Tessiner Priester wird per sofort aus dem Gefängnis entlassen

Der Priester ist vor Gericht in Lugano der mehrfachen sexuellen Nötigung sowie sexueller Handlungen mit Minderjährigen schuldig gesprochen worden. Er wurde zu einer eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, aber per sofort aus dem Gefängnis entlassen. Im Prozess hatte der Priester Fehlverhalten zugegeben.

(rp) Das Gericht in Lugano verurteilte den Priester zu einer Haftstrafe von 18 Monaten, davon 12 Monate unbedingt. Er wurde unmittelbar aus der Haft entlassen, weil er den unbedingten Teil der Strafe durch Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafvollzug schon verbüsst hatte.

Es verhängte dem Priester ausserdem ein lebenslanges Verbot, berufliche oder ausserberufliche Tätigkeiten mit Kontakt zu Minderjährigen auszuüben. Zudem muss der 56-Jährige eine ambulante Therapie absolvieren. Das berichten verschiedene Medien.

Die Staatsanwältin sprach von einer «schweren Schuld» und forderte fünfeinhalb Jahre Haft. Der 56-jährige Beschuldigte habe in «vollem Bewusstsein» gehandelt, zitierte sie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die Schuld des Priesters wiege schwer in Anbetracht der Anzahl Opfer und deren Alter.

Der Mann habe seine Opfer manipuliert, indem er ihnen «Entspannungstechniken» angeboten habe, so die Staatsanwältin. Dabei kam es zu den sexuellen Übergriffen. Betroffen davon waren neun Personen, darunter vier Minderjährige. Laut SDA forderte die Staatsanwältin für den Priester zusätzlich eine ambulante Therapie.

Priester spricht von «emotionaler Verwirrung»

Der Priester gab demnach während dem Prozess zu, das Vertrauen eines der Jugendlichen missbraucht zu haben, als er die Massagen weiterführte, obwohl der andere es nicht mehr wollte. Er meinte auch, er sei «emotional verwirrt» gewesen.

Die Verteidigung des Priesters hingegen befand, dass das eine Jahr im Gefängnis genug sei, und forderte die sofortige Freilassung. Dies berichtete das Nachrichtenportal «Tio». Er habe seine sexuellen Impulse damals nicht kontrollieren können, sei sich nun aber der Schwere seiner Handlungen bewusst.

Der Tessiner Priester wurde am 7. August 2024 inhaftiert. Bis vor Prozessbeginn befand er sich im Gefängnis La Stampa in Lugano in vorzeitigem Strafvollzug.

Vor dem Strafgericht in Lugano musste er sich am Donnerstag wegen sexueller Übergriffe verantworten, die zwischen 2015 und 2023 stattfanden. Zum Zeitpunkt der Tat war er Jugendseelsorger der Diözese Lugano, Kaplan am Kollegium Papio in Ascona und Leiter des Amtes für Religionsunterricht der Diözese.

Opfer meldete sich beim Bischof

Der Fall kam ans Licht, weil sich ein Opfer bei den Bischöfen meldete. Bereits 2021 hatte sich der junge Mann Bischof Valerio Lazzeri anvertraut, allerdings ohne Erfolg. Im Februar 2024 erzählte er dasselbe dem apostolischen Administrator der Diözese Lugano, Alain de Raemy.

Nachdem dieser dem jungen Mann zugehört hatte, schickte er ihn – wie üblich – an die Expertenkommission für Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche. Diese sollte ihn begleiten und ihm bei der Entscheidung helfen, ob er Anzeige erstatten sollte. Dies tat der junge Mann dann im folgenden April. Vier Monate später, am 7. August 2024, wurde der Priester verhaftet.

In der Zwischenzeit kamen weitere Anklagepunkte hinzu, darunter Berührungen und vermeintliche Entspannungsmassagen über der Kleidung gegenüber weiteren neun jungen Menschen, fünf volljährigen und vier minderjährigen.


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https://www.kath.ch/newsd/tessiner-priester-gibt-vor-gericht-uebergriffe-und-vertrauensmissbrauch-zu/