Donald Trump wird ab 6. September im Basler Bahnhof zu sehen sein. Und zwar als Gekreuzigten – in Form eines Kunstwerks. Das gefällt nicht allen. Christliche Gläubige fühlen sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt. Ein Theologieprofessor ordnet ein.
Wolfgang Holz
Der US-Präsident Donald Trump wird als Kunstwerk in Basel nicht nur ans Kreuz geschnallt werden, er soll auch orange Häftlingskleider tragen. Der gekreuzigte Trump hat dabei nahezu Lebensgrösse. Die Idee «The Saint or The Sinner?» – so der Titel der Kunstinstallation – stammt vom britischen Künstler Mason Storm.
Dessen Werk stellt die Zuger Galerie «Gleis 4» ab dem 6. September in ihrer neuen Basler Dependance, in einer ehemaligen Brasserie im Westflügel des SBB-Bahnhofs, aus. «Gleis 4» ist eine Galerie für zeitgenössische Kunst mit Hauptstandort in Zug und Pop-up Spaces in der ganzen Schweiz, wie auf ihrer Homepage zu erfahren ist.
Der Künstler Mason Storm wurde international bekannt als ehemaliger Mitarbeiter des mysteriösen Street Art-Künstlers Banksy. Er sorgte unter anderem für Aufsehen, als er 2010 ankündigte, das Gesicht von Banksy auf einem seiner Gemälde enttarnen zu wollen. Seitdem trägt er gemäss «Gleis 4» selbst eine Maske.
Storm verwendet häufig religiöse Motive für seine Bilder – er hat auch schon eine Abendmahlszene gemalt, auf der Jesus und seine Apostel zu sehen sind, wie sie Cola trinken und Pommes Frites von McDonalds essen.
Bereits im Mai auf der Kunstmesse Art Austria sorgte sein Kunstwerk für Diskussionen. Und jetzt kommt die «Skandal-Kunst» nach Basel – die je nach Betrachtung Donald Trump entweder an ein Hinrichtungsbett oder an ein Kreuz geschnallt zeigt.
«Als Christ bin ich zutiefst verletzt durch das Kunstwerk.»
Das Werk von Mason Storm gefällt nicht allen und löst schon im Vorfeld grosse Irritation aus, wie eine Zuschrift eines Lesers an kath.ch unterstreicht.
«Als Christ bin ich zutiefst verletzt durch das Kunstwerk von ‘Saint or Sinner’, das Donald Trump in einer Form darstellt, die christliche Symbole verwendet oder nachahmt. Ich empfinde dieses Werk als respektlos und als direkten Angriff auf meinen Glauben», so der Leser gegenüber kath.ch, dessen Namen der Redaktion bekannt ist.
«Ich respektiere die Freiheit der Kunst, doch auch diese findet ihre Grenzen, wenn sie religiöse Überzeugungen in provokanter Weise entstellt oder verspottet. Religiöse Symbole sind für Millionen Menschen heilig, sie sollten nicht instrumentalisiert werden, um politische Aussagen zuzuspitzen oder als Provokation um der Provokation willen zu betreiben», so der Leser weiter.
Der Mann bittet die katholische Kirche eindringlich, zu diesem Vorfall Stellung zu nehmen und sich öffentlich gegen solche Formen der Entwürdigung des Glaubens zu positionieren. «Ich halte es für wichtig, dass die Kirche hier ihre Stimme erhebt, zum Schutz der Würde christlicher Symbole und zur Verteidigung der religiösen Gefühle ihrer Gläubigen.»
Simon Peng-Keller, Theologieprofessor für Spiritual Care an der Universität Zürich, beurteilt das Kunstwerk sehr kritisch. Zuvor war der kunstsinnige 56-jährige Seelsorger im Kompetenzzentrum Palliative Care des Universitätsspitals Zürich. Er sagt: «Kunst darf provozieren und es ist gut, wenn sie zu Diskussionen anregt.»
Anregend sei Kunst insbesondere dort, wo sie eingefahrene Diskussionen öffne, dominante Perspektiven kritisch hinterfrage und dabei der Versuchung widerstehe, in der Konkurrenz um eine möglichst breite Aufmerksamkeit auf die billige Karte «Skandal-Kunst» zu setzen.
Mason Storms Werk findet er nicht nur in dieser Hinsicht nicht überzeugend. Im Gegenteil. «Mason Storms Saint or Sinner?’ fehlt die kritische Note gegen Donald Trumps verschleiernde Selbststilisierung als Opfer. Statt zu differenzieren, bestätigt dieses Werk ein derzeit – zumindest in den USA und manchen Social-Media-Kanälen – dominantes Narrativ, das sehr fragwürdigen, antidemokratischen Zwecken dient», so der Zürcher Theologieprofessor.
«Man könnte von einer kolossalen Fehlbesetzung sprechen: Wollte man Donald Trump in der Passionsgeschichte verorten, so wäre sein Platz nicht auf der Seite der Gekreuzigten, sondern auf jener der Vertreter des brutalen römischen Imperiums, die ihre Hände in Unschuld waschen und in ihren Festungen und Palästen Dekrete verfassen, die unzählige Menschen in Armut, Elend und Tod stürzen.»
Polarisierend und übervereinfachend ist für Simon Peng-Keller nicht zuletzt auch der Titel «Saint or Sinner». Dieser gebe eine Alternative vor, die theologisch keine sei. «Selbst Heilige sind Sünder, und dass besagter Präsident kein Heiliger ist, bestreiten selbst jene nicht, die ihn gewählt haben.»
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/trump-am-kreuz-eine-kolossale-fehlbesetzung/