Am morgigen Nationalfeiertag feiern die Tessiner Katholikinnen und Katholiken eine Messe auf dem Gotthardpass. Zum traditionellen Ereignis werden 1500 bis 2000 Gläubige erwartet, die teils im Sonderzug anreisen – gemeinsam mit Alain de Raemy, dem Apostolischen Administrator des Bistums Lugano. Dieses Jahr steht die Messe im Zeichen des Heiligen Jahres. Mitfeiern werden auch die Bischöfe Grampa, Bonnemain und Lovey.
Barbara Ludwig
Der Tessiner Priester Emanuele Di Marco engagiert sich in der Vorbereitung der traditionellen 1. August-Messe auf dem Gotthardpass. Der Gottesdienst zum Nationalfeiertag wurde erstmals 2000 auf dem Pass gefeiert, der die Ortschaften Andermatt UR und Airolo TI verbindet. Dieses Jahr spiele das Motto «Pilger der Hoffnung», also das Motto des Heiligen Jahres 2025, eine sehr wichtige Rolle bei dem Anlass, teilt Di Marco auf Anfrage mit. Dies gelte auch für die Lesungen und Lieder der Messe.
Auf der Bühne werde zudem ein Jubiläumskreuz aufgestellt. «Bei der Eröffnungszeremonie des Heiligen Jahres am 29. Dezember 2024 in der Kathedrale von Lugano waren sechs Kreuze in sechs verschiedenen Farben anwesend, die anschliessend zu sechs bedeutenden Kirchen im Tessin getragen wurden.» Eines davon, das grüne, werde am 1. August auf dem Pass zu sehen sein, so der Priester.
Man erwarte 1500 bis 2000 Gläubige, allerdings sei schönes Wetter wichtig. Bislang hätten sich Familien, Kinder, auch Pfarreien angemeldet. Im vergangenen Jahr machte das Wetter nicht mit und die Messe musste in die Pfarrkirche von Airolo verlegt werden.
Wer will, kann mit Sonderzug und Bus an- und zurückreisen. Ein Billett kostet 15 Franken, Kinder unter zwölf Jahren fahren gratis. Zur Verfügung stehen drei Sonderzüge der Diözese Lugano, die in Chiasso, Lugano und Locarno starten, wobei letztere beiden ab Bellinzona gemeinsam weiterfahren.
Auch Weihbischof Alain de Raemy, Apostolischer Administrator des Bistums, wird den Zug nehmen. «Er steigt in Lugano ein», schreibt Di Marco. Der Zug, der um 7.08 Uhr in Chiasso abfährt und um 9 Uhr in Airolo ankommt, werde von einem ehemaligen Schweizergardisten gefahren.
2023 haben erstmals Vertreter anderer Konfessionen bei der Messe mitgewirkt und Fürbitten gelesen. Dies wird auch dieses Mal der Fall sein. Sie werden zudem im Sonderzug mitfahren. Nach der Messe seien sie zum Mittagessen mit dem Weihbischof eingeladen, so Di Marco.
Zur ersten Messe auf dem Gotthardpass im Jahr 2000 wurden auch die Bischöfe von Chur, Sitten, Novara, Como und Mailand eingeladen. Dieses Jahr werden Pier Giacomo Grampa, emeritierter Bischof von Lugano, der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain, und der Sittener Bischof Jean-Marie Lovey konzelebrieren. Dies teilte der Sprecher des Bistums Lugano mit.
«Gemeinsames Beten in den Bergen ist eine grosse Geste der Gemeinschaft.»
Die Gotthardmesse sei im Tessin beliebt, meint Emanuele Di Marco. Es sei eine Gelegenheit, Grüsse und gute Wünsche für «unser Land» auszutauschen. Er selbst hält den Anlass aus verschiedenen Gründen für bedeutsam. Der Kontakt zwischen den Generationen sei sehr wichtig, und das gemeinsame Gebet helfe zu erkennen, dass der Frieden, der auch in unserer Zeit so notwendig sei, nicht nur vom Menschen abhänge.
«Frieden muss erbeten und aufgebaut werden, wie uns das Evangelium lehrt. Unser Schutzpatron, der heilige Niklaus von Flüe, war ein Baumeister der Einheit», so der Priester. Die Schweiz, als Nation, die verschiedene Kulturen und Sprachen vereint, könne uns so viel lehren, habe aber auch selbst immer noch viel zu lernen. «Gemeinsames Beten in den Bergen ist eine grosse Geste der Gemeinschaft», findet Di Marco. Der Priester ist unter anderem Interimsleiter des Diözesanbüros für schulischen Religionsunterricht.
Die Messe wird vom Tessiner Fernsehen RSI, dem Westschweizer Fernsehen TSR und vom Schweizer Fernsehen SRF live übertragen.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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