Christophe Darbellay: «Es lebe Blatten – wir glauben felsenfest daran»

Die Walliser Regierung hat ein Hilfspaket von zehn Millionen Franken geschnürt, um den Menschen im völlig verschütteten Blatten zu helfen. Deshalb wurde ein Dekretsentwurf lanciert. Mitte-Politiker und Katholik Christophe Darbellay erklärt das Prozedere. Und welche Emotionen das Schicksal des Dorfs bei ihm ausgelöst hat.

Wolfgang Holz  

Herr Darbellay, was bedeutet der Dekretsentwurf für die schnelle Hilfe für das Dorf Blatten? Muss dieser erst noch im Walliser Kantonsrat abgesegnet werden oder können die Dorfbewohner die finanziellen Hilfen von 10 Millionen Franken ab sofort beziehen?

Christophe Darbellay: Jawohl. Es brauchte ein Dekret, weil dies in der Kompetenz des Parlaments liegt. Wir werden es aber im Schnellzugstempo behandeln, sonst ist es keine Soforthilfe mehr. Wir haben das Geschäft innert Kürze vorbereitet, und das Parlament wird es im September behandeln. Hilfswerke haben bereits Gelder ausbezahlt. Eine Kommission wurde eingesetzt und kann die Gemeinde bei der Spendenverteilung zur Seite stehen.

Sind Sie denn schon persönlich vor Ort gewesen, um die Schäden in Blatten zu begutachten? Was war Ihr persönlicher Eindruck?

Darbellay: Ja. Ich war bereits vier Mal vor Ort und bin mit den Behörden und den Leuten regelmässig in Kontakt. Ich habe immer dieses Tal geliebt. Ich habe auch mehrere Kollegen, die in Blatten leben oder dort aufgewachsen sind. Das war ein Schock, der mich zutiefst getroffen hat. Solange man dies nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man diese Katastrophe kaum fassen. Gegenüber der Natur sind wir nichts.

Schmerzt Sie es neben den vielen grossen Zerstörungen im Dorf und dem menschlichen Leid, dass es keine Kirche mehr in Blatten gibt?

Darbellay: Die Kirche Blatten, die von vielen uralten Holzhäuser und von einem schönen Friedhof umgeben war, stellte wirklich etwas Besonderes dar. Ich war zum letzten Mal am Josefstag vor Ort. Ich kam mit den Skiern vom Jungfraujoch runter. Es schmerzt, dass man keine Erinnerungen mehr hat. Dass die Geschichte unter 50 bis 200 Meter hohem Schutt liegt, ist unvorstellbar.

Die Dorfbewohner von Blatten wollen ihr verschüttetes Dorf wieder aufbauen. Für wie realistisch schätzen Sie dies ein?

Darbellay: Meine Familie kommt aus einem kleinen Weiler beim Grossen Sankt Bernard, das auf gleicher Höhe wie Blatten liegt. Wir lieben die Berge und leben mit der Natur. Die Planung wird anspruchsvoll sein, aber wir glauben felsenfest daran. Es lebe Blatten.

*Christophe Darbellay ist seit 2017 Staatsrat des Kantons Wallis. Von 2003 bis 2015 gehörte er dem Nationalrat an. Von 2006 bis 2016 präsidierte er die CVP Schweiz, heute «Die Mitte».


Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.kath.ch/newsd/christophe-darbellay-es-lebe-blatten-wir-glauben-felsenfest-daran/