Die Augustiner Chorherren von Saint-Maurice wählen Mitte September den Nachfolger von Jean César Scarcella. Dieser war im Juni nach der Publikation eines Berichts über Missbrauch im Umfeld der Abtei zurückgetreten. Die Abtei hat unterdessen einige der Massnahmen des damals angekündigten Aktionsplans umgesetzt.
Barbara Ludwig
Die Wahl des künftigen Abtes werde gemäss den für die Gemeinschaft geltenden und durch das kanonische Recht bestätigten Verfahren durchgeführt. Dies teilte die Abtei jüngst mit. Sie müsse durch den Heiligen Stuhl bestätigt werden.
«Der Name des neuen Abtes wird erst nach der Entscheidung des Papstes bekannt gegeben werden.» Der Abtprimas der Konföderation der Augustiner Chorherren, Hugues Paulze d’Ivoy, wird die Gemeinschaft demnach bei der Wahl begleiten.
Das Kloster Saint-Maurice ist eine Territorialabtei, der Abt ist jeweils Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz. Der frühere Abt Jean Césasr Scarcella (73) trat im Juni von seinem Amt zurück. Zuvor war ein Bericht publiziert worden, der sexuelle Gewalt im Umfeld der Abtei dokumentiert.
Vergangene Woche haben sich die Chorherren von Saint-Maurice im Rahmen einer Begegnung getroffen, um sich gemeinsam über das Profil ihres künftigen Abtes auszutauschen und die brüderlichen Bande innerhalb der Gemeinschaft zu stärken – wie ihnen auch von der Arbeitsgruppe empfohlen worden sei.
Gemeint sind die Empfehlungen der Arbeitsgruppe von Historikerinnen und Juristen, die im Juni den Bericht zum Missbrauch im Umfeld der Abtei Saint-Maurice veröffentlicht hatten.
«Wir versuchen schrittweise, einen Kulturwandel herbeizuführen, indem wir die Entstehung solcher Räume fördern, in denen offen und frei gesprochen wird», lässt sich Simone Previte in der Mitteilung zitieren. Previte ist seit rund vier Monaten Prior der Abtei und aktuell auch Kapitularvikar.
Die Abtei informierte am Dienstag zudem über getroffene Massnahmen zur Umsetzung des im Juni angekündigten Aktionsplanes, mit dem sie künftig sexuellen Missbrauch und dessen Vertuschung verhindern will.
Ab Oktober wird demnach ein Chorherr eine Ausbildung in Paris absolvieren. Der Studiengang «Missbrauch und respektvoller Umgang: Zuhören, begleiten, vorbeugen» wird vom Katholischen Institut von Paris (ICP) und dem Westschweizer katholisch-kirchlichen Berufsbildungszentrum (CCRFE) gemeinsam angeboten.
Zudem würden alle Chorherren eine obligatorische Ausbildung besuchen, die vom Verein Espas angeboten wird. Dieser ist auf die Prävention von Missbrauch und die Begleitung von Opfern spezialisiert.
In der Entstehung begriffen ist das ebenfalls im Juni angekündigte neue Gremium namens «Commission de conseil en gouvernance», das den Aktionsplan umsetzen soll. Präsidentin wird Mari Carmen Avila.
Sie ist Beauftragte für Prävention im Bistum Lausanne, Genf und Freiburg und seit Anfang Jahr auch Fachmitarbeiterin bei der «Nationalen Dienstelle Missbrauch im kirchlichen Kontext». Sie gehört der Gemeinschaft der gottgeweihten Frauen des Regnum Christi in der Schweiz an, der Laienorganisation der Legionäre Christi.
Zudem hätten bereits mehrere Personen grundsätzlich ihr Einverständnis für eine Mitarbeit in der Kommission gegeben, so die Mitteilung. Im Herbst wird die definitive Besetzung des Gremiums stehen.
Seit Veröffentlichung des Untersuchungsberichts seien der unabhängigen Arbeitsgruppe keine neuen Meldungen über noch aktive Kanoniker zugegangen, schreibt das Kloster. Die Abtei ermutigt Opfer und Zeugen, sich bei der Betroffenenorganisation «Groupe Sapec» und der unabhängigen Westschweizer Kommission Cecar zu melden.
Intern verfolge die Gemeinschaft einen «Weg des Wiederaufbaus im Geiste der Brüderlichkeit, des gegenseitigen Zuhörens und des Wohlwollens», heisst es in der Mitteilung weiter. So würden konkrete Schritte unternommen, um die gemeinschaftlichen Bindungen zu pflegen und die von dieser Krise betroffenen Menschen zu unterstützen. Damit folgen die Chorherren einer Empfehlung der Arbeitsgruppe.
Die Chorherren von Saint-Maurice hätten sich auf einen anspruchsvollen, aber notwendigen Weg begeben, sagt Previte in der Mitteilung. «Es geht nicht nur darum, Wiedergutmachung zu leisten, sondern auch darum, die Kultur zu verändern, die unser Zusammenleben in der Gemeinschaft und unser Sein in der Kirche und in der Welt bestimmt.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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