Die Luzerner katholische Theologin Nicola Neider engagiert sich seit Jahren für Geflüchtete in der Schweiz. Nun reist sie mit weiteren Seelsorgenden in den Balkan, um vor Ort zu sehen, wie es geflüchteten Menschen nach ihrer Ausschaffung aus der Schweiz geht.
Regula Pfeifer
Nicola Neider engagiert sich in Luzern für geflüchtete Menschen. Sie leitet den Fachbereich Migration & Integration der Katholischen Kirche Stadt Luzern und beteiligt sich immer wieder an Aktionen zugunsten von Menschen, die in der Schweiz um Asyl nachsuchen oder als Sans-Papiers leben. Sie ist zudem als Seelsorgerin im Bundesasylzentrum Glaubenberg in Sarnen, Kanton Obwalden, tätig.
Im Bundesasylzentrum höre sie jede Woche von den Ängsten von Menschen, die nach Kroatien ausgeschafft werden sollen, schreibt Nicola Neider an kath.ch. Auch von solchen, die in andere Dublinstaaten reisen müssen – etwa nach Bulgarien, Polen, Griechenland und Zypern.
Nun will sie sich mit anderen Menschen aus NGOs und kirchlichen Gruppierungen ein Bild vor Ort machen. «Wir möchten hören und sehen, wie es diesen Menschen geht und das soziale Umfeld befragen, wie deren Situation ist», so Nicola Neider. Diesen Donnerstag reist sie mit einer Gruppe für eine einwöchige Erkundungsreise ab.
«Wir tun dies als Seelsorgende aus der Schweiz, die tagtäglich mit Geflüchteten hier zu tun haben und deren grosse Ängste erleben, nach Kroatien ausgeschafft zu werden», so Neider. An der Reise beteiligen sich katholische und reformierte Seelsorgende.
Die Gruppe wird in Kroatien den Jesuitenflüchtlingsdienst in Zagreb besuchen sowie das Zentrum in Kutina, in dem sich besonders vulnerable Personen und Familien aufhalten. Dann sind Gespräche mit NGOs in Sarajewo, Bosnien-Herzegowina, geplant. Und weiter wird die Gruppe voraussichtlich nach Bihac gehen, da es in diesem Grenzgebiet zwischen Bosnien und Kroatien besonders viele Push-Backs gebe, so Neider. Dort werden also Geflüchtete unter Zwang über die Grenze zurückbefördert.
Bereits Juli vor zwei Jahren beteiligte sich Nicola Neider an einer ähnlichen Erkundungsreise, damals ausschliesslich nach Kroatien. Die Gruppe war eine Delegation des Netzwerks migrationscharta.ch.
An der Reise beteiligten sich weiter Andreas Nufer, damals reformierter Pfarrer an der Heiliggeistkirche Bern und heute theologischer Leiter des Bildungshause der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, und Verena Mühlethaler, reformierte Pfarrerin an der Offenen Kirche St. Jakob Zürich und Präsidentin von Solinetz, das sich für Geflüchtete einsetzt.
In einem Bericht hielten sie 2023 fest, dass Kroatien unter hohem Druck stehe und das Asylwesen zunehmend überfordert sei. Dies besonders, da das Land seit 2023 dem Schengenraum angehöre. Die medizinische Versorgung der Menschen, ihre Unterbringung und das Asylverfahren würden «systemische Mängel» aufweisen.
Die Gruppe forderte deshalb die Schweiz auf, keine Rückführungen nach Kroatien mehr durchzuführen und den rund 1000 betreffenden Menschen ein Asylverfahren in der Schweiz zu ermöglichen. Sei berief sich dabei auf die Dublin-Verordnung III.
Die Forderung der Reisegruppe entspreche auch Forderungen seitens Organisationen wie der Schweizer Flüchtlingshilfe und Solidarité sans frontières, heisst es im Bericht, der kath.ch vorliegt.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/nicola-neider-will-wissen-wie-es-abgewiesenen-fluechtlingen-geht/