Noch 14 Schwestern vom Heiligen Kreuz leben im Mutterhaus des Instituts Menzingen ZG. Nun wagt die Gemeinschaft den Schritt in die Zukunft und baut ungenutzte Teile des Mutterhauses zu barrierefreien, bezahlbaren Wohnungen und Gewerberäumen um. Rund 100 Menschen unterschiedlichen Alters sollen fortan im «Klosterhof Menzingen» zusammenleben.
Regula Pfeifer
«Das Generationenwohnprojekt Klosterhof zeigt exemplarisch, wie historische Klostergebäude für die Zukunft gestaltet werden können: als Raum für gemeinschaftliches, generationenübergreifendes Wohnen und als Modell für nachhaltige, gesellschaftlich relevante Lösungen im Wohnungsbau», so heisst es in der Medienmitteilung.
Anstoss zu diesem Schritt hat – wie bei anderen Klöstern auch – die schwindende Anzahl Ordensfrauen gegeben. Das führte dazu, dass viele Gebäude, die zum Institut Menzingen gehören, gar nicht mehr von den Schwestern benutzt werden. Der Orden befinde sich in einem grundlegenden Transformationsprozess, heisst es.
Vor rund zehn Jahren entwickelte die Schwesterngemeinschaft deshalb eine Vision, wie Geschäftsführer Thomas Odermatt kath.ch gegenüber erklärt. «Kernanliegen der Vision war die Öffnung der Klosteranlage für die öffentliche Gemeinschaft.»
Doch das sollte nicht irgendwie geschehen. Den Ordensfrauen war wichtig, «den Wandel wertorientiert zu gestalten – im Sinne einer christlichen Grundhaltung und mit dem Anspruch, einen nachhaltigen Beitrag für die Gesellschaft und die Bewahrung der Schöpfung zu leisten», so die Mitteilung.
Resultat der Ideensuche ist das Projekt «Klosterhof Menzingen». Nicht mehr genutzte Teile des Mutterhauses werden in barrierefreie, bezahlbare Wohnungen umgewandelt. Insgesamt 45 Wohnungen mit jeweils 2,5 bis 5,5 Zimmern sollen es werden. Darin soll eine «vielfältige Bewohnerschaft» einziehen, also etwa ältere Menschen, Familien, junge Erwachsene und Wohngemeinschaften. Rund hundert sollen Platz haben.
Daneben entstehen sechs Gewerberäume, Gemeinschaftsräume, ein Gäste- und Jokerzimmer sowie ein öffentliches Bistro. Das Bistro werde als Treffpunkt für die Bewohnenden, die Schwestern und die lokale Bevölkerung konzipiert, heisst es weiter. Mit lokalen und regionalen Produkten im Bistro und örtlichen Dienstleistenden in den Gewerberäumen wird demnach die örtliche Wirtschaft gefördert. Bereits bekannt ist: Die Musikschule der Gemeinde Menzingen wird in den Klosterhof einziehen.
Christlich ist das Projekt insofern, als das gemeinschaftliche und unterstützende Wohnen auf einer christlichen Grundhaltung beruht, sagt Odermatt. «Unterstützen und füreinander da zu sein, sind wichtige Werte der Schwesterngemeinschaft.» Auch dass die Mietpreise sozial verträglich, also für viele erschwinglich seien, gehöre dazu.
Gläubige Christen oder Christinnen müssen Interessierte allerdings nicht sein. «Die Religionszugehörigkeit spielt bei der Vergabe der Wohnungen keine Rolle», so Odermatt. «Respekt und Wertschätzung für die klösterliche Gemeinschaft und ihre Aktivitäten werden jedoch gewünscht.»
Auf die Frage, was Familien motivieren könnte, in den Klosterräumen einzuziehen, verweist Odermatt auf das Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens, auf die fairen Mietpreise und auf die «schöne historische Umgebung inmitten eines Naturschutzgebietes».
Im Klosterhof sollen die Bewohnenden nicht einfach nebeneinander herleben. Vielmehr hoffen die Projektbeteiligten auf ein aktives Zusammenwohnen der Beteiligten und fördern dieses auch. «Mit einem kooperativen Prozess werden die neuen Bewohnenden bereits vor dem Bezug zusammengeführt, um die Gemeinschaftsflächen und ihre gemeinschaftlichen Wohnvorstellungen und eine gute Nachbarschaft zu gestalten», heisst es in der Mitteilung.
«Wir werden gemeinsam mit den interessierten Mieterinnen und Mietern im Rahmen von verschiedenen Workshops die konkrete Umsetzung entwickeln», sagt Odermatt. So könne etwa ein Siedlungsverein oder eine Mietergemeinschaft für den lebendigen Austausch verantwortlich sein – der etwa Nachbarschaftshilfe und gemeinsame Anlässe beinhalten könnte.
Die vierzehn Schwestern vom Heiligen Kreuz, die im Mutterhaus leben, werden laut Odermatt Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern pflegen. «Aufgrund ihres hohen Alters wird eine aktive Unterstützung und Begleitung der Mieterschaft wohl nur noch sehr am Rande und sehr vereinzelt möglich sein», sagt er gegenüber kath.ch.
Weiterhin seien sie aber Ansprechpersonen für Menschen, die mit ihren Anliegen ans Grab von Mutter Bernarda kommen, die Mutterhauskirche besuchen oder die Ausstellung über die Schwesterngemeinschaft vom Heiligen Kreuz besuchen. Aktuell unterstützen zudem einige Schwestern Asylsuchende beim Deutschlernen und der Integration.
«Vordergründig steht die Umnutzung von Klostergebäude für zeitgemässe Nutzung im Vordergrund», gibt Odermatt zu. «Die Mieteinnahmen helfen, den Unterhalt der historischen Bauten, wie Kirche, Park und Friedhof, in Zukunft zu finanzieren.» Doch das Projekt versteht sich laut Mitteilung auch als «eine Antwort auf die drängende Wohnraumkrise, insbesondere im Kanton Zug, sowie die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft.»
Die Bauarbeiten für den «Klosterhof» haben demnach bereits Anfang 2025 begonnen. Bezugsbereit sollen Wohnungen und Gewerberäume Anfang 2027 sein.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.kath.ch/newsd/vision-der-schwestern-klosterhof-menzingen-soll-mehrgenerationenhaus-sein/