Die Evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz wagt einen neuen Anlauf zur Aufarbeitung von Missbrauchsvorfällen in den eigenen Reihen. Neben dem sexuellen soll auch der spirituelle Missbrauch Thema sein einer neuen Studie.
Stefan Betschon
Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs will der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (EKS) vorwärts machen. Er beantragt die Durchführung einer wissenschaftlichen Studie. Der Antrag befindet sich auf der Liste der Traktanden, mit denen sich die Delegierten der Landeskirchen anlässlich der Synode beschäftigen werden. Die Synode findet am 3. und 4. November in Bern statt.
Mit einem ähnlichen Traktandum hatten sich die Delegierten der reformierten Landeskirchen im Sommer 2024 schon einmal befasst. Damals lehnten sie die Durchführung einer wissenschaftlichen Studie ab. Auf der Liste der Traktanden stand damals eine überaus teure – 1,6 Millionen Franken – und wissenschaftlich aufwendige sogenannte Dunkelfeldstudie. Anstelle der teuren Studie wurde damals immerhin die Gründung einer Arbeitsgruppe «Schutz der persönlichen Integrität» beschlossen, um Vorschläge für das weitere Vorgehen zu prüfen.
Diese Arbeitsgruppe hat nun nach mehreren Sitzungen den Plan für eine Studie erarbeitet, die deutlich billiger – 250’000 Franken – und besser auf die Situation der EKS zugeschnitten sein soll.
Die neue Studie soll einerseits Erfahrungsberichte von Betroffenen sammeln und andererseits strukturelle und institutionelle Faktoren analysieren. Neben dem sexuellen soll auch der spirituelle Missbrauch untersucht werden. Weiter sollen die bisherigen Anstrengungen zur Aufarbeitung der Missbrauchsvorfälle evaluiert werden. Schliesslich sollen auch konkrete Vorschläge für die Prävention ausgearbeitet werden.
Die Arbeitsgruppe liess sich von externen Fachpersonen aus der empirischen Sozial- und Religionsforschung beraten. Diese Experten schlugen vor, die Studie methodenoffen auszuschreiben. So liessen sich qualitative Interviews mit institutionellen Analysen kombinieren.
Falls die Delegierten an der Synode in Bern dem Antrag des Rats folgen, könnte der Auftrag für die Studie bis im Sommer 2026 erfolgen. Mit Ergebnissen wäre dann bis Ende 2027 zu rechnen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/reformierte-missbrauchsstudie-2-0/