Eine Ära geht zu Ende: Ingenbohler Schwestern verkaufen Claraspital ans Basler Unispital

Vor fast 100 Jahren traten die ersten Patienten ins Basler St. Claraspital ein, das bis heute den Ingenbohler Schwestern gehört. Nun übernimmt das Unispital Basel die Gesundheitseinrichtung. Die Entscheidung «fällt uns nicht leicht», sagt Provinzoberin Tobia Rüttimann.

Barbara Ludwig

Das Institut Ingenbohl der Schweizer Provinz des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz hat entschieden, das St. Claraspital in Basel an das Universitätsspital Basel (USB) zu verkaufen. Dies teilt das Kloster Ingenbohl in Brunnen SZ in einem Communiqué mit.

Tumor- und Bauchzentrum

Darüber hinaus übernimmt das USB weitere Gesellschaften von den Ingenbohler Schwestern, nämlich die St. Clara Infra AG, die St. Clara Forschung AG, inklusive der Mehrheitsbeteiligungen an Clarunis AG und Begegnungszentrum Cura AG, wie die beiden Spitäler gemeinsam mitteilen.

Diese Gesellschaften verdeutlichen, dass sich das 1928 gegründete Stadtspital zu einem «hochgradig spezialisierten Spital» mit überregionaler Ausstrahlung entwickelt hat. Heute betreibt das gemeinnützige Privatspital ein grosses Tumorzentrum, ein universitäres Bauchzentrum (Clarunis), eine 24-Stunden-Notfallstation sowie diverse Spezialitäten.

«Es wird uns bald nicht mehr möglich sein, Verwaltungsrätinnen aus unseren Reihen für das Spital zu stellen.»

Nach Angaben von Schwester Tobia Rüttimann, die der Provinz Schweiz vorsteht, führten zwei Entwicklungen zum Entscheid, das Spital zu verkaufen. «Über 230 unserer Schwestern sind über 80 Jahre alt, während nur noch 15 jünger als 70 sind», wird sie in der Mitteilung des Klosters zitiert. «Es wird uns bald nicht mehr möglich sein, Verwaltungsrätinnen aus unseren Reihen für das Spital zu stellen und auf dessen Führung Einfluss zu nehmen.»

Beschränkte finanzielle Ressourcen

Ausserdem stehe das Kloster vor «grossen finanziellen Herausforderungen». Schon heute lebten 125 der Schwestern in Pflegeheimen oder im betreuten Wohnen. «Unsere finanziellen Ressourcen sind beschränkt, und wir müssen sicherstellen, dass unsere Schwestern auch in Zukunft gut versorgt sind», erklärt Rüttimann. Das Institut Ingenbohl finanziert sich gemäss Mitteilung primär durch Minimalrenten und vereinzelte Vermietungen. Zudem leiste es Unterstützung für wirtschaftlich schwächere Provinzen des Ordens.

«Entscheidung notwendig»

Beides zusammen mache es «unmöglich, die Verantwortung für das Spital weiterhin wahrzunehmen», schreibt das Kloster. Mit dem Verkauf des Spitals an das USB sei es gelungen, die beste Lösung zu finden, um den gemeinnützigen Fortbestand desselben und die finanzielle Absicherung der Ordensgemeinschaft zu gewährleisten.

«Diese Entscheidung fällt uns nicht leicht, aber sie ist notwendig, um langfristig verantwortungsvoll zu handeln», sagt Schwester Tobia weiter. Man sei überzeugt, mit dem USB den bestmöglichen und einen sehr verantwortungsvollen Partner gefunden zu haben, der für das St. Claraspital auch neue Perspektiven schafft.

Gemeinsame Werte

Das USB und das Claraspital verbinden «eine gemeinnützige Haltung und ein Menschenbild, das Patientennutzen, Qualität und Verantwortung in den Mittelpunkt stellt», schreiben die beiden Spitäler.

Am Standort des Claraspitals soll demnach ein Krebszentrum entstehen, an dem Leistungen im Bereich der Krebserkrankungen künftig unter einem Dach gebündelt werden. Dank der Übernahme wird das Universitätsspital auf einen ursprünglich geplanten Neubau verzichten.

Die Verwaltungsräte der beiden Spitäler sowie die Regierung des Kantons Basel-Stadt haben der Transaktion zugestimmt. Doch noch muss die schweizerische Wettbewerbskommission ihre Zustimmung geben, was bis Ende 2025 erwartet wird, so die gemeinsame Mitteilung. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Eine Ära geht zu Ende

Die Krankenpflege hat eine lange Tradition bei den Ingenbohler Schwestern, die dieses Jahr den 200. Geburtstag ihrer Gründerin, Maria Theresia Scherer, feiern. So gründeten sie laut dem Historischen Lexikon der Schweiz zwei Krankenpflegeschulen in der Schweiz und unterhielten Spitäler und Privatpflegestationen. Mit dem Verkauf des Spitals in Basel geht nun eine Ära zu Ende.

«Wir haben keine weiteren Spitäler mehr, das St. Claraspital ist das letzte», teilt Schwester Tobia auf Anfrage von kath.ch mit. Das Kloster besitze aktuell noch ein Pflegeheim, das Elisabethenheim auf dem Bleichenberg in Zuchwil SO. «Auch da suchen wir nach einer neuen Trägerschaft als Zukunftslösung», so die Provinzoberin. Das Alterszentrum St. Josef in Ingenbohl gehöre ebenfalls dem Kloster, dieses benötige man aber primär für die eigenen Mitschwestern.


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https://www.kath.ch/newsd/ingenbohler-schwestern-verkaufen-claraspital-ans-basler-unispital-eine-aera-geht-zu-ende/