Berner luden erstmals zur multireligiösen Pride-Feier

Am Samstag steigt die Pride in Luzern zum vierten Mal – und die katholische Kantonal- und die Stadtkirche sind voll dabei. Wie sieht das anderswo in der Deutschschweiz aus? In Bern hat sich der christliche Gottesdienst für weitere Religionen geöffnet. In Basel und Biel sind die katholischen Kirchen an der Pride aktiv, nicht aber in Aarau und St. Gallen.

Regula Pfeifer

Zürich kann auf ein besonders frühes Engagement in Sachen Pride zurückblicken im Vergleich zu anderen Orten der Deutschschweiz. Bereits seit 1994 findet in der Stadt jeweils an einem Juni-Samstag eine Pride statt, 2024 wurde dementsprechend das 30-Jahr-Jubiläum begangen.

Katholischer Vikar initiiert Pride-Gottesdienst

Seit 2003 gibt es am Sonntag darauf jeweils einen ökumenischen Gottesdienst, an der jeweils auch ein römisch-katholischer Seelsorger beteiligt ist. Initiiert worden ist der Gottesdienst vom damaligen römisch-katholischen Vikar Martin Stewen, wie die Kantonalkirche in einem Beitrag erwähnt. Der Gottesdienst fand manche Jahre in der römisch-katholischen Kirche St. Peter und Paul in Zürich-Aussersihl satt, wo Stewen inzwischen als Priester arbeitet. Beispielsweise 2023, als die Kirchen 20 Jahre ökumenischen Pride-Gottesdienst feierten.

In anderen Jahren luden Kirchen anderer Konfessionen zum Pride-Gottesdienst ein. 2019 etwa die reformierte Kirche St. Peter in der Zürcher Altstadt. Damals wirkte Meinrad Furrer am Gottesdienst mit. Er war zu jener Zeit Beauftragter für Spiritualität von Katholisch Stadt Zürich. Im letzten Juni gestaltete der römisch-katholische Theologe Bruno Willi an der Feier in der christkatholischen Augustinerkirche mit. Willi leitet die HIV-Aidsseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.

Präsenz an Demo, aber kein Geld

Die Gottesdienst-Mitwirkenden und auch andere Kirchenvertretende laufen jeweils auch an der Pride-Demo mit. «Wir sollten hier Präsenz zeigen», befand Stewen in einem Beitrag der Katholischen Kirche im Kanton Zürich von 2024. Wie viele, ist nicht bekannt. Jedenfalls zeigten sich der Priester und Dekan Marcel Holzen (2022) und die damalige Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding (2023) am bunten Umzug durch die Stadt.

Im Unterschied zu Luzern beteiligen sich die katholischen Kirchen von Stadt und Kanton Zürich finanziell nicht am queeren Anlass. Das teilen beide auf Anfrage mit.

Bern ist seit kurzem dabei und innovativ

Bern ist sechs Jahre nach Zürich auf den Pride-Zug aufgesprungen, also 2000. Die katholische Kirche zog 20 Jahre später mit. «Die Katholische Kirche Region Bern unterstützt seit Frühjahr 2023 die ökumenische Initiative der Queeren Gottesdienste finanziell und personell», schreibt ihr Kommunikationsverantwortlicher Christian Geltinger.

Gerd Hotz von der Pfarrei St. Michael in Wabern habe sich bis zu seiner Pensionierung an der Vorbereitung und Durchführung engagiert. Seitdem sei Judith Suter von Katholischen Zentrum Heiliggeist Belp bei den Pride-Gottesdiensten engagiert. Beide hätten sich für die Katholische Kirche Region Bern eingebracht.

Regionale Kirche engagiert, Kantonalkirche nicht

«Die Pride als Veranstaltung haben wir in diesem Jahr finanziell unterstützt, um die Präsenz der Kirchen zu fördern und deren Solidarität für queere Menschen zu zeigen», so Geltinger. Diese Beteiligung geschehe im Wechsel mit der Reformierten Kirche. Auch kommunikativ hilft die Katholische Kirche Region Bern der Pride – mit Hinweisen auf diese Veranstaltungen auf den entsprechenden Pfarrblatt-Seiten.

Die Berner Kantonalkirche ist offenbar nicht beteiligt. «Ich habe keine Informationen, dass die Berner Landeskirche in einer Pride engagiert ist», schreibt Charles Martig. 

Bern bietet erste multireligiöse Pride-Feier

Erstmals haben sich Religionsvertreter am Sonntag nach der Pride, am 3. August, zu einer multireligiösen Feier zusammengefunden. Bisher fand jeweils – wie anderswo auch – eine christlich geprägte ökumenische Gottesdienstfeier statt.

Der Vorschlag zu dieser schweizweiten Pioniertat sei seitens Pride-OK gekommen, sagt Mathias Tanner von der Evangelisch-Reformierten Kirche Bern Jura Solothurn, der den religiösen Part der Pride koordinierte. «Mit der multireligiösen Pride-Feier wollten wir noch mehr Leute ansprechen als bisher», sagt Tanner. «Wir wollten mit dieser Feier auch einen Impuls für mehr Queerfreundlichkeit in den Religionen geben.»

Haus der Religionen als Kontaktlieferantin

Über das Haus der Religionen und externe Schlüsselpersonen kam er mit verschiedenen Religionsgemeinschaften in Kontakt und suchte darin primär nach queeren, aber auch nach nicht-queeren Menschen, welche die Feier mitgestalten wollten. Schliesslich fand die multireligiöse Feier in der christkatholischen Kirche St. Peter und Paul in Bern statt.

Dabei traten der Bischof der christkatholischen Kirche Frank Bangeter sowie Johannes Matyassy, Präsident des Vereins Haus der Religionen auf, der sich früher in der römisch-katholischen Synode engagiert hatte.

Laut einem Bericht der jüdischen Preacherin Ari Yasmin Lee, die gleichzeitig reformierte Pfarrerin ist, beteiligten sich an der Feier christliche, buddhistische, jüdische, muslimische und hinduistische Gemeinschaften.

Basler Elisabethenkirche als Pride-Gottesdienst-Raum

Basel hat 2019 den ersten Pride gestartet, um 2023 und dieses Jahr folgten weitere. Dabei organisiert die Offene Elisabethenkirche einen Pride-Gottesdienst, diesmal am 29. Juni. Die ökumenische Citykirche engagiert sich auch sonst für queere und geflüchtete Menschen. Geleitet wird sie vom reformierten Pfarrer Frank Lorenz. Eine römisch-katholische Co-Leitungsperson fehlt aktuell.

In Biel gab es 2021 die erste Pride – nach 13 Jahren Unterbruch. Seither organisieren die reformierte Kirchgemeinde Biel, der römisch-katholische Pastoralraum Biel-Pieterlen und die Paroisse Française de Bienne auch den ökumenischen «Queer Spirit Gottesdienst».

St. Galler katholische Kirchen bisher nicht an Pride

In St. Gallen ging 2000 die erste Pride über die Bühne. Eine religiöse Feier gehört bisher nicht dazu. Die katholische Kirche sei bei dem queeren Anlass nicht beteiligt, heisst es seitens Kommunikation von Bistum und Kantonalkirche. An der Pride vom letzten August-Samstag hält die katholische Stadtpräsidentin Maria Pappa eine Rede, ebenso die reformierte Pfarrerin Annette Spitzenberg, die sich im «Tagblatt» als lesbisch bezeichnete.

Die Pride Aargau ist auf den kommenden 6. September angesagt. Es ist die zweite Pride seit 2024, bisher ohne religiöse Feier. 2024 wehte an jenem Tag eine Regenbogenfahne von der katholischen Kirche Peter und Paul in Aarau – aus Solidarität, wie der Pfarreileiter Burghard Förster auf der Pastoralraum-Webseite sagte. In der Aargauer Kantonalkirche sei noch nicht über die Pride diskutiert worden, sagt die Kommunikationsverantwortliche Jeannette Hässler. Mitarbeitende hätten teilweise privat mitgemacht.


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