Wie sensibilisiert die Römisch-Katholische Zentralkonferenz (RKZ) ihre Mitglieder und damit auch die Kirchgemeinden für das Thema Missbrauch? Urs Brosi, Generalsekretär der RKZ, beantwortet die Frage im Podcast «Laut + Leis».
«Also das Thema, glaube ich, ist in den letzten zwei Jahren weit zur Basis hinuntergekommen, wenn auch auf einem schmerzhaften Weg. Insbesondere auch durch die hohe Zahl der Kirchenaustritte, die wir im vierten Quartal des Jahres 2023 hinnehmen mussten. Im Rahmen der Massnahmen weisen wir darauf hin, dass auch Kirchgemeinden und Landeskirchen in der Verantwortung stehen, und zwar insbesondere in der Rolle als Arbeitgeber.
Als Arbeitgebende tragen sie eine Verantwortung nicht nur für die Personen, die sie anstellen, sondern haften gegebenenfalls auch für den Schaden, den diese Mitarbeitenden verursachen, und haben eine Fürsorgepflicht für die Menschen, die sich in ihrem Kontext, also in einer Pfarrei oder Kirchgemeinde, aufhalten. Eine der Massnahmen, wo jetzt die Kirchgemeinden konkret gefordert sind, ist im Bereich der Personaldossiers. Hier möchten wir, dass sie bei der Anstellung aktiver werden mit dem Einholen von Referenzauskünften.
Das ist bislang bei Seelsorgerinnen und Seelsorger, insbesondere bei Priestern, so gut wie nicht der Fall. Wir möchten, dass Kirchgemeinden diese Verantwortung wie ein normaler Arbeitgeber wahrnehmen. Das bedingt aber, dass die früheren Arbeitgebenden auch wissen, was sie sagen dürfen, weil es kommt ja bislang nur in wenigen Fällen zu einer gerichtlichen Verurteilung.
Vielfach gibt es Vorkommnisse, die intern irgendwie geklärt wurden, die man angegangen ist. Und dann lautet die Frage, ist das jetzt etwas, was ich einem zukünftigen Arbeitgeber sagen darf oder nicht sagen darf. In diesem Verhältnis zwischen Persönlichkeitsschutz, aber auch Informationspflicht über wichtige Ereignisse versuchen wir mit einem Leitfaden mitzuhelfen, dass hier etwas mehr Klarheit entsteht und auch der Fürsorgepflicht gerecht getan wird.»
Das sagt Urs Brosi im Podcast «Laut + Leis». Er ist Generalsekretär der RKZ, die zusammen mit der SBK und der KOVOS die Studie zum sexuellen Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche in Auftrag gegeben hat. Kernfrage der Podcast-Folge: Wo steht die Kirche zwei Jahre nach Veröffentlichung der Pilotstudie? (sl)
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