Petition: Über 1100 Personen kritisieren Stellenabbau am Religionspädagogischen Institut

Die Theologische Fakultät Luzern streicht Dozentinnenstellen beim Religionspädagogischen Institut (RPI). Die Petitionäre sehen dadurch «das schweizerische Kompetenzzentrum für Religionspädagogik» bedroht. Die Dekanin der Theologischen Fakultät entgegnet, auch künftig stehe die praxisnahe Ausbildung im Zentrum.

Barbara Ludwig

Die auf der Plattform «openpetition.eu» veröffentlichte Petition übt harte Kritik an Sparmassnahmen, die dem Religionspädagogischen Institut (RPI) in Luzern von Seiten der Theologischen Fakultät der Universität Luzern auferlegt werden.

Über 1100 Unterschriften

Das 1964 gegründete Institut ist der Theologischen Fakultät angegliedert und bietet Studiengänge im Bereich Religionspädagogik an. Seine Absolventinnen und Absolventen wirken unter anderem im Religionsunterricht in Schulen und Pfarreien, in der kirchlichen Jugendarbeit und der Katechese.

Die Petition, die sich an die Theologische Fakultät und die Schweizer Bischofskonferenz richtet, wurde vor dem Pfingstwochenende lanciert. Über 1100 Personen (Stand 12. Juni) haben sie unterzeichnet. Zu den Erstunterzeichnenden zählt der Vorstand des Religionspädagogischen Verbands, Absolventinnen und Absolventen des RPI, Theologinnen und Theologen, Seelsorgende sowie Leitende kirchlicher Fachstellen.

Zwei Dozentinnen betroffen

Im Kernteam des RPI werden laut Angaben der Petitionäre «drei Dozentenstellen und eine Verwaltungsstelle gestrichen». Die Dekanin der Theologischen Fakultät, Margrit Wasmaier-Sailer, bestätigt auf Anfrage von kath.ch jedoch nur den Abbau von zwei Dozentenstellen und einer Verwaltungsstelle. Betroffen von den Sparmassnahmen ist zum einen eine Dozentin für Dogmatik, Fundamentaltheologie und Liturgiewissenschaft, wie die Theologische Fakultät in einem Brief mit Datum vom 1. Mai 2025 an die Studierenden des RPI mitteilte.

Das Arbeitsverhältnis mit dieser Dozentin am RPI werde «beendet», schrieb Dekanin Margrit Wasmaier-Sailer damals. Sie werde noch bis 31. Juli in dieser Funktion tätig sein. «Darüber hinaus ist eine weitere Dozentin mit einem Teilzeitpensum von 30 Prozent vom Stellenabbau betroffen», teilt die Dekanin nun gegenüber kath.ch mit. «Insgesamt entspricht der Abbau innerhalb des Dozierenden-Teams einem Umfang von rund 90 Stellenprozenten.»

Auf eine weitere Nachfrage von kath.ch zu einer dritten Dozentin im Bereich Katechese, die betroffen sein soll, teilt die Fakultätsmanagerin Teres Graf in Absprache mit der Dekanin mit: «Die Stelle einer Mitarbeiterin, die gekündigt hat, wird teilweise nachbesetzt.»

«Tragendes Standbein in Kirchenlandschaft»

Aus Sicht der Petitionäre handelt es sich um einen «massiven» Stellenabbau. Sie befürchten einen «erheblichen Qualitätsverlust», wie aus einer Medienmitteilung vom Mittwoch hervorgeht. Man sei «äusserst besorgt darüber, was das für die Zukunft der Kirche Schweiz bedeutet», heisst im Petitionstext.

Das Institut sei ein «tragendes Standbein der Kirchenlandschaft Schweiz». Seine Absolventinnen und Absolventen wirkten nicht nur in den oben genannten Bereichen, sondern sie seien ebenso prägend tätig an Fachstellen und in Kirchenleitungen.

Die Sparmassnahmen bedrohten die Existenz des RPI als schweizerisches Zentrum für Religionspädagogik, so die Befürchtung. «Gerade in der aktuellen und künftigen Situation des Personalmangels darf eine ganze Berufsgattung nicht preisgegeben werden.»

Kommen berufsspezifische Kompetenzen zu kurz?

Andreas Hopf ist Präsident des Religionspädagogischen Verbands, gleichzeitig Student am RPI und zählt zu den Erstunterzeichnern der Petition. Er befürchtet, dass durch den Stellenabbau künftig die berufsspezifischen Kompetenzen im Bereich Katechese, Jugendarbeit und Pädagogik zu kurz kommen. «Wir absolvieren kein gewöhnliches Studium, wo man Theologievorlesungen besucht. Unsere Ausbildung soll zu einem Qualifikationsprofil mit bestimmten Kompetenzen führen», sagt er gegenüber kath.ch.

Professoren der Theologischen Fakultät könnten deshalb die RPI-Dozenten nicht einfach ersetzen, ist Hopf überzeugt. «Ich habe Angst, dass wir eine Ausbildung bekommen gemäss den Professoren und nicht eine Ausbildung, die sich an den geforderten Kompetenzen orientiert.»

«Leider liessen sich Einsparziele nicht ohne personelle Auswirkungen realisieren.»

Mit den Sparmassnahmen setzt die Theologische Fakultät einen Auftrag der Universität Luzern um. Ziel der Massnahmen sei es, die «Fakultät zukunftsfähig aufzustellen und die Lehre und Forschung langfristig zu sichern», erklärt die Dekanin gegenüber kath.ch. Verschiedene «Szenarien» seien geprüft worden. «Leider liessen sich Einsparziele nicht ohne personelle Auswirkungen realisieren», bedauert Margrit Wasmaier-Sailer.

Auf die Frage, warum gerade beim RPI gespart werde, antwortet sie, die Sparmassnahmen würden die Fakultät in unterschiedlichem Ausmass betreffen. «So werden Anpassungen über mehrere Bereiche hinweg vorgenommen – unter anderem durch eine Umstrukturierung freiwerdender Professuren wie auch in der Administration.»

Integration in Strukturen der Fakultät

Künftig würden gewisse Lehrangebote des RPI «zentral über die Theologische Fakultät organisiert», so Margrit Wasmaier-Sailer. Die Fakultät habe «diesbezüglich die Ressourcenplanung im Zuge der Umstrukturierung so angepasst», dass die Lehre vollumfänglich gewährleistet sei.

Bereits im Schreiben an die Studierenden des RPI vom 1. Mai hatte die Dekanin auf den Zusammenhang der Sparmassnahmen mit einem laufenden Synergieprozess hingewiesen. Zentraler Bestandteil der Sparmassnahmen sei die Fortführung des bereits 2020 vom Universitätsrat in Auftrag gegebenen «Synergieprozesses» zwischen der Theologischen Fakultät und dem Religionspädagogischen Institut. «Ziel ist es, das RPI im Zuge einer Reorganisation noch stärker in die Strukturen der Fakultät zu integrieren.»

Neuausrichtung soll «Relevanz» des RPI sichern

Gegenüber kath.ch versichert die Dekanin, das RPI bleibe «integraler Bestandteil der Fakultät» und der Diplom- und der Bachelorstudiengang Religionspädagogik würden weitergeführt. «Die Neuausrichtung des RPI soll seine Relevanz sichern, indem es verstärkt auf aktuelle Herausforderungen in Kirche, Bildung und Gesellschaft reagiert», erklärt sie.

Die Kernaufgaben des Instituts blieben bestehen. Auch künftig stünde die praxisnahe Ausbildung in den Bereichen Religionsunterricht, Katechese, kirchliche Jugendarbeit und Gemeindeanimation im Zentrum. Und: «Inhaltlich orientiert sich das Angebot weiterhin am Qualifikationsprofil für Religionspädagoginnen und Religionspädagogen.»

«Qualität stets überprüft»

Die Petitionäre vermissen laut ihrer Mitteilung «zukunftsgerichtete Kriterien zur Wahrung der Qualität und der Berufssicherung der Religionspädagogik», ebenso «eine zukunftsorientierte Strategie sowie konkrete Anstrengungen, den folgenschweren ‹Kahlschlag› an Ressourcen und Personal rückgängig zu machen».

Die Dekanin erwidert dazu, die «Fakultät als Ganzes» verfüge über bestens qualifizierte Dozierende, die auch in Zukunft die hohe Qualität in Lehre und Forschung sicherstellten. «Durch regelmässige Evaluationen der Lehrveranstaltungen sowie durch Rückmeldungen von kirchlichen Praxispartnern wird die Qualität des Lehrgangs stets überprüft.»


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https://www.kath.ch/newsd/petition-ueber-1100-personen-kritisieren-stellenabbau-am-religionspaedagogischen-institut/