanton. Von einem Taufboom mag er, wenn überhaupt, nur in Bezug auf Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sprechen. So hätten sich 2022 erst vier Jugendliche taufen lassen. Dann stieg die Zahl auf 20. 2024 liessen sich gar 40 Jugendliche taufen, dieses Jahr waren es 30.
Im gleichen Zeitraum haben die Erwachsenentaufen in Genfer Pfarreien stetig zugenommen – auf niedrigem Niveau: 2022 liessen sich 25 Erwachsene taufen, dieses Jahr waren es 45 Personen. «Gleichwohl handelt es sich um ein Phänomen, das sich ausweitet, seit sich die Tradition der Kindstaufe verflüchtigt», sagt Baertschi gegenüber kath.ch. Diesen Trend, also den anhaltenden Rückgang der Kindstaufen, dokumentiert auch die jüngst veröffentlichte Schweizer Kirchenstatistik.
Die neuen Katholikinnen und Katholiken seien mehrheitlich zwischen 20 und 35 Jahre alt und kämen aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Milieus, so der Leiter der Jugendpastoral. «Da gibt es eine ganz grosse Vielfalt.» Die einen kämen aus einem atheistischen Umfeld, während andere aus ursprünglich christlich geprägten Familien stammten.
Dass die Menschen den Kontakt zur Kirche suchen, führt Baertschi weniger auf missionarische Anstrengungen der Kirche zurück. «Manche haben ein einschneidendes Erlebnis, das zu einer Art Bekehrung führt. Bei vielen entwickelt sich zunächst über längere Zeit hinweg eine Beziehung zu Gott, noch bevor sie überhaupt ins Katechumenat eintreten oder mit irgendjemand darüber sprechen.» Als Katechumenat wird die Vorbereitung auf die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe bezeichnet. Die Menschen, die diesen Weg gehen wollen, heissen Katechumenen.
In Genf schlägt die Kirche den Taufwilligen vor, sich zwei Jahre Zeit zu nehmen und zwei Fastenzeiten als Katechumene zu erleben, bevor sie das Sakrament in der Osternacht empfangen. «Aber wir begleiten jeden Einzelnen in seinem individuellen Tempo», sagt Sébastien Baertschi. Die Taufvorbereitung ist in verschiedene Etappen gegliedert, die teils mit Riten verbunden sind. Besonders bedeutsam seien zwei Momente, erklärt der Leiter der Jugendpastoral.
Einer davon sei die Aufnahme ins Katechumenat, bei der die Taufbewerber in einer liturgischen Feier ein Kreuz und eine Bibel erhalten. In einem speziellen Ritus macht der Priester mit dem Daumen an verschiedenen Körperstellen ein Kreuzzeichen: Zunächst auf die Stirn, bei Ohren, Augen, dem Mund, auf Brust und schliesslich auf den Schultern.
Und er begleitet dies jedes Mal mit einer Aussage. «Empfangt das Kreuz Christi auf eurer Stirn. Es ist Christus selbst, der euch durch das Zeichen seiner Liebe beschützt. Bemüht euch fortan, ihn kennenzulernen und ihm zu folgen», heisst es zu Beginn.
Ein anderer starker Moment sei die Feier, in der die Taufbewerber ihre Entscheidung kundtun, sagt Sébastien Baertschi. Diese findet jeweils am ersten Fastensonntag statt, 40 Tage vor der Taufe in der Osternacht.
«Bei dieser Feier begegnen sie dem Bischof, der die universelle Kirche symbolisiert», sagt Sébastien Baertschi. «Der Bischof oder jemand anders ruft die Taufbewerber bei ihrem Namen und sie antworten ‹Hier bin ich›, indem sie sich erheben.» Im Rahmen dieser Feier werden die Namen der Katechumenen in ein Register eingetragen.
Ein Katechumenat für Erwachsene bietet die katholische Kirche in Genf seit mindestens 30 Jahren an. Laut Baertschi gab es zunächst nur ein Team zur Begleitung der Taufbewerber, auf kantonaler Ebene, weil sich anfänglich kaum Erwachsene für die Taufe interessierten. Unterdessen, mit der Zunahme der Taufbewerber, existieren fünf weitere Teams auf Ebene der Pfarreien.
Diesen Teams gehört oft ein Pfarreiseelsorger oder eine Pfarreiseelsorgerin an und ein oder zwei Freiwillige, von denen manche ebenfalls den Weg des Katechumenats gegangen sind.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/wie-die-katholische-kirche-in-genf-erwachsene-zur-taufe-begleitet/