Katharina Jost Graf: «Ich hoffe, Papst Leo lernt von Frauen, dass Würde unteilbar ist»

Papst Leo XIV. ist seit 100 Tagen im Amt. Schweizer Geistliche, Theologinnen und Theologen machen sich Gedanken über den Start seines Pontifikats. Auch Katharina Jost-Graf, Co-Präsidentin des Frauenbunds Schweiz und Pfarreiseelsorgerin, hat eine Meinung.

Wolfgang Holz

«Papst Leo scheint mir ein netter, umgänglicher Mensch zu sein. Aber wenn ich etwas Substantielles über seine ersten 100 Tage sagen wollte, dann müsste ich mich auf andere berufen, die ihre Beurteilung wohl oft auch nur vom Hörensagen machen.

«Es gibt keinen Platz für Hochwürdigkeit.»

Und dieses Konzept, dass ein Mensch so wichtig sein soll, dass alle etwas über ihn zu wissen meinen, und dass von diesem einen Menschen so viel erwartet wird, widerstrebt mir. Ich glaube – wie viele andere – an die Gleichwürdigkeit aller Menschen. Da gibt es keinen Platz für Hochwürdigkeit.

Darum freut es mich, dass Papst Leo den synodalen Prozess weiterführen will, denn Synodalität ist gleichwürdiges Unterwegssein. Ich hoffe, dass Papst Leo von Frauen in der Synode – und anderswo – lernt, dass Würde unteilbar ist.

Es gibt nicht weibliche oder männliche Würde. Allen Menschen kommt die gleiche, von Gott geschenkte Würde zu. Ich hoffe also, dass Papst Leo lernfähig ist und dass Frauen sich auf Augenhöhe mit ihm auseinandersetzen.»

*Katharina Jost Graf (61) ist Co-Präsidentin Frauenbund Schweiz, Mitglied Steuergruppe Allianz Gleichwürdig Katholisch, Pfarreiseelsorgerin. Sie studierte katholische Theologie in Luzern und Paris.


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