In Deutschland beten seit 70 Jahren Männer ununterbrochen für den Frieden. Der Bruder-Klausen-Kaplan Ernst Fuchs ordnet den Bezug zur Schweiz ein – und warum einst Deutschlands erster Bundeskanzler, Konrad Adenauer, in den Ranft reiste.
Jacqueline Straub
Seit kurzem gibt es am Wallfahrtsort Lindenberg bei St. Peter im Schwarzwald eine Bruder Klaus Glocke. Was bedeutet das Ihnen als Bruder-Klaus-Kaplan?
Ernst Fuchs*: Ich freue mich darüber. Der Lindenberg ist mit der Friedensbotschaft von Bruder Klaus eng verbunden. Das Katholische Männerwerk der Erzdiözese Freiburg hält dort seit 70 Jahren die Gebetswache für den Frieden, und Bruder Klaus ist ihr Patron. Kurz nach der Heiligsprechung 1947 fand der Schweizer Friedensheilige vom Ranft in Deutschland viele Verehrerinnen und Verehrer.
Auch der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, besuchte den Ranft.
Fuchs: Genau. Und als der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer im September 1955 in Moskau unter anderem über eine allfällige Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen verhandelte, wurden seine Bemühungen durch das Gebet des Katholischen Männerwerkes begleitet – auf dem Lindenberg, aber auch im Ranft.
Das ist der Beginn der bis heute andauernden Gebetswache. Konrad Adenauer selbst durchbetete im August 1955 eine Nacht vor dem Grab des Schweizer Landespatrons in der Wallfahrtskirche in Sachseln. Er wusste auch, dass seine Mission in Moskau von eifrigen Betern begleitet wurde und war dafür dankbar. Es ist also sehr stimmig, wenn es nun auf dem Lindenberg eine Bruder-Klausen-Friedensglocke gibt.
Auf dem Lindenberg wird Tag und Nacht für den Frieden gebetet. Warum gibt es solche Gebetsgruppen nicht in der Schweiz?
Fuchs: Es gibt ja Gott sei Dank in einigen Pfarreien und Gemeinschaften Gruppen, die für den Frieden beten. Aber etwas ähnliches wie die Gebetsgruppen des Deutschen Männerwerkes gibt es meines Wissens in der Schweiz nicht. Es ist jedenfalls beeindruckend, was dort seit 70 Jahren geschieht.
«Oft bitten die Pilgerinnen und Pilger besonders um den Frieden in der eigenen Familie.»
Würden Sie sich solche Gebetsgruppen wie jene am Lindenberg in der Schweiz wünschen?
Fuchs: Es wäre wunderbar, wenn auch bei uns Menschen regelmässig unter dem Patronat des heiligen Bruder Klaus zusammenkämen, um für den Frieden zu beten, selbst wenn es nur tagsüber und «nur» für eine Stunde wäre.
Warum ist Bruder Klaus noch heute so bedeutsam im Einsatz und Gebet um Frieden?
Fuchs: Die historische Friedensbotschaft des heiligen Bruder Klaus, die 1481 zum Stanser Verkommnis geführt hat, bleibt unvergessen. Die Bruder-Klausen-Statue im Bundeshaus erinnert daran.
Viele Menschen erfahren aber im Gebet auch heute, dass Bruder Klaus hilft. Viele kommen nach Sachseln/Flüeli-Ranft, um hier Bruder Klaus um Hilfe zu bitten. Die Sorge um den Frieden steht bei manchen an vorderster Stelle. Oft bitten die Pilgerinnen und Pilger besonders um den Frieden in der eigenen Familie. Jedenfalls kommt dies in den Fürbittbüchern so zum Ausdruck. Dorothee Wyss wird inzwischen auch von vielen gerade in diesen Anliegen angerufen. «Sie versteht meine familiären Sorgen vielleicht noch besser als ihr Mann», meinte vor kurzem eine deutsche Pilgerin zu mir.
*Ernst Fuchs ist seit September 2022 Bruder-Klausen-Kaplan in Sachseln.
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