«Ohne Laien-Theologinnen würde die Kirche zusammenbrechen»

Edith Zingg, Gemeindeleiterin in Ostermundigen bei Bern, hat in dieser Woche am internationalen Treffen der «Lay Minister» in Rom teilgenommen. Im Gespräch mit den Journalisten von «Vatican News» schilderte sie ihre Erfahrungen als Frau in leitender kirchlicher Funktion.

Stefan Betschon

In ihrer Pfarrei in Ostermundigen bei Bern leitet Edith Zingg ein Team von rund 30 Angestellten. Dazu gehören Katechetinnen, aber auch Theologen und eine Sakristanin. Es gebe zwar schon einen leitenden Priester, aber «de facto liegt die Verantwortung bei mir», erklärt Zingg im Interview mit «Vatican News». Vom Basler Bischof Felix Gmür erhielt sie den Auftrag, Taufen zu spenden und Beerdigungen zu leiten. Für diese Vollmacht sei sie «dankbar». Es sei entscheidend, «dass wir als Kirche dort präsent sind, wo wir gebraucht werden».

Weltweite Vernetzung

Am internationalen Treffen der katholischen «Lay Minister» in Rom konnte Zingg Kolleginnen und Kollegen aus Südkorea, Ghana, den Philippinen, Indien, den USA, Chile, Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen. Sie erlebte den Austausch als sehr «spannend». In den Gesprächen sei deutlich geworden, dass die Rahmenbedingungen für Laien in Leitungspositionen weltweit sehr unterschiedlich seien.

Das Bistum Basel hat in den letzten Jahren die Rolle der Laien gestärkt. Die Erfahrungen von rund 40 Theologinnen bildeten die Grundlagen für eine Eingabe für die Weltsynode. Bischof Gmür berichtet in seinem Begleitschreiben, dass er Frauen gefragt habe, ob sie sich als Diakoninnen weihen lassen würden. Die Mehrzahl sagte «Ja». Diese Eingabe wurde aber laut «Vatican News» öffentlich «kaum wahrgenommen».

Blick in die Zukunft

Dass Laien in der Schweiz längst unverzichtbar sind, werde innerkirchlich zwar anerkannt, so Zingg, sei aber nach aussen wenig bekannt. «Im Bistum Basel sind die meisten Sonntagsgottesdienste keine Eucharistiefeiern mehr, sondern von Laien geleitete Kommunionfeiern. Trotzdem sind viele erstaunt, wenn sie hören, dass eine Frau in der katholischen Kirche eine Pfarrei leitet.»

Mit Blick auf die Zukunft der Kirche gibt sich Zingg nachdenklich: «Ich weiss nicht, wie die Kirche Schweiz in zehn Jahren aussehen wird. Wahrscheinlich braucht es neue Formen – kleine Gemeinschaften, die im Alltag ihren Glauben teilen. Das sehe ich als grosse Chance.»


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