Die Kirche leidet unter akutem Personalmangel. Da drückt man naturgemäss eher einmal ein Auge zu und stellt jemanden ein, der nicht restlos überzeugt. Urs Brosi, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz (RKZ), spricht im Podcast «Laut + Leis» über dieses Problem.
«Also das ist ja die Gefahr, die im Raum steht. Und deswegen meinen wir auch, dass es eine gewisse Kontrolle braucht bei jenen, die dann entscheiden. Nicht, weil die jetzt per se böse entscheiden wollten oder verantwortungslos wären, sondern weil man in diesem Dilemma natürlich eher dazu neigt, eine gewisse Grosszügigkeit walten zu lassen.
Wenn man von extern beraten wird, dann hört man grundsätzlich den Ratschlag: Gerade weil ihr Personalmangel habt, solltet ihr nicht jede Person nehmen, weil das die ganze negative Situation noch beschleunigt. Also ihr müsst einen gewissen Standard haben.
Aus meiner Sicht ist der Standard aber nicht alleine durch die akademische Ausbildung gegeben. Ich selber, ich war als Student da etwas eingebildeter, was eine akademische Ausbildung bewirkt. Ich bin zurückhaltender geworden, weil ich merke, dass es viele Personen gibt, die sehr gut in der pastoralen Arbeit funktionieren ohne ein Hochschulstudium.
Ich glaube Eigenschaften im Bereich der Empathie, der Fähigkeit, auf Menschen zugehen zu können, sich echt sozial zu interessieren, wie es anderen Menschen geht – das sind wesentliche Voraussetzungen. Da müssen wir auf die Suche gehen, wo haben wir Menschen, die sich eignen und zugleich auch eine Verankerung in ihrem Glauben haben.»
Das sagt Urs Brosi im Podcast «Laut + Leis». Er ist Generalsekretär der RKZ, die zusammen mit der SBK und der KOVOS die Studie zum sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in Auftrag gegeben hat. Kernfrage der Podcast-Folge: Wo steht die Kirche zwei Jahre nach Veröffentlichung der Pilotstudie? (sl)
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