Wahlen in Kirchenpflege von Menziken-Reinach: Vier Kandidaten wollen Spaltung im Pastoralraum überwinden

Ein Priester ohne Missio, Konflikte in der Kirchenpflege und das Wahlterminchaos – im Pastoralraum Aargau Süd herrscht Unfrieden. Zwei Frauen und zwei Männer wollen nicht länger zuschauen. Sie kandidieren für die Ergänzungswahl in die Kirchenpflege. Damit kommt es am 30. November zu einer Kampfwahl, da einige Kandidaten der für ungültig erklärten Wahl von Ende August erneut antreten.

Barbara Ludwig

Die Situation in der Kirchenpflege Menziken-Reinach AG und im Pastoralraum Aargau Süd ist vergiftet. Das zeigte sich gleich zu Beginn der Pressekonferenz, zu der Toni Bättig (57), Markus Rötheli (74), Margrit Schalch (69) und Irene Fumasoli (70) an diesem Montagmorgen im Restaurant «Storchen» in Menziken geladen haben: Bättig, alt Gemeinderat, ehemaliger Vizepräsident der Kirchenpflege und zurzeit Vizepräsident der Partei «Die Mitte Kulm», informierte die anwesenden Journalistinnen, dass die Medienkonferenz «aus Angst vor Repressionen gegen uns Kandidierende» akustisch aufgenommen werde.

Anschliessend präsentierte der Menziker einen Überblick über Ereignisse der letzten Monate und Jahre, die zu «viel Unruhe, Unsicherheit und Spaltung» im Pastoralraum geführt hätten.

Umstrittene Seelsorger

Da geht es zum einen um Pfarrer Piotr Palczynski, seit 17 Jahren bei der Kirchgemeinde angestellt. Dieser hätte laut Bättig nach zehn Jahren, wie es «üblich» sei, seine Stelle weitergeben und eine neue Aufgabe an einem anderen Ort übernehmen sollen. Sein «Stellenbesitz» sei jedoch dank der Unterstützung der damaligen Kirchenpflege mehrfach verlängert worden, sagte Bättig.

Und es geht auch um den «charismatischen und polarisierenden» –  so die Wortwahl von Bättig – Priester Luis Reyes. Der im Bistum Lugano inkardinierte Priester war bis 2024 Kaplan im Seelsorgeraum Aargau Süd. Der aktuelle Kirchenpflegepräsident Martin Sigg weibelt seit Monaten für seine Rückkehr, obschon ihn das Bistum Basel nicht weiter einsetzen will.

Auch die Arbeitsgruppe «Zukunft unserer Kirche» wünscht sich eine Rückkehr des aus Lateinamerika stammenden Geistlichen. Einige Mitglieder dieser Gruppe kandidieren erneut für die Ergänzungswahl vom 30. November, nachdem sie bereits an der von der Aargauer Landeskirche für ungültig erklärten Wahl vom 31. August teilgenommen hatten.

Dass Luis Reyes ohne bischöfliche Bewilligung und ohne Lohn zeitweise weiterhin als Prediger im Pastoralraum wirke, habe «viele Gläubige verunsichert und die Meinungen gespalten», sagte Bättig an der Pressekonferenz. Im April erfuhr kath.ch von Reyes persönlich, er sei «als Freiwilliger» im Pastoralraum tätig.

Konflikte innerhalb der Kirchenpflege

Bättig erwähnt weiter die Konflikte innerhalb der Kirchenpflege, konkret die von Martin Sigg eingereichte Anzeige wegen «angeblichem Amtsmissbrauch und Veruntreuung» gegen mehrere Personen, «darunter auch eine Person aus dem eigenen Gremium». An der Kirchgemeindeversammlung vom letzten Herbst habe Martin Sigg «öffentliche Anschuldigungen und Diffamierungen gegen ein verbliebenes, in diesem Zusammenhang beschuldigtes Kirchenpflegemitglied» gemacht.

Als ein anwesender Bürger zu den Vorwürfen habe Stellung nehmen wollen, sei ihm das Wort verweigert worden, berichtete Bättig. Stattdessen sei der Kirchbürger von Pfarrer Palczynski persönlich aus der Kirche begleitet worden – «ein Vorgehen, das einem Geistlichen in einer kirchenpolitischen Versammlung gar nicht zusteht». Die Vorgänge zeigten deutlich, «wie krumm die Dinge in unserem Pastoralraum derzeit laufen», so Toni Bättig.

Kritik an Kirchenpflegepräsident

Bättig und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter stören sich zudem an «mutmasslich manipulierten» Versammlungen. Normalerweise nähmen jeweils rund 50 Stimmberechtigte teil. Bei der vorletzten Kirchgemeindeversammlung – im November 2024 – seien es dann auf einmal fast 150 Personen gewesen – «viele davon wurden mutmasslich durch Luis Reyes zur Teilnahme motiviert, um Martin Sigg im Kampf um das Präsidium der Kirchenpflege zu unterstützen», so Toni Bättig. Sigg wurde damals tatsächlich zum Präsidenten der Kirchenpflege gewählt.

Besonders irritierend sei die «eigenmächtige Ansetzung» von Zusatzwahlen für die Kirchenpflege durch Martin Sigg gewesen, «gegen die Vorschriften des kantonalen Kirchenrats». Dies werfe ernsthafte Fragen «zur Fairness und Transparenz und Ehrlichkeit» auf. Hätten diese Zusatzwahlen tatsächlich Ende August stattgefunden, wären genau jene vier Kandidierenden der Arbeitsgruppe «Zukunft unserer Kirche» gewählt worden, «welche mutmasslich seinem Lager angehören» und sich für die Rückkehr von Luis Reyes einsetzen, sagte Bättig weiter.

Der Kirchenrat der Landeskirche hatte diesen Wahltermin annulliert, einen neuen festgelegt und schliesslich einen Sachwalter zur Durchführung bestellt: Am 30. November finden die Ergänzungswahlen statt, bei der vier zusätzliche Mitglieder für die Kirchenpflege gewählt werden – das Gremium wird auf zehn Personen aufgestockt. Bereits am 18. November findet eine Ersatzwahl für ein zurückgetretenes Mitglied statt.

«Unterschiedliche Meinungen einbringen»

Toni Bättig, Markus Rötheli, Margrit Schalch und Irene Fumasoli wollen nun mit ihrer Kandidatur den Stimmberechtigten eine echte Wahlmöglichkeit geben. «Wir wollen das Gremium wieder breiter aufstellen, unterschiedliche Meinungen einbringen und vor allem die Anliegen der Gläubigen ernst nehmen, so Bättig. Würden sie gewählt, gäbe es eine ausgeglichene Situation für die Meinungsbildung und Entscheidfindung in dem Gremium.

Bei den vier Kandierenden handelt es sich um kirchlich engagierte Personen. Rötheli war wie Bättig in der Vergangenheit auch Mitglied der Kirchenpflege, zudem war er Mitglied des Parlaments der Landeskirche, also Synodaler. Alt Gemeinderätin Margrit Schalch ist ehemalige Katechetin, ehemalige Synodale und ehemalige Präsidentin des katholischen Frauenvereins. Irene Fumasoli war Pfarreisekretärin in Unterkulm und Vorstandsmitglied des dortigen Katholischen Frauenkreises.

Glaube soll verbinden – nicht trennen

«Unsere Kirche soll wieder ein Ort sein, an dem Vertrauen wachsen darf, wo Fragen erlaubt sind und wo der Glaube verbindet – nicht trennt!», umschreibt Bättig die Vision der vier Kandidierenden.

Markus Rötheli sagte in der anschliessenden Fragerunde, er stelle sich zur Verfügung, weil der Zusammenhalt fehle. Der Pfarrer und Luis Reyes würden die lokale Kirche spalten, statt zur Einheit beizutragen. Einheimische Gläubige und solche mit ausländischen Wurzeln sollten wieder miteinander auskommen. «Das ist für mich sehr wichtig. In letzter Zeit fühlte man sich als Schweizer ausgeschlossen», so Rötheli.

«Wir wollen, dass es hier Platz für alle hat.»

Man sei nicht gegen Ausländer, stellte Bättig im Anschluss an das Votum von Rötheli klar. Integration sei auch in der Kirche wichtig. Man stelle jedoch fest, dass zurzeit viele Schweizerinnen und Schweizer die umliegenden Kirchen besuchten. Früher sei vielen Gläubigen die Kirche vor Ort zu wenig konservativ gewesen, so dass sie nach Luzern zum Gottesdienst gegangen seien. «Heute gehen sie nach Luzern, weil es bei uns zu konservativ ist. Wir wollen aber, dass es hier Platz für alle hat.»

Auch Margrit Schalch ist es ein Anliegen, «alle ins gleiche Boot zu holen», wie sie an der Pressekonferenz sagte. Viele Mitglieder seien abgesprungen. «Sie sollen wieder Vertrauen haben, um zurückkommen zu können.» Irene Fumasoli will sich, sofern sie gewählt wird, für Fairness und Zusammenhalt einsetzen. Sie habe gemerkt, dass «einiges nicht mehr im Lot» sei im Pastoralraum. «Glaube, Hoffnung und Frieden sind wichtig», so die frühere Pfarreisekretärin. Sie sei bereit, Verantwortung zu übernehmen.


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