Der Generalmoderator der Gemeinschaft Emmanuel tritt zurück

Michel-Gernard de Vregille hat die Leitung der Emmanuel-Gemeinschaft per sofort abgegeben. Der zuständige Präfekt im Vatikan hat den Rücktritt angenommen. Gegen Mitglieder der Gemeinschaft gibt es Missbrauchsvorwürfe, ein apostolischer Besuch war angekündigt.

(cath.ch) Den Rücktritt von Michel-Gernard de Vregille hat die Emmanuel-Gemeinschaft am 7. August bekannt gegeben, schreibt die Westschweizer Agentur Imedia auf cath.ch. Der Rücktritt geschah demnach mit sofortiger Wirkung rückwirkend auf den 31. Juli. Über den Grund dafür sprachen weder der Vatikan noch die Gemeinschaft selbst.

Rücktritt mitten in der zweiten Amtszeit

Der 64-jährige Biologe hatte das Amt seit 2018 inne und war 2023 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden. Diese hätte 2028 enden sollen. De Vregille ist verheiratet und Vater von sechs Kindern.

Der Beginn seiner zweiten Amtszeit sei «besonders anstrengend gewesen», schreibt de Vregille an die Mitglieder der Gemeinschaft. «Der Missbrauch durch Mitglieder und gewisse Blindheiten, die unsere Fähigkeit, den Opfern Gehör zu schenken, beeinträchtigt haben könnten, haben mich zutiefst traurig gemacht», zitiert Imedia aus dem Brief.

Mutmassliche Täter

Namen von mutmasslichen Tätern sind im Brief keine erwähnt. Die Agentur Imedia erwähnt aber selbst zwei: So soll Pater Bernard Peyrous sexuellen Missbrauch begangen haben, was die Gemeinschaft zutiefst erschüttert habe. Peyrous war von 2009 bis 2014 Rektor des Heiligtums von Paray-Le-Monial (im Burgund) und theologische Leitfigur der Gemeinschaft.

Und der ehemalige Priester Benoît Moulay wurde von zwei Frauen in Le Mans und Rennes der Vergewaltigung beschuldigt. Der Priester wurde inzwischen aus dem Klerikerstand entlassen. Die beiden Frauen erhielten demnach im letzten Jahr von der Gemeinschaft eine finanzielle Entschädigung.

Apostolischer Besuch angekündigt

Im letzten März hatte de Vregille einen apostolischen Besuch bei der Gemeinschaft Emmanuel angekündigt. Dabei sollte deren Leitung und Arbeitsweise überprüft werden – auch angesichts der Tatsache, dass die Bewegung sich international unterschiedlich entwickelte.

Der Generalmoderator erklärte damals, der apostolische Besuch schliesse an das Seminar zum Thema Leitung im Juli 2024 an. Dabei soll es in den Mitgliederräten von Emmanuel zu Spannungen und unterschiedlichen Einschätzungen über die Situation und mögliche Verbesserungen gekommen sein.

Übergangsregierung

De Vregille und der internationale Mitgliederrat baten darauf Kardinal Kevin Farrell um Unterstützung. Der Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben steht der Gemeinschaft vor. Er riet zu einem apostolischen Besuch. Dieser hat laut Imedia noch nicht stattgefunden, vermutlich wegen der herausragenden Führungsrolle, die Farrell in der Übergangszeit vom Pontifikat Franziskus zum Pontifikat Leo hatte.

Inzwischen hat die Gemeinschaft vermutlich einen Beauftragten einer Übergangsregierung der Gemeinschaft gewählt, der die Wahl eines neuen Generalmoderators vorbereitet, wie die Tageszeitung «La Croix» vorgängig ankündigt hatte. (Aus dem Französischen übersetzt und redigiert: rp)


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