Erstmals in ihrer Geschichte haben die Anglikaner ein weibliches Oberhaupt. Davon scheint die katholische Kirche noch weit entfernt, doch ein Glückwunschschreiben an Sarah Mullally gibt es trotzdem aus dem Vatikan.
(CIC/KNA) Glückwünsche aus dem Vatikan an die erste Erzbischöfin von Canterbury: Am Freitag gratulierte der vatikanische Ökumenebeauftragte Kardinal Kurt Koch dem neuen Oberhaupt der Anglikaner, Sarah Mullally, zu ihrem neuen Amt. Er übermittle ihr die besten Wünsche der katholischen Kirche, schreibt der Schweizer Kardinal.
Die Herausforderungen, vor denen die Kirche von England und die Anglikanische Gemeinschaft derzeit stünden, seien beträchtlich, so Koch. «Ich bete darum, dass der Herr Sie mit allen Gaben segnen möge, die Sie für das sehr anspruchsvolle Amt benötigen, zu dem Sie nun berufen wurden, und Sie dazu befähigen möge, ein Instrument der Gemeinschaft und Einheit für die Gläubigen zu sein, denen Sie dienen werden.»
In seinem Schreiben ging Koch auch auf die Beziehung beider Kirchen ein: Im Verlauf des fast 60-jährigen Dialogs hätten sich ein grosses gegenseitiges Verständnis und eine grosse Zuneigung füreinander entwickelt. «Trotz gelegentlicher Spannungen wurde dieses Bemühen um eine tiefere Gemeinschaft durch die herzlichen Beziehungen zwischen den Hirten unserer beiden Gemeinschaften unterstützt», so der Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Es sei seine innige Hoffnung, dass diese Nähe auch in den kommenden Jahren fortbestehen möge, schreibt Koch abschliessend.
Sarah Mullally, die bisherige Bischöfin von London, war am Freitag von König Charles III. zum 106. Erzbischof von Canterbury ernannt worden. Sie ist damit erste Erzbischöfin der anglikanischen Kirche von England – und damit auch die erste Primatin, also zweithöchste Repräsentantin der Church of England nach dem Monarchen.
Die gelernte Krankenpflegerin Mullally wechselte 1999 für fünf Jahre als Leiterin Pflege ins britische Gesundheitsministerium. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. Im Juli 2015 wurde sie vom anglikanischen Primas Welby zur Bischöfin geweiht; in Exeter war sie Englands zweite Diözesanbischöfin. Seit 1987 ist Mullally verheiratet; sie hat zwei Kinder.
Ziemlich genau ein Dritteljahrhundert dauerte es, bis eine Frau nun die oberste Stufe der Karriereleiter in der Kirche von England erklommen hat. Im November 1992, vor 33 Jahren, beschloss die Generalsynode die Zulassung von Frauen zum Priesteramt – mit einer hauchdünnen Mehrheit.
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