Bischof Marian Eleganti feierte am Sonntag die Eröffnung des 100-Jahr-Jubiläums der Antoniuskirche in Basel. Nicht nur ist die Fassadenkirche aus Beton in architektonischer Hinsicht besonders, sie zeichnet sich auch durch ein starkes Gemeindeleben aus.
Boris Burkhardt
«Es geht nicht nur um die Bauleute, Architekten und damaligen Gläubigen, derer wir heute gedenken», sagt Marian Eleganti, «sondern um etwas Tieferes». Der emeritierte Churer Weihbischof sieht in einer Kirche weit mehr als ein Gebäude: «Diese Kirche ist nicht nur ein Bau mit hohen Wänden und schönen Fenstern, sondern hat auch ein Herz.»
Am 11. Oktober 1925 wurde in Basel der Grundstein für die Kirche St. Anton gelegt, was rund 200 Gläubige am vergangenen Sonntag in einem Gottesdienst unter der Leitung von Bischof Marian feierten. Der Gottesdienst ist zugleich der erste Höhepunkt der vielfältigen Jubiläumsveranstaltungen der Pfarrei St. Anton, die sich über drei Kalenderjahre bis zum Jahrestag der Weihe am 20. Februar 1927 erstrecken werden.
Die Antoniuskirche im Quartier St. Johann ist ein besonderes Gebäude als älteste Schweizer Kirche, die vollständig aus Beton gebaut wurde, und aufgrund ihrer Bauweise als Fassadenkirche integriert in die benachbarte Wohnbebauung. Sie wurde nach den Plänen von Karl Moser (1860–1936) gebaut, der in Basel auch für den Badischen Bahnhof (1910–1913) und die reformierte Pauluskirche (1989–1901) verantwortlich ist.
Die Kirche war nicht nur das letzte Bauwerk Mosers, sondern auch der erste katholische Neubau in Basel, wo die katholische Kirche erst 1970 die Anerkennung als Kantonalkirche erhielt. Geplant war das Kirchengebäude schon seit 1910: Der ursprüngliche Architekt Gustav Doppler (1828–1914) sah als Wettbewerbssieger unter 63 Teilnehmern noch ein freistehendes Gebäude vor; die Planungen wurden aber durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Als Dopplers Sohn Alfred die Planungen wieder aufnahm, konnte er seinen ETH-Dozenten Moser für das Projekt gewinnen.
Moser verdankt die Kirche ihre Ausrichtung parallel zur Kannenfeldstrasse, die Konstruktion aus Beton und Eisenbeton sowie die hohe Bauweise von 22 Metern und die auffälligen, hohen Fenster, die ein ganz eigenes Licht im Kirchenraum ermöglichen. Auf dieses Licht ging auch Bischof Marian in seiner Predigt ein, das er als Symbol für die Anwesenheit Gottes sieht.
«Die Kirche lebt durch jeden einzelnen Gläubigen, durch jeden einzelnen Beter.»
Er war sich sicher: «Der Herr steigt vom Himmel und segnet das Haus: Wenn der Herr nicht das Haus baut, ist alle menschliche Mühe umsonst.» Gott sei mit dem Bau in die Kirche eingezogen und verweile dort «bleibend, immerwährend» im Allerheiligsten. Die Kirche als Bauwerk bleibe aber nur lebendig, wenn sie genutzt würde als «Ort für Gott und für sich selbst»: «Die Kirche lebt durch jeden einzelnen Gläubigen, durch jeden einzelnen Beter.»
Alle Gläubigen seien Bausteine dieser Kirche, sagte Bischof Marian und zitierte Paulus: «Ihr seid Gottes Bau. Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.» In Zeiten leerer Kirchen wusste der Bischof um die Ausnahme in der Antoniuskirche: «Hier ist immer ein Beter vor Ort.»
Dies bestätigt nach dem Gottesdienst im Gespräch mit kath.ch Heinz-Peter Mooren, seit Ende der Siebziger Mitglied der Gemeinde, einst Pfarreiratspräsident und Basler Kirchenratspräsident, heute im OK der Jubiläumfeiern verantwortlich für die Medienarbeit: «Man kann kommen, wann man will, es sind immer wenigstens ein, zwei Menschen in der Kirche, die beten oder Kerzen anzünden.»
Die Pfarrei habe ein äusserst grosses Angebot mit einer täglichen Messe sowie der täglichen Ewigen Anbetung, einmal wöchentlich sogar nachts. Dies sei möglich, weil viele nationale Gruppierungen wie Tamilen, Inder, Philippiner und Slowenen sowie die Tridentinische Gemeinde in der Pfarrei St. Anton «sehr gut integriert» seien.
Die Gemeindemitglieder schauen den Jubiläumsfeierlichkeiten laut Mooren mit Spannung entgegen: «Das Gemeindeleben ist stark; das Interesse ist da, in der Kirche mitzuarbeiten.» Im Wünschebuch zum Jubiläum, das seit drei Wochen in der Kirche ausliege, seien bereits 30 Seiten in vielen Sprachen beschrieben worden. Allerdings setzt Mooren das Gemeindeleben auch in Relation: «1925 hatte die Pfarrei 20000 Mitglieder, heute noch knapp 4000.»
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Singkreis St.-Anton-Allerheiligen und dem Kirchenchor Peter und Paul Allschwil, die gemeinsam von Alexander Schmid geleitet wurden, sowie von den Organisten Karolina Sanna und Urs Hoechle; letzterer spielte am Nachmittag ein Improvisationskonzert. Ausserdem wohnten dem Gottesdienst drei Schweizergardisten der Region Basel bei. Wie Mooren berichtet, hatte die Pfarrei St. Anton im Laufe ihrer Geschichte mit rund zehn Männern einen überdurchschnittlich grossen Anteil an der Päpstlichen Schweizergarde: «Heute war aber keiner von uns darunter.»
«Er kam bei den Jugendlichen damals gut an.»
Bischof Marian sei eingeladen worden, weil er vor einigen Jahren die Firmung in der Pfarrei durchgeführt habe, sagt Mooren auf Nachfrage: «Er kam bei den Jugendlichen damals gut an.» Keine Rolle habe für die Pfarrei gespielt, dass der Bischof stark in der öffentlichen Kritik steht, weil er 2020 Corona verharmloste, öffentlich gegen die christliche LGBTQ-Gemeinschaft betete und Reformierten das Christsein abspricht.
Der Basler Bischof Felix Gmür sei terminlich verhindert gewesen, erklärt Mooren ausserdem. Er habe aber bereits sein Mitwirken für den Abschlussgottesdienst des Jubiläums im Februar 2027 zugesagt, zumal er der Pfarrei sehr verbunden sei: Vier Jahre wirkte er in St. Anton als Diakon und Priester.
Das Programm des Jubiläums 100 Jahr St. Anton findet sich unter https://www.antoniuskirche.ch/jubilaeum/jubilaeum.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/bischof-marian-alle-glaeubigen-sind-bausteine-dieser-kirche/