Helena Jeppesen-Spuhler: Kirche soll Entscheidungsgremien öffnen

Zum dritten Mal haben sich Theologinnen und Religionspädagoginnen aus dem Bistum Chur zu einem Begegnungstag getroffen. Helena Jeppesen-Spuhler vermittelte Eindrücke aus der Weltsynode in Rom und diskutierte mit den Teilnehmerinnen, was deren Ergebnisse für die Kirche in der Schweiz bedeuten. Bei dem Treffen wurde deutlich, wie sehr die Frauen auch mit konkreten Fragen ringen.

Sabine Zgraggen*

Noch immer sind die Ergebnisse der beiden Sitzungen der Weltsynode 2023 und 2024 in Rom kaum an der Pfarrei-Basis angekommen. Deshalb berichtete die Gastreferentin Helena Jeppesen-Spuhler einmal mehr ungebrochen hoffnungsvoll von ihren Eindrücken und diskutierte mit den rund 20 Teilnehmerinnen des Begegnungstages in Altendorf SZ die drängende Frage: «Und jetzt? Wie weiter?». Zum Treffen vom Samstag eingeladen hatten erneut Brigitte Fischer Züger und Flurina Cavegn-Tomaschett, beide Mitglied der Bistumsleitung.

Die 365 Stimmberechtigten in Rom hätten eine unglaublich diverse, bunte Gruppe gebildet – darunter auch Vertreter der katholischen Ostkirchen, sagte Jeppesen-Spuhler, die als Delegierte aus der Schweiz an der Weltsynode teilgenommen hatte. «Allein das war bereits horizonterweiternd.»

Besonders eindrücklich sei der Beginn der Synodensitzung 2024 gewesen. Eine gemeinsame Bussfeier, in der ein Kardinal auch öffentlich um Vergebung bat für das Unrecht an Frauen in der Kirche. Das machte den Weg frei, im Hier und Jetzt Ausschau nach einem gemeinsamen Weg zu halten. «Auch der Abschlussbericht kann sich sehen lassen, der nun eigens in einer gut lesbaren Broschüre vorliegt, die von der Schweizer Synodalitätskommission mitherausgegeben wurde.»

Frauen gewannen Respekt an der Weltsynode

Für die 54 anwesenden Frauen in Rom sei es herausfordernd gewesen, in der begrenzten Redezeit ihre Positionen einzubringen, sagte Jeppesen. Manche Frauen hätten sich überwinden müssen, vor hochrangigen Amtsträgern frei zu reden. Denn nicht alle waren ausgebildete Theologinnen, sie traten mit ihren Erfahrungen auf: «Mit der Zeit aber wuchs der Respekt, und es wurde auf Augenhöhe diskutiert», schilderte Jeppesen. Atmosphärisch sehr dicht sei der Moment gewesen, als es um die gleiche Würde von Frauen in kirchlichen Ämtern ging – in der Aula sei es still geworden, die Geistkraft spürbar.

«Ich frage mich: Kommt das in unseren Pfarreien an?»

Brigida Arndgen, pastorale Mitarbeiterin der Pfarrei Pfäffikon SZ, zeigte sich vom Gehörten bewegt, zugleich aber nachdenklich: «Es ist sehr beeindruckend, was alles in Rom passiert ist; was diejenigen, die dort waren, an Veränderungen beobachten konnten. Doch ich frage mich: Kommt das in unseren Pfarreien an?»

Esther Menge-Meier, Theologin aus Chur, hörte eine weltweite Dimension heraus: «Frauen haben in der ganzen Welt ähnliche Probleme. In der Schweiz haben wir aber häufig das Gefühl, wir sind ein Sonderfall, bei uns wollen Frauen einfach zu viel. Aber letztlich ist in der ganzen Welt die Problematik der Nicht-Gleichstellung von Frauen in der Kirche ein Thema.» Jeppesen sieht in der Welt Entwicklungen hin zur Schwächung von Demokratien. Wie hilfreich könnte hier als Gegenbewegung auch durch die katholische Kirche eine neu einzuübende synodale Haltung werden?

Offene Fragen

Im Verlauf des Treffens wurde deutlich, wie sehr die Frauen auch mit konkreten Fragen ringen: Wer begleitet etwa Berufseinsteigerinnen, wenn es um Frauenthemen oder auch um schwierige Erfahrungen mit Denunziantentum geht? Gibt es echte Rückendeckung von kirchlichen Vorgesetzten, wenn die Frauen der Aufforderung von Papst Franziskus folgen, an die Grenzen gehen und Neues ausprobieren?

Und wie lassen sich Kleriker für synodales Zusammenarbeiten hierzulande ausbilden – zumal in anderen Ländern nach der Synode sofort neue Weiterbildungsprogramme gestartet wurden, etwa in Lateinamerika, Asien oder Österreich? Liesse sich vielleicht liesse aus unserem Nachbarland etwas übernehmen?

«Mit Kritik lässt sich für mich nichts mehr gewinnen»

Zita Haselbach betonte die Zuversicht, die sie aus den Berichten schöpfe. «Es tut gut zu hören, dass sich Sachen in Rom bewegen. Die Atmosphäre des Suchens, was unsere Möglichkeiten sind, gibt Hoffnung. Mit Kritik lässt sich für mich nichts mehr gewinnen», sagte die Präsidentin des von den Winterthurer Kirchen unterstützten Vereins Integration durch Wohnen.

Konkrete Massnahmen nötig

Der synodale Prozess gilt für Jeppesen-Spuhler als unumkehrbar. Gleichzeitig sei spürbar, dass in vielen schweizerischen Kirchen-Kontexten Resignation und Müdigkeit herrsche. «Es braucht nun konkrete Massnahmen», so ihr Fazit. Als einen Weg in die Zukunft sieht sie es, «wenn die Kirche ihre Entscheidungsgremien öffnet».

Konkret gemeint ist dabei auch die Schweizer Bischofskonferenz, wo längstens geeignete Beraterinnen teilnehmen könnten. Die Frauenkommission der Bischofskonferenz wurde einst zu einem Frauenrat heruntergestuft. Nun sei es an der Zeit, einen Schritt weiterzugehen, findet Jeppesen.

In der Schweiz gibt es seit knapp einem Jahr eine Synodalitätskommission, die im Auftrag der Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz die Beschlüsse der Weltsynode aufarbeiten soll. Ende 2025 werden auch die ausstehenden Berichte der Studienkommissionen nach der Synodensitzung 2023 aus Rom erwartet. Damit lässt sich hoffentlich in jedem Land konkret weiterarbeiten.

*Sabine Zgraggen leitet die Spital- und Klinikseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Sie war als Theologin zum Begegnungstag in Altendorf SZ eingeladen.


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